Katar, WM 2022: Hand in Hand mit der Mutter Richtung Halbfinale

„Wenn ich gross bin Mama, dann will ich ein Fussballstar werden!“, welche Mutter kennt diesen Satz nicht? Kaum hält ihr Sohn zum ersten Mal einen Fussball in der Hand, blicken seine glänzenden Augen bereits Richtung Fussballweltmeisterschaft. Sofiane Boufal lebt diesen Traum und feiert zusammen mit seiner Mutter den 1:0 Siegeszug von Marokkos Nationalmannschaft im Fussballstadion von Katar.

Das sensationelle 1:0 gegen Portugal verhalf der Nationalmannschaft von Marokko zu einem historischen Erfolg in der Geschichte der Fussball-Weltmeisterschaft. Die überwältigende Begeisterung überkommt das gesamte Stadion, weltweit kamen live-geschaltete Fussballmoderatoren nicht mehr aus dem Staunen raus und während das Team ausser sich war vor Freude, lädt Sofiane Boufal seine Mutter mit aufs Spielfeld ein, nur um mit einem Freudetanz, vor den Augen der Weltöffentlichkeit, seinen Sieg zu feiern! Es dürfte einer dieser Momente sein, welcher uns Zuschauern auch nach der WM 2022 für immer in Erinnerung bleiben wird.

Mit Bezug auf watson.ch erfahren wir, dass Boufal (29) in Paris auf die Welt zur Welt kam und zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern aufgewachsen ist. Sein Vater verliess den heutigen Nationalspieler als er drei Jahre alt war, doch auf seinem langen Weg zum Fussballstar begleitete Boufals Mutter ihren Sohn Schritt für Schritt bis zum legendären Freudetanz an der WM 2022.

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Mindestlöhne für Hausangestellte werden erhöht

Die Verordnung über den Normalarbeitsvertrag für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Hauswirtschaft (NAV Hauswirtschaft) wird um drei Jahre verlängert. Das hat der Bundesrat am 9. Dezember 2022 entschieden. Gleichzeitig werden die Mindestlöhne erhöht. 

Über die letzten drei Jahre betrachtet (2019-2021) betrug die Verstossquote gegen die minimalen Lohnbestimmungen des NAV Hauswirtschaft zehn Prozent bei den Arbeitgebern und neun Prozent bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dies bedeutet, dass der geltende Mindestlohn unterschritten wurde. Der Bundesrat ist deshalb der Ansicht, dass die Voraussetzungen für eine Verlängerung des NAV Hauswirtschaft erfüllt sind: Einerseits liegen wiederholte Verstösse gegen die Mindestlöhne vor. Anderseits ist wegen der starken Nachfrage nach ausländischen Betreuungskräften in Privathaushalten davon auszugehen, dass beim Wegfall des Mindestlohnes im NAV der Druck auf die Löhne und die Missbrauchsgefahr steigen würde. Der Bundesrat stützt sich dabei auf die Einschätzung der tripartiten Kommission des Bundes im Rahmen der flankierenden Massnahmen (TPK Bund, bestehend aus Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände und der Verwaltung).

Die Mindestlöhne werden gemäss Antrag der TPK Bund an die Nominallohnentwicklung für die Jahre 2019 bis 2021 angepasst und werden demnach um 1,5 Prozent erhöht. Schliesslich behält sich die TPK Bund die Möglichkeit vor, während der Laufzeit des NAV Hauswirtschaft je nach Arbeitsmarktlage eine weitere Erhöhung der verbindlichen Mindestlöhne zu beantragen.

Den Antrag für eine Verlängerung des NAV Hauswirtschaft und eine gleichzeitige Anpassung der Mindestlöhne stellte die TPK Bund. In der Schweiz handeln die Sozialpartner die Löhne in ihrer Branche traditionell selbst aus, der Staat greift grundsätzlich nicht in die Lohnbildung ein. Deshalb sehen die Flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union vor, dass der Staat nur unter zwei Voraussetzungen zum Instrument des NAV-Mindestlohnes greifen darf: Erstens, wenn in einem Beruf oder in einer Branche wiederholte missbräuchliche Lohnunterbietungen festgestellt werden und zweitens, wenn keine sozialpartnerschaftliche Lösung möglich ist. Zudem darf der Mindestlohn weder dem Gesamtinteresse zuwiderlaufen noch die berechtigten Interessen der anderen Branchen beeinträchtigen. Im Vernehmlassungsverfahren unter den Kantonen und Verbänden hatte die Verlängerung des NAV Hauswirtschaft und die Anpassung der Mindestlöhne mehrheitlich Zustimmung gefunden.

Vernehmlassung zur Individualbesteuerung eröffnet

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 2. Dezember 2022 die Vernehmlassung zur Individualbesteuerung eröffnet. Alle Personen sollen eine eigene Steuererklärung ausfüllen, auch wenn sie verheiratet sind. Die Vorlage dient als indirekter Gegenvorschlag zur Steuergerechtigkeits-Initiative, welche der Bundesrat ablehnt.

Die Individualbesteuerung verfolgt das Ziel, möglichst hohe Arbeitsanreize für Zweitverdienende zu setzen und die Chancengleichheit der Geschlechter zu fördern. Zudem wird die als «Heiratsstrafe» bekannte Höherbelastung von bestimmten Ehepaaren gegenüber unverheirateten Paaren beseitigt, in dem Ehepaare wie unverheiratete Paare getrennt besteuert werden. Für alle steuerpflichtigen Personen gilt der gleiche Tarif. Im Interesse einer ausgewogenen Besteuerung schlägt der Bundesrat verschiedene Begleitmassnahmen bei der direkten Bundessteuer vor:

  • Für Eltern: Der Kinderabzug soll von heute 6500 Franken auf 9000 Franken pro Kind steigen, da der Übergang zur Individualbesteuerung die Entlastungswirkung des Kinderabzugs bei Ehepaaren reduziert.
  • Für Alleinstehende und Alleinerziehende: Hier ist ein Abzug von 6000 Franken vorgesehen, weil Haushalte, die aus mindestens zwei erwachsenen Personen bestehen, Haushaltsersparnisse (z. B. tiefere Wohnkosten) erzielen.
  • Für Ehepaare mit nur einem Haupteinkommen: Für Ehepaare mit nur einem Einkommen oder einem geringen Zweiteinkommen stellt der Bundesrat eine Variante mit und eine ohne Korrektiv zur Diskussion. Die Variante ohne Korrektiv fördert den Erwerbsanreiz für Zweitverdienende besonders stark. Die Variante mit Korrektiv wirkt der Höherbelastung von Einverdiener- gegenüber Zweiverdienerehepaaren entgegen, in dem sie einen Abzug für Einverdiener-Ehepaare erlaubt. Der Abzug kann bis zu 14 500 Franken betragen und nimmt mit steigendem Zweiteinkommen ab.

Positive Beschäftigungseffekte erwartet

Der Bundesrat erwartet bei der direkten Bundessteuer Mindereinnahmen von einer Milliarde Franken. Davon trägt der Bund 78,8 Prozent (rund 800 Mio. Franken) und die Kantone 21,2 Prozent (rund 200 Mio. Franken). Offen sind die Auswirkungen auf die kantonalen Steuern.  Der Bund rechnet mit positiven Beschäftigungseffekten, da es insbesondere für verheiratete Zweitverdienende attraktiver wird, mehr zu arbeiten. Die Umsetzung der Individualbesteuerung auf allen Staatsebenen könnte bis zu 47 000 Vollzeitstellen führen.

Auswirkungen auf die Steuerlast

Bei der direkten Bundessteuer wird die Reform für die Mehrheit der Personen zu einer Entlastung führen. Diese ergibt sich insbesondere für verheiratete Personen mit eher gleichmässiger Einkommensaufteilung, darunter auch zahlreiche Rentnerehepaare. Höherbelastungen können sich demgegenüber für alleinstehende Personen mit Kindern und verheirateten Paaren mit nur einem Einkommen oder nur einem geringen Zweiteinkommen ergeben.

Indirekter Gegenvorschlag zur Steuergerechtigkeits-Initiative

Da das Gesetzesprojekt zur Einführung der Individualbesteuerung bereits fortgeschritten ist und die Volksinitiative «Für eine zivilstandsunabhängige Individualbesteuerung (Steuergerechtigkeits-Initiative)» erst am Anfang steht, empfiehlt der Bundesrat, diese abzulehnen. Er stellt ihr das vorliegende Gesetzesprojekt als indirekten Gegenvorschlag gegenüber.

Die Vernehmlassung dauert bis zum 16. März 2023.

Bundesrat hat Departementsverteilung vorgenommen

Der Bundesrat hat am 8. Dezember 2022, in seiner künftigen Zusammensetzung ab 1. Januar 2023, die Verteilung der sieben Departemente vorgenommen und die Stellvertretungen geregelt.

Die Verteilung wurde im Kollegium wie folgt beschlossen:

•    Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA):
Bundespräsident Ignazio Cassis
Stellvertretung: Bundesrat Alain Berset

•    Eidgenössisches Departement des Innern (EDI)
Bundesrat Alain Berset
Stellvertretung: Bundespräsident Ignazio Cassis

•    Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD)
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider
Stellvertretung: Bundesrätin Karin Keller-Sutter

•    Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS)
Bundesrätin Viola Amherd
Stellvertretung: Bundesrat Guy Parmelin

•    Eidgenössisches Finanzdepartement (EFD)
Bundesrätin Karin Keller-Sutter
Stellvertretung: Bundesrat Albert Rösti

•    Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF)
Bundesrat Guy Parmelin
Stellvertretung: Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider

•    Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK)
Bundesrat Albert Rösti
Stellvertretung: Bundesrätin Viola Amherd

Der Bundesrat wird die Verteilung an seiner Sitzung vom 11. Januar 2023 formell bestätigen und freut sich, in der neuen Zusammensetzung seine Arbeit fortzuführen.

Porträt Albert Rösti

Albert Rösti wurde 1967 geboren und wuchs in Kandersteg (BE) auf. Er besuchte das Gymnasium in Thun und studierte Agronomie an der ETH Zürich. 1997 erlangte er den Doktortitel. 2001 und 2002 machte er einen Master of Business Administration (MBA) an der Universität Rochester in den USA.

Beruflich war Albert Rösti unter anderem als Landwirtschaftslehrer, Generalsekretär der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern und Direktor der Schweizer Milchproduzenten tätig. Ab 2013 führte er das «Büro Dr. Rösti», das Beratungen für Wirtschaft und Politik anbot. Zudem hatte er verschiedene Verwaltungsratsmandate inne und war in verschiedenen Verbänden aktiv. Albert Rösti ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Albert Rösti startete seine politische Laufbahn 2008 in der Exekutive von Uetendorf (BE), ab 2014 übte er das Amt des Gemeindepräsidenten aus. 2011 wurde er in den Nationalrat gewählt. Von 2016 bis 2020 war er Präsident der SVP Schweiz.

Serben stören sich sogar an dem Namen von Shaqiri

Die serbische Nationalmannschaft, die Zuschauer und die serbischen Politiker knüpfen bei der aktuellen WM dort an, wo sie 2018 aufgehört haben. So wie bei der letzten WM 2018, fahren sie auch bei der aktuellen WM mit skandalösen Provokationen im Vorfeld und während des Spiels fort. Die serbische Zeitung „Blic“ schreibt nach dem Tor von Xherdan Shaqiri, dass er zwar nicht mit dem Doppeladler feierte, er zeige jedoch auf seinen Namen. Das sei eine Provokation. Das zeigt ein grundsätzliches Problem der Serben auf. Bereits ein albanischer Name stellt für sie eine Provokation dar. Das ist Rassismus pur! Dann folgt die völlige Entgleisung des Trainers der serbischen Mannschaft als das 2 zu 1 erzielt wird. Hasserfüllt beleidigt er die Mütter der albanisch stämmigen Nati-Spieler. Da kommt das wahre Gesicht hervor; der Wolf im Schafspelz eben. Weiter kursieren Videoaufnahmen, wie serbische Zuschauer während des Spiels „tötet die Albaner“ singen bzw. rufen.

Bereits vor dem Spiel gegen Brasilien wurde in der serbischen Mannschaft eine nationalistische Flagge in der Umkleidekabine aufgehängt. Darauf ist unter anderem der Umriss bzw. die Karte der Republik Kosovo und die serbische Flagge mit dem Symbol mit den vier C’s zu sehen. Unter dem Symbol wurde die albanische Bevölkerung im Kosovo ermordet, vergewaltigt, vertrieben und ihr Hab und Gut zerstört. Dieses Symbol ist das serbische Nationalsymbol. Heute sah man die gleiche Flagge auch in den Zuschauerrängen der serbischen Abteilung.

Der schweizerisch-serbische Doppelbürger Kuzmanovic, welcher sogar Mitglied der Schweizer U-21-Nationalmannschaft war, sagte in einem Interview mit 20minten Folgendes: «Wäre ich an dieser WM noch Spieler bei Serbien, würde ich Xhaka oder Shaqiri umhauen.» Nun behauptet er, er habe das nicht sagen wollen. Zu der Flagge in der Umkleidekabine führt er aus, die Garderobe sei leer gewesen und man wisse nicht, wer das Foto gemacht habe, anstatt dies zu verurteilen. Ein Mitglied vom serbischen Kulturzentrum Wil betrachtet in einem Interview für 20minuten die aufgehängte Fahne als unproblematisch: «Ich weiss nicht, ob eine geographische Flagge als Provokation gilt». Hingegen soll die Doppeladlergeste, welche gar nichts mit Politik zu tun hat, gegen niemanden gerichtet ist und lediglich ein Zeichen der Identität ist, für die Serben eine Provokation sein?

Gleichzeitig versuchen sie sich als Opfer darzustellen, in dem sie sich von der Doppeladlergeste provoziert fühlen. Dies nach dem Motto, «den Stein werfen und die Hand verstecken».

Nichts anderes kann erwartet werden, wenn man in einer nationalistischen Blase lebt und sich in faktenmanipulierender Weise versucht, sich nun als Opfer darzustellen. Insbesondere nicht, solange die Serben nach wie vor die verantwortlichen und bereits seitens des Internationalen Straftribunals für Ex-Jugoslawien (ICTY), wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilten Kriegsverbrecher, wie Ratko Mladic, Radovan Karadzic, Vojislav Seselj huldigen und glorifizieren.

Die Verharmlosung der eigenen Handlung geht allgemein in gleicher Manier bis zu den erwiesenen Massakern gegen die Zivilbevölkerung zurück. Zudem verwenden sowohl die serbischen Spieler als auch die Fans die nationalistische Geste (Drei-Finger-Gruss), mit welcher serbische Soldaten und Paramilitärs in den Krieg zogen und Gräueltaten verübten.

Die Lösung eines Problems beginnt mit seiner Erkennung und Anerkennung. Offensichtlich ist das vorliegend nicht der Fall. Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenigstens sollen sie aber von Nebenschauplätzen absehen, das gleiche Gejammer nicht jedes Mal wiederholen und sich mindestens während einer WM nur auf den Sport konzentrieren.

Der Rat der Albaner der Schweiz

So feiert Moschee Wil den Siegeszug der Schweizer Nati

«Imposant, sehr schön und über 200 Menschen sind heute da, um zu feiern!», so beschreibt Bekim Alimi die Stimmung der Wiler Moscheegemeinde. Beim Spiel Serbien gegen Schweiz setzen wir unsere deutsch-albanische Interviewreihe mit Bekim Alimi fort. Alimi ist bekannt dafür, dass er sich sowohl für den interreligiösen Dialog stark macht, aber auch als Fussballer gegen die Wiler Pfarrer in Freundschaftsspielen antritt. Doch sich selbst beschreibt Alimi heute Abend als «einfach stolzer Zuschauer, der für die Schweizer Nati mitfiebert».

Herr Alimi wie beschreiben Sie die Stimmung in ihrer Moscheegemeinde?

«Imposant, sehr schön und über 200 Menschen sind heute da, um zu feiern!»

Wenn man Sie fragt ob sie als Albaner oder als Schweizer mitfiebern, was antworten Sie dann?

«Bekim Alimi lacht auf. Ja ich bin Albaner, ich bin Imam und ich bin ein Schweizer Bürger. Doch heute Abend bin ich einfach ein stolzer Zuschauer, der für die Schweizer Nati mitfiebert!

Vielen Dank und weiterhin «Hopp Schwiiz!»

 

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Metë Gashi: Die Küche ist zunehmend der Mittelpunkt des Hauses

Mete Gashi ist Inhaber und Geschäftsführer von Mahagoni Küchen, einem Schreiner-Unternehmen mit Sitz und Showroom in Winterthur. Er ist Sponsor der heutigen Veranstaltung von swissalbs 2022. albinfo.ch wirkt alsMediensponsor.

Küchen, Einbauschränke, Innentüren – Sie bieten qualitativ hochwertige Schreinerarbeiten an. Und sehen mit Sicherheit in ganz viele Wohnungen und Häuser rein. Wie wohnen die Schweizer?  

Die Einrichtungen der Schweizer variieren sehr. Die Mehrheit aber ist sehr spartanisch eingerichtet, ganz nach dem Motto «Weniger ist mehr».  

Sie verkaufen primär Küchen. Eine Küche ist von einem funktionalen Ort des Kochens zu einem Designschmuckstück, einem Status Symbol, das von Stararchitekten beworben wird, mutiert. Täuscht dieser Eindruck? 

Nein, dieser Eindruck täuscht nicht. Die Küche ist zunehmend der Mittelpunkt des Hauses. Wichtig ist den Schweizern ein schönes Design, aber auch eine gut funktionierende Küche mit qualitativ hochwertigen Gerätschaften. 

Geben die Leute heute mehr Geld aus für Küchen als vor sieben Jahren, als du dein Unternehmen gestartet hast? 

Ja, auf jeden Fall. Küchen haben heute einen weitaus wichtigeren Stellenwert.  

Überall am TV laufen Kochsendungen. Hilft das im Verkauf? 

Nicht direkt, aber indirekt: Gut gemachte Kochsendungen inspirieren die Leute, mehr zu kochen und in eine qualitativ gute Küche zu investieren. 

Was sind die Küchentrends 2023? 

Ein Mega-Trend sind Kochfelder mit integrierten Dunstabzügen. Nicht umsonst schalten die grossen Hersteller dafür gerade viel TV-Werbung. Aber auch unsere Anti-Fingerprint Fronten werden stark nachgefragt – bei diesen Fronten bleiben keine Fingerabdrücke haften, was gerade in kinderreichen Haushalten Vorteile birgt, da weniger geputzt werde muss.  

Woher eigentlich diese Leidenschaft für Küchen? Bist du ein leidenschaftlicher Hobbykoch? 

Der Küchenbau ist bei uns eine Familien-Tradition – ich baue Küchen in dritter Generation. Selber Kochen und Backen tue ich zwar gerne, jedoch fehlt mir – leider – oftmals die Zeit. 

Kochen ist etwas sehr sinnliches. Verkauft man Küchen auch sinnlich?  

Ja, selbstverständlich werden Küchen sinnlich verkauft. Wir haben viele leidenschaftliche Hobbyköche als Kunden. Leider sind in unseren zwei Showrooms noch keine Kochevents möglich – aber was nicht ist, kann noch werden. 

In der Schweiz herrscht akuter Fachkräftemangel: Wie findest du gute Küchenbauer und Schreiner? 

Wir rekrutieren aus unserem Netzwerk. Und haben – ehrlich gesagt – keine Probleme, gute Leute zu finden, auch weil wir unsere Mitarbeiter als wichtigen, ja den wichtigsten Bestandteil unseres Unternehmens sehen. 

Auch die Energiekrise ist ein grosses gesellschaftliches Thema – schauen Sie auf Energieeffizienz beim Küchenbau?  

Selbstverständlich. Ökologie und Energieeffizienz sind uns als Unternehmen sehr wichtig. Darum empfehlen wir auch ausschliesslich energieeffiziente Geräte, was bei unseren Kunden sehr gut ankommt. 

Wie sieht deine Traumküche aus? 

In jeder Küche, die wir herstellen und verbauen, ist ein Teil meiner Traumküche inkludiert. Wir investieren viel Zeit in die Perfektion unserer Küchen – Kundenzufriedenheit ist das beste Marketing. 

Holst du auch den Rat deiner Frau ab, wenn du Küchen verbaust?  

Dies kommt auch vor. Meine Frau unterstützt mich in dem, was ich mache und möchte bald auch in unser Unternehmen einsteigen. 

Herr Gashi, besten Dank für das Gespräch.  

Dzevrije Zendeli: Die Schweizer Wirtschaft wird besser als erwartet mit Krisen umgehen

Dzevrije Zendeli arbeitet als Rechtsanwältin bei der Anwaltskanzlei WalderWyss Rechtsanwälte in Zürich und ist Mandatsleiterin im Corporate/M&A Team. Neben nationalen und internationalen Mergers & Acquisitions, also Transaktionen im Unternehmensbereich, fokussiert sie sich auf Kapitalmarkt-, Gesellschafts-, Vertrags- und Arbeitsrecht.  

Sie ist Sponsorin der swissalbs Veranstaltung, 26 November, 2022. albinfo.ch ist Mediensponsor.

Frau Zendeli, nach dem Rekordjahr 2021 boomen der globale und auch der Schweizer M&A-Markt weiter. Wie erklären Sie sich diesen Boom? 

Mit Beginn der Corona-Pandemie wurden viele Transaktionen auf Eis gelegt oder ganz abgebrochen. Seit 2021 besteht darum einen Nachholbedarf, der immer noch anhält.  

Während die grenzüberschreitenden M&A’s (In- und Outbound) auch dieses Jahr um 25% gewachsen sind, sinken die reinen Inland-M&A’s. Warum? 

Hauptgrund sind meines Erachtens die aktuellen Wechselkurse: Darum sind Zielunternehmen im Ausland attraktiver als solche in der Schweiz, die für ausländische Investoren gerade immer teurer werden.  

Wann rätst du einer KMU-Unternehmerin und einem KMU-Unternehmer zu einem M&A? 

Dies ist in erster Linie eine wirtschaftliche Frage und nicht eine juristische. In der Regel entschliesst sich ein Unternehmen zu einer Fusion oder Übernahme, wenn eine solche wirtschaftlich Sinn macht, also wenn diese etwa die strategische Ausrichtung eines Unternehmens schärft, zu einer Verbesserung der Liquidität oder zu sonstigen Synergien führt. 

Die Erwartungshaltung Schweizer CFOs – dies hat eine Umfrage von Deloitte gezeigt – ist für das Jahr 2023 wenig optimistisch. Was sind deine Erwartungen?  

Aufgrund des Kriegs in der Ukraine und der damit verknüpften Energiekrise und Inflation sind die Prognosen für das Jahr 2023 tatsächlich weniger optimistisch als noch vor einem Jahr. Dennoch glaube ich, dass die Schweizer Wirtschaft besser als erwartet mit diesen Krisen umgehen wird. 

Und wie wirkt sich das von dir prophezeite Szenario auf den M&A Markt aus? 

Unternehmenskrisen wie exemplarisch Liquiditätsengpässe können zu Umwälzungsprozessen führen, was den M&A Markt belebt.  

Welche wirtschaftliche Grosswetterlage ist eigentlich attraktiver für eine Anwaltskanzlei: Deflation oder Inflation, Boom oder Krise? 

Es stellen sich je nach wirtschaftlicher Lage andere rechtliche Fragenkomplexe.  Grundsätzlich dürfte ein Boom aber für das klassische M&A-Geschäft vorteilhafter sein, da in der Regel die Anzahl und das Volumen der Transaktionen höher ist. 

Auch reagieren die Klienten zu Boom Zeiten weniger preissensibel auf Honorarrechnungen. 

Eine Unternehmerin hat Ziele. Hat man die als Anwältin auch?  

Selbstverständlich. Ich habe meine eigenen Ziele dann erfüllt, wenn mein Klient mit dem erzielten Ergebnis zufrieden ist. 

Fühlst du dich als Anwältin in der Anwaltsbranche gleichberechtigt? 

Ja, in meiner Kanzlei voll und ganz. Ich denke aber, dass Gleichberechtigung und Diversifikation in der Anwaltsbranche – wie in anderen Branchen auch – wichtige Themen sind, an denen gearbeitet werden muss. Fakt ist, dass viele Klienten Wert darauf legen.  

2012 war das Wort “Weissgeldstrategie” das Unwort des Jahres. Der Bankenplatz hat sich in der Folge gleichwohl darauf verständigt. Welche Auswirkungen hatte dies auf die Anwaltsbranche?   

Generell ist eine Tendenz zu zunehmender Regulierung in der Finanzbranche feststellbar, was einher geht mit einem steigenden Bedarf an juristischer Beratungstätigkeit. 

Wie weiss ist die Anwaltsbranche? Oder anders gefragt: Wie prüfen moderne Anwaltskanzleien wie WalderWyss Kunden und Mandate? 

Wir identifizieren und überprüfen Neukunden und Bestandskunden stetig auf der Basis geldwäscherechtlicher Anforderungen. Diesen Prozess nennt man KYC, «Know Your Customer». Auch sind Bargeldzahlungen unserer Honorare nicht möglich.  

Jede Anwältin, jeder Anwalt träumt von seinem Once-A-Lifetime-Case. Frei nach Columbo – was wäre dein Traumfall? 

Es wäre sehr verlockend, eine der involvierten Parteien bei einer Mega-Fusion oder Mega-Übernahme zu beraten. Oder die Vertretung der Interessen einer Partei innezuhaben, die zu einem bahnbrechenden Entscheid oder Urteil führt.  

Frau Zendeli, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.  

Gzim Hasani: Der Finanzplatz Schweiz ist geprägt von Stabilität

Gzim Hasani ist CEO und Managing Partner beim unabhängigen Finanzdienstleister Swiss Management Zürich smzh, der Kunden in Finanzen und Anlagen, Vorsorge und Versicherungen, Hypotheken und Immobilien sowie Steuern und Recht berät. smzh wurde 2003 gegründet und beschäftigt 50 Mitarbeitende an diversen Standorten in der Deutschschweiz.

smzh ist Sponsor der swissalbs Veranstaltung von 26 November 2022. albinfo.ch ist Mediensponsor der Veranstaltung.

Der Schweizer Finanzplatz ist eine tragende Säule der Schweizer Wirtschaft und macht rund 10% des BIP aus. Wie ist es um den Finanzplatz Schweiz gerade bestellt? 

Leider hat der Finanzplatz Schweiz in den letzten Jahren einiges an Prestige und Goodwill verspielt. Auch ist der Anteil am BIP in den letzten 10 Jahren von 10% auf 9% gesunken. Generell befindet sich die gesamte Finanzindustrie in einer anspruchsvollen Phase: Aktuelle Themen sind die technologischen Fortschritte, Effizienzsteigerungen und Kostendruck. Trotzdem wird unsere Branche zentral bleiben für dieses Land und sich an neue Rahmenbedingungen anpassen.Der Finanzplatz Schweiz ist geprägt von Stabilität. Die Zuverlässigkeit des Rechtssystems sowie die Verlässlichkeit ihrer politischen Institutionen und ihrer Währung machen die Schweiz nach wie vor zu einem «sicheren Hafen» für Menschen, Unternehmen und Investoren.

Auch wenn Schweizer Banken global tätig sind, bewahren sie einen starken Bezug zu ihrem Heimatmarkt. Der Finanzplatz inkludiert kulturelle Vielfalt und bietet ein umfassendes Dienstleistungs- und Produkteangebot für Kunden jeder Nationalität und für Vermögen jeder Grösse. Er stellt dank gut ausgebildeter, mehrsprachiger und offener Mitarbeitenden eine hohe Beratungsqualität sicher.

Eine unsichere weltpolitische Lage, eine hohe Inflation, erodierende Aktienmärkte – was mache ich heute am besten mit meinem Geld?

Die Entschlossenheit der Zentralbanken, der hartnäckig hohen Inflation mit Zinserhöhungen gegenzusteuern, wird eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums und eine höhere Marktvolatilität zur Folge haben. Durch den Anstieg der Zinsen erhöhen sich die Finanzierungskosten für Unternehmen, während ein gebremstes Wachstum die Umsätze beeinträchtigen kann. Daher dürften die Unternehmensgewinne im Marktausblick unter Druck kommen.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist die Anlage in Aktien oder Obligationen zurückhaltend zu beurteilen. Sich dennoch gänzlich aus den Märkten zurückzuhalten, wäre ein schlechter Rat. Stattdessen sollte man sich bei den Investitionen darauf fokussieren, sich möglichst breit aufzustellen. Daneben sollte die Anlage in Immobilien und Edelmetalle immer miteinbezogen werden, welche eine sichere und ergänzende Diversifikation mit sich bringt. Genauso wichtig ist der Anlagehorizont: Möchte jemand langfristig investieren, dann ist das aktuelle Umfeld womöglich ein spannender Einstiegszeitpunkt für Aktien.

Gerade für Unternehmer ist die gegenwärtige weltpolitische Lage herausfordernd, weil schwer planbar. Was raten Sie KMUs, wie sollen sie finanztechnisch mit der Situation umgehen? 

Nachdem die Coronakrise die KMU vor immense Herausforderungen gestellt hatte, sehen sie sich nun mit einer angespannten Situation im Energiebereich und deren Folgen wie einer hohen Inflation konfrontiert. Wir sind überzeugt, dass gerade im derzeitigen Umfeld eine nachhaltige Finanz- und Liquiditätsplanung und eine rechtzeitige Sicherung oder Bereitstellung von liquiden Mitteln über die nächsten 12 bis 24 Monate ein zentrales Element zur Bewältigung der aktuellen Situation ist.

Wagen Sie eine Konjunkturprognose?
Im aktuellen Konjunkturzyklus befindet sich die Schweiz in einer Phase des Abschwungs und entsprechend wächst die Rezessionsgefahr. Dennoch präsentiert sich die Schweizer Wirtschaft angesichts des aktuellen Marktumfeldes erstaunlich robust.

Sollte es jedoch zu einem Energieengpass in Europa kommen, so würde dies auch in der Schweiz konjunkturelle Bremsspuren hinterlassen. Die aktuellen Konjunkturprognosen wurden für die Schweiz deutlich auf 2.0% (2022) und auf 1.1% (2023) gesenkt. Die Schweizer Wirtschaft blickt zwar auf ein positives erstes Halbjahr 2022 zurück, die Aussichten haben sich aber verschlechtert, und es ist davon auszugehen, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist.

Sie sind eine Finanz-Boutique – was kann eine Finanzboutique besser als eine Grossbank?

Unser Anspruch ist es, dass jede und jeder eine massgeschneiderte, umfassende und individuelle Finanzberatung erhält – unabhängig ob Privatkunde oder KMU, unabhängig vom Alter und von der Einkommens- und Vermögenssituation. Durch unsere Berater:innen stellen wir sicher, dass sämtliche persönlichen und finanziellen Aspekte der aktuellen Situation, aber auch zukünftige Ziele und Wünsche in die Entwicklung der Lösung miteinbezogen werden.

Wieso soll ich gerade jetzt als Kunde zur smzh stossen?

Im aktuellen Umfeld werden viele Themen im Bereich Finanzen digitalisiert, stehen nur noch online zur Verfügung, und je nach Einkommens- und Vermögenssituation erfolgt die Betreuung dezentral in einem Beratungscenter ohne einen persönlichen Ansprechpartner.

Eine persönliche und individuelle Betreuung ist uns wichtig. Zudem hat die smzh ein Netzwerk von mehr als 35 Partnern im Bereich Banken und Versicherungen, Vorsorge und Pensionskassen sowie Liegenschaftenverwaltungen, das uns erlaubt, die für den Kunden bestmögliche Lösung mit dem richtigen Partner auszuarbeiten.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit, Herr Hasani

Text: Michel Pernet für swissalbs

Die smzh (Swiss Management Zürich AG) ist ein unabhängiger Finanzdienstleister, der seinen Kundinnen und Kunden mit einer massgeschneiderten, umfassenden und transparenten Beratung in den Themen Finanzen & Anlagen, Vorsorge & Versicherungen, Hypotheken & Immobilien sowie Steuern & Recht zur Verfügung steht. Seit der Gründung im Jahr 2003 hat sich smzh bis heute zu einem etablierten und schnell wachsenden Unternehmen entwickelt und beschäftigt derzeit 50 Mitarbeitende an diversen Standorten in der Deutschschweiz.

Jeton Tolaj: Die Schweiz profitiert von der Verbindung zweier Kulturen 

Jeton Tolaj ist dipl. Baumeiser und CEO der Wirz Unternehmungen, eines traditionsreichen Berner Bauunternehmens.  

 Herr Tolaj, sie sind CEO eines über 100 Jahre alten Berner Bauunternehmens. Wie kam es dazu? 

JT: Ich bin seit meiner Lehre in dieser Unternehmung tätig. Ich begann als Maurerlehrling, wurde dann Bauführerpraktikant, später Bauführer und schliesslich Baumeister. 

Eines Tages kontaktierte mich der Inhaber und lud mich zu einem Mittagessen ein. Er bot mir an, die Geschäftsführung der Bauunternehmung zu übernehmen. Ich sagte freudig zu. Zwei Jahre später übernahm ich dann die Funktion als CEO der Wirz Unternehmungen – ein Job, den ich nun seit fünf Jahren ausübe.  

Die Zeit vergeht – aber ja, wohl eine Bilderbuchkarriere :- )  

Wie führt man als Nicht-Familienmitglied ein Familienunternehmen?  

JT: Im Prinzip bin ich ja ein Mitglied der Familie, wenn auch die Familie eine geschäftliche ist.  Ich spüre, dass das Vertrauen der Eigentümer-Familie zu 100% da ist – und meine Kompetenzen sind so gross, dass ich meine Funktion so ausfüllen kann, als wäre es mein eigenes Unternehmen. Ich bin mir sogar sicher, dass ich mich in dieser Konstellation sogar noch mehr unter Druck setze, gute Leistungen abzurufen und erfolgreich zu sein, als wenn ich selber Inhaber wäre. 

Was sind die Herausforderungen? Was die Chancen? 

JT: Da die Nachfrage nach Wohneigentum und Mietwohnungen nach wie vor hoch ist, sind unsere Aussichten am Markt ausgezeichnet. Unser Markt ist die Region Bern. Hier sind wir gut vernetzt und auch Mitglied in diversen Baugenossenschaften.  

 Und doch gibt es viele Herausforderungen.  

 In der Innenperspektive ist namentlich das Führen von ganz verschiedenen Berufsgruppen innerhalb unserer vier Abteilungen, namentlich das Kader, das technische und kaufmännische Personal sowie das Frontpersonal auf den Baustellen. Das verlangt viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen. 

Auch beschäftigt mich die Digitalisierung und die Work-Life-Balance in den Bauberufen, insbesondere mit Blick auf die kommende Generation. Sowie der Fachkräftemangel, denn nur gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern unseren langfristigen Erfolg.  

In der Aussenperspektive ist die hauptsächliche Herausforderung die geopolitische Lage – negative Auswirkungen können sehr schnell und schmerzhaft auf den Schweizer Markt durchschlagen. Wie wir es eben mit dem Ukraine Krieg erfahren haben. Plötzlich haben wir eine Energiekrise, die eine Inflation nach sich zieht. 

Haben die letzten zwei, drei Jahre Ihren Blick auf die Arbeit verändert?  

JT: Ja, ich bin im Beruf viel resistenter geworden.  

Führen Sie heute anders? Vielleicht empathischer? Oder gar strenger? 

JT: Entscheidend ist es meines Erachtens, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein ebenso glaubwürdiges wie authentisches Vorbild zu sein und den Beruf mit Leidenschaft auszufüllen. Ich habe – glücklicherweise – ein sehr gutes Bauchgefühl und erkenne früh Probleme. So kann ich auch früh korrigierend einwirken und das Unternehmen wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den richtigen Weg führen bzw. sie auf dem richtigen Weg halten. 

Welche Stärken kann die schweiz-albanische Community in die Schweizer Wirtschaft einbringen?  

JT: Ich denke, die Kombination dieser beiden Länder und Kulturen ist einzigartig. Die Albaner sind robust, lieben das Unternehmertum und suchen den Erfolg. Die Schweizer demgegenüber sind bodenständig, realistisch und legen Wert auf Sicherheit und Tradition. Wenn man von beiden Kulturen die Stärken vereint, dann kann die Schweizer Wirtschaft nur davon profitieren. 

Wie siehst Sie die Zukunftsaussichten der Baubranche? 

JT: Die Aussichten in unserem Markt – der Region Bern – sind ausgezeichnet. Es wird viel gebaut und für die Zukunft geplant. Der gegenwärtige Fachkräftemangel wird die Branche zwar bremsen. Die tut aber dem Markt meines Erachtens sogar gut, da die Firmen dann nur noch die Projekte offerieren, für die sie auch die Ressourcen haben.  

Die globale Situation, insbesondere die Energiekrise und die damit verknüpfte Teuerung, können die Aussichten für das Jahr 2023 allerdings noch trüben und die Ausgangslage deutlich erschweren. 

Und wie die der Schweizer Wirtschaft insgesamt? 

JT:  Ich befürchte, dass wir uns in die Richtung einer Rezession bewegen, was für die Wirtschaft nichts Gutes wäre. Die Politik muss zwingend schnell und vorausschauend reagieren, vor allem bei der Energiepolitik. Sonst stehen uns kurzfristig harte Jahre bevor.  

Jede Krise birgt aber auch Positives: Es kann zu einer Marktbereinigung führen und es können sich neue Opportunitäten ergeben. Mit Blick in die Wirtschaftsgeschichte: Nach jeder Krise kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung –  hoffen wir, dass die Krise nicht zu lange dauert. 

Was sind Ihre persönlichen Ziele? 

JT: Dass meine Familie und ich gesund bleiben. Und dass die Unternehmen, die ich führe, diese Krise gut überstehen. Auch möchte in den nächsten Jahren in externen Verwaltungsratsmandaten meine Erfahrung weitergeben können. 

Heute Abend: swissalbs Unternehmerpreis

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

albinfo.ch ist Mediensponsor dieser Veranstaltung.

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

Roland Brack: Die Schweizer Wirtschaft wird weiterhin dynamisch bleiben 

Roland Brack ist Gründer des Onlinehändlers brack.ch sowie Gründer und Inhaber der Firmengruppe Competec, zu der neben brack.ch weitere Unternehmen aus Online- und Grosshandel gehören. National bekannt wurde Brack als Investor in der Schweizer Adaption der TV-Sendung DIE HÖHLE DER LÖWEN auf TV24.  

Ukraine-Krise, hohe Energiepreise, hohe Inflation – viele Unternehmer*innen leiden. Sie auch? 

RB: Ich glaube, es gibt kaum Firmen, welche die Auswirkungen nicht spüren. Aber im Vergleich zu den Menschen vor Ort sind die Auswirkungen für uns weit weniger dramatisch. 

Führen Sie ihr Unternehmen in der Krise anders? Vielleicht mehr opportunitätsgetrieben, weniger strategisch? 

RB: Vor 4 Jahren habe ich die Führung vertrauensvoll in die Hände von Martin Lorenz, dem CEO übergeben. In Krisen gibt es aber tatsächlich erfahrungsgemäss deutlich mehr Opportunitäten. 

Viele sagen, die Covid 19-Krise hätte viel zur schnelleren Digitalisierung der Gesellschaft beigetragen. Teilen Sie diese Meinung?  

RB: Auf jeden Fall. Jetzt geht es darum, dass wir die Geschwindigkeit aufrecht erhalten können! 

Der Online-Handel hat stark von Covid 19 profitiert. Kein schlechtes Gewissen? 

RB: Wir haben versucht, unseren Teil zur sicheren Versorgung des Landes beizutragen. Ein schlechtes Gewissen habe ich deshalb nicht, bin aber auch nicht besonders stolz auf die positive Umsatzentwicklung. 

Welche Ratschläge geben Sie einer jungen Unternehmerin und einem jungen Unternehmer, die in schwierigen Zeiten wie diesen ein Unternehmen aufbauen wollen? 

RB: Krisenzeiten sind auch Chancenzeiten und grössere Veränderungen passieren oft nur unter Druck. 

FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt bemängelt die Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft. Sie sei in den internationalen Rankings ins Mittelmass abgerutscht. Was kann die Politik dagegen tun? was können Sie als erfolgreicher Unternehmer dagegen tun?  

RB: Satte Löwen jagen nicht, da gebe ich Andri Silberschmidt recht. Aus diesem Grund setze ich mich für ein gut funktionierendes Startup-Ökosystem ein. Wir müssen wieder lernen, Risiken einzugehen. Ein positiver Umgang mit dem “Scheitern” wäre ebenfalls hilfreich. 

Sie sind einer der Löwen in der TV-Sendung Höhle der Löwen? Bringt es einem Unternehmer etwas, in dieser Sendung auszutreten? Und welches war ihr erfolgreichstes Investment? 

RB: Eine Teilnahme bringt auf jeden Fall schweizweite Bekanntheit und im besten Fall sogar ein Investment. Der Dreh dauert rund 45 bis 90 Minuten, und ich höre immer wieder von Teilnehmern, das die Fragen der Löwen wertvoll waren und sie weitergebracht haben, auch wenn es kein Investment gab. Das gefällt mir an der Sendung, es gibt praktisch nur Gewinner. Es gibt zum Glück viele Startups, die auf einem sehr guten Weg sind. Aus der ersten Staffel vor 4 Jahren beispielsweise Neon, die ihr Geschäft von wenigen tausend auf weit über 100’000 Kunden ausbauen konnten. 

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?  

RB: Genau dies: Unternehmertum ist ein wichtiges Fundament für ein prosperierendes Land. 

Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Schweizer Wirtschaft?  

RB:Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann sehe ich auch in Zukunft grossartige Chancen. 

Wie die des Unternehmertums?  

RB: In der Schweiz haben wir meiner Meinung nach weiterhin gute Rahmenbedingungen. Als UnternehmerIn ist eine positive optimistische Grundhaltung entscheidend, dann kommt auch der Erfolg. 

Und wie die des Online-Handels? 

RB: Da hat die Schweiz noch Potential nach oben und deshalb glaube ich, die nächsten Jahre bleiben dynamisch. 

Was sind Ihre persönlichen unternehmerischen Ziele? 

RB: Mir liegt die Lehrlingsausbildung (insbesondere auch im ICT Bereich) und die Förderung von Unternehmertum (insbesondere durch Investments in Startups) weiterhin sehr am Herzen. 

swissalbs 2022

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

albinfo.ch ist Mediensponsor der Veranstaltung.

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

Gentian Pagarusha: Wir haben in der Schweiz einen akuten Fachkräftemangel

Gentian Pagarusha ist Partner und COO von Edelweiss Personal, einem auf die Baubranche spezialisierten Personalvermittlungsunternehmen mit Büros in Regensdorf und Zug.  

Er ist Sponsor der swissalbs Veranstaltung von 26.11. 2022 (heute Abend). albinfo.ch ist Mediensponsor. 

Alle sprechen vom Fachkräftemangel. Ist der so akut, wie die Medien schreiben? 

Ja, wir haben in der Schweiz tatsächlich einen akuten Fachkräftemangel, der aus meiner Sicht sogar noch viel dramatischer ist, als ihn die Medien darstellen. 

Führt der Fachkräftemangel auch zu höheren Löhnen? 

Ja, natürlich. Angebot und Nachfrage spielen auch in unserer Branche. Die Arbeitgeber müssen heute weit mehr bezahlen als den Mindestlohn. 

Kann ein guter Facharbeiter mit Berufserfahrung auch den Markt testen?  

Eine gute Fachkraft ist heute fast genauso wertvoll wie ein Akademiker. Es herrscht auf dem Arbeitsmarkt ein regelrechter Kampf um die besten Fachkräfte.  

Sind Sie auch eine Art Headhunter für gute Facharbeiter? 

Headhunting ist unser Job, ja. Aber wir haben nicht primär die ausgeschriebene Stelle im Blick, um eine schnelle Provision zu kassieren. Wir kümmern uns intensiv und langfristig um geeignete Kandidaten und die besten Arbeitgeber.  

Ihr seid stark in der Baubranche verankert – welche Jobs sind die beliebtesten? Welche die gesuchtesten? 

Die gesuchtesten Jobs in der Baubranche sind seit längerer Zeit Bauführer, Maurer, Schaler, Kranführer und Isolierspengler. Besonders beliebt sind Elektriker, Schreiner, Monteur und Zimmermann. 

Suchen Sie auch aktiv gute Fachkräfte im nahen Ausland?  

Wir rekrutieren sehr intensiv im Ausland. Dabei helfen uns eigene Netzwerke in Deutschland, Portugal, Polen und Rumänien. Das Rekrutierungsprozess ist aber  von Land zu Land unterschiedlich.  

Was zeichnet eine gute Fachkraft aus?  

Sehr gute Fachkenntnisse und eine langjährige Berufserfahrung. Besonders wertvoll ist eine Fachkraft aber dann, wenn noch eine Spezialisierung vorhanden ist.  

Die Baubranche ist multikulturell. Welche Nationen finden sich aktuell auf einer Baustelle? 

Ja, die Begehung einer grossen Baustelle in der Schweiz ist tatsächlich eine kleine Weltreise.  

Während im Bauhauptgewerbe mehrheitlich Albaner, Italiener, Portugiesen und Polen arbeiten, sind es in der Haustechnik mehr Schweizer und Deutsche, aber auch hier Italiener und Albaner. 

Was ich feststelle, ist, dass gerade in der Haustechnik sich sehr viele Schweiz-Albaner selbständig gemacht haben und unternehmerisch tätig sind. 

Die Baustelle wird auch digital. Oder intelligent. Wie digital affin muss man heute sein auf der Baustelle? 

Auf der Baustelle selber muss immer noch der Mensch ran – und das ist gut so. Jedoch hat sich die administrative Abwicklung verändert wie das Ausfüllen von Arbeitsrapporten, die Zeiterfassung vor Ort usw. Hier hält die Digitalisierung Einzug, was die Effizienz enorm gesteigert hat.  

Was sind generell die Recruiting Trends 2023?  

Eindeutig: Social Media! 

Wie findest du selber eigentlich gutes Personal für dich? 

Das ist eine gute Frage. Der Rekrutierungsprozess ist für uns intern gleich aufgebaut wie für unsere Kunden – dabei profitieren auch wir selber von unserem grossen Netzwerk. Die Community swissalbs gehört hier mit dazu. 

Herr Pagarusha, ich danke Ihnen für das Gespräch.  

Text: Michel Pernet für swissalbs

 

Andri Silberschmidt: Albaner bringen Mut ins Geschäft 

Andri Silberschmidt ist Zürcher FDP-Nationalrat und Gastro-Unternehmer. Er hat 2017 das Unternehmen kaisin. – poké bowls gegründet, eine Food-Konzept, mit dem er 7 Standorte bespielt. Der Ökonom arbeitet als Assistent der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats beim Transport-Unternehmen Planzer und sitzt u.a. im Verwaltungsrat der Jucker Farm ein. https://www.andrisilberschmidt.ch/ueber-mich/

Ukraine-Krise, hohe Energiepreis, hohe Inflation – was macht die Politik in dieser schwierigen Zeit für die Schweizer Unternehmer*innen? 

AS: Die Schweizer Politik ist nicht bekannt für kurzfristige Konjunkturmassnahmen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Schweizer UnternehmerInnen stets gut sind. Das heisst unter anderem: Sichere Energieversorgung, wenig Regulierung und offene Märkte.  

Lohnt es sich heute noch, Unternehmer*in zu werden? und wenn ja, warum? 

AS: Ich hoffe es doch. Rein finanziell ist es natürlich abhängig von der Idee und der Leute, mit denen man eine Firma gründet. Aber es lohnt sich alleine schon wegen dem Weg, den man durchläuft, die Menschen, die man kennenlernt und die Erlebnisse, die einzigartig sind. 

Sie bemängeln, dass die Schweiz punkto Innovationskraft in den internationalen Rankings ins Mittelmass abgerutscht sei. Was machst du dagegen? 

AS: Ich habe die parlamentarische Gruppe „Startups und Unternehmertum“ mitgegründet, um das unternehmerische Denken und deren Themen in allen Parteien besser zu verankern. Es beginnt bei der Digitalisierung und Vereinfachung der Firmengründung, geht über den besseren Zugang zu Mitarbeitenden und Kapital in der Wachstumsphase und hört bei der sozialen Absicherung von „gescheiterten“ UnternehmerInnen auf. Wir haben nie genug getan, um das Startup Ökosystem zu stärken. 

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?  

AS: Mut. Ich denke, uns in der Schweiz fehlt es an Mut und damit verbunden auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen.  

Sie sind selber Gastro-Unternehmer und bieten Poké Bowls an. Wie sehr haben Sie die letzten zwei, drei Jahre als Unternehmer verändert? Was haben Sie in der Krise gelernt? 

AS: Oh… ich habe sehr viel gelernt. Gerade für die Gastronomie war es eine herausfordernde Zeit. Dank unseren Mitarbeitenden und dem flexiblen Geschäftsmodell (viel Take-Away und Delivery) sind wir gut durch die Krise gekommen. Unternehmerisch denkende Personen kommen wohl stets besser durch eine Krise, denn man muss sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen können. 

Wie siehst du die Zukunftsaussichten der Gastronomie? 

AS: Der Trend in Richtung Nachhaltigkeit, gesunder Ernährung und alternativer Proteine ist voll im Gang, aber hat noch nicht richtig „eingeschlagen“. Ich denke, die Gastronomie wird sich in Zukunft noch stark wandeln und uns noch mehr Freude bereiten. 

Wie die des Unternehmertums? 

AS: Unternehmertum schafft Arbeitsplätze, schafft Wohlstand. Ohne Unternehmertum keine Zukunft. Wir müssen uns deshalb für unternehmerisch denkende und handelnde Menschen einsetzen. Sie machen unsere Zukunft. 

Und wie die der Schweizer Wirtschaft insgesamt? 

AS: Kurzfristig wird aufgrund globaler Ereignisse (Krieg, Inflation, Pandemie) die Aussicht nicht gut sein. Wenn wir die marktwirtschaftlichen Prinzipien verteidigen, bin ich aber zuversichtlich, dass der Wohlstand mittelfristig für alle weiterhin zunehmen wird. 

Was sind deine persönlichen unternehmerischen Ziele? 

AS: Unser Ziel unseres Gastrounternehmerns kaisin. ist, weiterhin gesund mit operativem Geld zu wachsen. Bald eröffnen wir unseren 10. Standort – eine schöne Zahl. Die Herausforderungen nehmen damit aber nicht ab, im Gegenteil. Weiter habe ich begonnen, in junge Firmen von Freunden zu investieren, was mir auch Freude macht. Diese will ich gerne auf ihrem Weg begleiten. 

Swissalbs Unternehmerpreis

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

albinfo.ch ist Mediensponsor der Veranstaltung.

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

Nadine Jürgensen: Die Schweiz braucht albanische Unternehmer 

Nadine Jürgensen arbeitet als Juristin, Journalistin und Unternehmerin. Sie ist Co-Gründerin von elleXX, einer Finanz-Beratungsplattform für Frauen, und engagiert sich bei WE/MEN für Frauenanliegen und die Gleichberechtigung von Frau und Mann.

Können Frauen besser Krise, weil sie empathischer sind? 

NJ: Empathie, Menschenkenntnis und auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sind Eigenschaften, die Frauen eher zugeordnet werden. Wer sie lebt, hat in der Krise bestimmt einen Vorteil, weil man so näher bei seinem Team ist, man zusammen den Druck besser aushält und fester zusammenwächst. Ich bin aber sicher, dass auch Männer diese Eigenschaften besitzen müssen, um Krisen besser zu meistern. 

Lohnt es sich in Krisenzeiten überhaupt, Unternehmer*in zu sein? 

NJ: Ja natürlich, gerade in schlechten Zeiten braucht es Menschen, die Ziele haben und andere motivieren können. Die Schweiz wird von starken KMU getragen, aufgeben ist da einfach keine Option. 

Hast du – als Unternehmerin in Krisenzeiten – Wünsche und Forderungen an die Politik?  

NJ: Ich habe ganz viele Wünsche und Forderungen an die Politik, nicht nur in Krisenzeiten! (? Grinst). Aber es wäre sicher sehr sinnvoll, wenn Gender Budgeting auch bei den Innovationsfonds des Bundes eingeführt werden würde – es kann doch nicht sein, dass weiblich geführte Start-ups viel weniger Venture Kapital erhalten, gerade von staatlicher Seite. Die Verfassung verlangt die Gleichbehandlung der Geschlechter, davon ist man im Schweizer Start-up Ökosystem noch weit entfernt.

Hilft oder schadet die Krise der Gleichberechtigung der Frauen in der Wirtschaftswelt?  

NJ: Leider sind Krisen oft ein Rückschlag für die Sache der Frauen. Man hat es während der Corona-Pandemie gesehen: ein totaler globaler Backlash. Die Teilnahme am Arbeitsmarkt in den USA ist auf Werte in den 1980er Jahren zurückgefallen, viele Frauen haben ihre Jobs aufgegeben, als die Schulen geschlossen waren, weil sie noch immer weniger verdienen. Aber auch die Klimakrise oder der Krieg in der Ukraine haben Auswirkungen: Die UNO hat berechnet, dass es noch 300 Jahre dauern wird, bis Gleichstellung auf der Welt erreicht wird. Fehlende Bildung und wirtschaftliche Teilnahme gehen leider Hand in Hand mit der Armut. 

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?  

NJ: Ich freue mich, dass die Schweiz-albanische Community einen solchen Unternehmergeist zeigt! Diese Unternehmer:innen vereinen nicht nur verschiedene Kulturen, sie haben sich auch als anpassungsfähig und innovativ erwiesen – Qualitäten, die jedes Land brauchen kann. 

Sie sind selber Finanz-Unternehmerin. Wie sehr haben Sie die letzten zwei, drei Jahre als Unternehmerin verändert? Was haben Sie in der Krise gelernt? 

NJ: Ja, als Mitgründern von elleXX haben wir in den letzten Jahren jeden Tag Neues gelernt. Wir unternehmen jeden Tag Dinge, die wir noch nie zuvor gemacht haben. Das ist unglaublich bereichernd, abwechslungsreich und sehr intensiv. Aber natürlich gibt es auch Tage, da fragen wir uns: Und jetzt, wie weiter? Was machen wir nun? Ich selber habe gelernt, grossen Druck auszuhalten, bin aber sehr froh, dass wir ein starkes Gründerinnen-Team sind und uns auch gegenseitig stützen. Dazu kommt: Unsere Mitarbeiterinnen sind einfach toll. Wir ziehen alle an einem Strang. Es gibt immer einen Weg, auch aus einer vermeintlichen Sackgasse – oft kennen wir ihn einfach noch nicht. Und so gehe ich jeden Tag mit dem Vertrauen an, dass die beste Lösung erst noch kommt. 

Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Finanzbranche? 

NJ: Es ist wie mit Toilettenpapier, das braucht man auch immer. Vielleicht nicht immer supersoft 5-lagig, aber Sie verstehen, was ich meine (grinst). Wir brauchen Geld für unser Leben, unsere Träume – noch wurde nichts Besseres erfunden, in welcher Form auch immer. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir aufgrund technologischer Möglichkeiten in Zukunft ein völlig neues System haben werden. Aber die Finanzbranche an sich wird es auch weiterhin geben. Investitionen, Kredite, Zahlungsverkehr, Hypotheken etc. – diese Geschäfte sind ein Grundbedürfnis.

Wie die des Unternehmertums? 

NJ: Es hat immer wieder Krisen gegeben, aber wir Menschen haben nun einmal Bedürfnisse und die Unternehmen sind dazu da, diese zu befriedigen. Wirtschaft und Unternehmertum sind ja kein Selbstzweck, das wird es immer geben, weil es natürlich entsteht. Du hast etwas, das ich brauche – ich gebe dir dafür etwas im Austausch. Schon entsteht Wirtschaft und Unternehmertum im Kleinen. Konjunkturzyklen. Krisen etc. gab es immer und das sind sicher grosse Rückschläge für Unternehmen, aber wenn sie vorbei sind, entstehen auch wieder neue Chancen.  

Und wie die der Schweizer Wirtschaft insgesamt? 

NJ: Die Schweiz hat eine sehr gut ausgebildete Bevölkerung, eine hohe Arbeitsethik, eine grosse Innovationskraft und viel Kapital – aber natürlich sehe ich auch, dass wir bald in einen grossen Fachkräftemangel kommen werden. Es wäre sehr intelligent, wenn unser Land sich endlich dazu entscheiden könnte, die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, weil bei den Frauen liegt ein sehr grosses, ungenutztes Potenzial. Die Unternehmen müssen sich zudem an die Arbeitsethik von jüngeren Generationen und an die Familien von Familien und Teilzeitarbeitnehmenden anpassen, und ich beobachte, dass das nicht allen leicht fällt. Als Wirtschaftsstandort ist die Schweiz zudem global eingebunden und deshalb ist die nächste Zukunft natürlich momentan nicht gerade rosig – auch wenn ich an den Klimawandel und die Auswirkungen denke. Aber ich bin überzeugt, dass wir langfristig den Wandel schaffen. 

Was sind deine persönlichen unternehmerischen Ziele? 

NJ: Momentan sind wir daran, die Finanzierung unserer Seed-Runde sicherzustellen. Die Venture Capitalists sind aber momentan sehr vorsichtig, weshalb es schwieriger ist als letztes Jahr, einen strategischen Partner an Bord zu holen, der mit uns auch in den nächsten Jahren wachsen wird. Aber auch das werden wir schaffen. Was danach kommt, mal sehen – ich denke immer in Etappenzielen. Der Weg ist das Ziel, sowieso. Enjoy the Ride. Wir haben es geschafft, in wenigen Monaten die grösste Schweizer Female Finance Community aufzubauen. Darauf dürfen wir stolz sein. Und wenn wir träumen dürfen, dann sicher, dass wir eines Tages die grösste Finanzplattform für Frauen in Europa sind.
 

Swissalbs Unternehmerpreis

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

albinfo.ch ist Mediensponsor der Veranstaltung.

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

 

 

Mehrfachzugehörigkeit, Mediennutzung und Sprache, ein Medienpädagoge gibt Einblicke

In der Porträtreihe zu den Themen rund um die Schweizer Volksschule machen wir bei Peter Holzwarth Halt. Er ist Medienpädagoge und im Rahmen seiner Arbeit als Dozent Mitautor verschiedener Lehrmittel für Kosovo, Nordmazedonien und die Republik Moldova https://ipe-textbooks.phzh.ch/de/albanien/  . Auch führte er bei einer Studienreise angehende Schweizer Lehrpersonen durch wichtige Stationen des Bildungssystems von Kosovo, wie beispielsweise in Gilan.

Der «richtige» Umgang mit Medien beschäftigt nicht nur Lehrpersonen, sondern auch Eltern von schulpflichtigen Kindern. Im Interview mit Albinfo berichtet uns Peter Holzwarth, wie der Erhalt der Muttersprache mit Mediennutzung zusammenhängt und was Mehrfachzugehörigkeit bedeuten kann.

In einem europaweiten Forschungsprojekt untersuchten Sie das Nutzungsverhalten der Medien bei Migrantenkindern. Welche Rolle spielte dabei die Sprache?

Im Rahmen meiner Promotion arbeitete ich in einem internationalen Forschungsprojekt, welches das Nutzungsverhalten von Medien bei Kindern mit Migrationshintergrund untersuchte – sowohl der rezeptive als auch der produktive Umgang (z. B. Filme anschauen und Filme selbst produzieren). Die besondere Ausgangslage bei diesen Kindern und Jugendlichen war, dass sie eine andere Erst- bzw. Muttersprache mitbrachten. Heranwachsende, die sich sowohl auf Deutsch als auch in ihrer Erst- bzw. Muttersprache ausdrücken können, fühlen sich unter Umständen zwei verschiedenen Medienwelten zugehörig. Die Nutzung von deutschsprachigen Medien erfüllt eine Art Integrationsfunktion für die Kinder. Durch die Nutzung von Medienangeboten aus dem Herkunftsland können sie ihre Erstsprache erhalten und weiterentwickeln. Globale Medienangebote als drittes Element sind wichtig für eine jugendkulturelle Identifikation jenseits von Nationen. Die Hip-Hop-Jugendkultur und Rap-Musik wären ein Beispiel.

https://ipe-textbooks.phzh.ch/de/albanien/

Ohne die Beherrschung der Muttersprache kann man sich weder in den jeweiligen Medienlandschaften ausdrücken noch diese Medieninhalte nutzen. Das ist so weit logisch, doch was hat das mit der Zugehörigkeit zu tun?

Es passiert immer noch manchmal, dass Kinder und Jugendlichen die Entweder-oder-Frage gestellt bekommen: «Bist du jetzt eigentlich Albaner (Kosovare) oder Schweizer?»

Diese Frage ist aus meiner Sicht eine Zumutung, und die damit verbundene Sichtweise scheint mir überholt. Menschen mit und ohne Migrationserfahrung können ihre Identität auf verschiedene kulturelle Kontexte beziehen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Patchworkidentität und Mehrfachzugehörigkeit. Menschen können sowohl Albaner als auch Schweizer sein. Und: Menschen können sowohl Bündner als auch Zürcher sein.

Diese Mehrfachzugehörigkeit kann durch Mediennutzung und Sprache zum Ausdruck kommen. Im Spielfilm «Almanya»  https://youtu.be/1c4RSeebfgs  wird gezeigt, dass Mehrfachzugehörigkeit als Option auch gelernt werden kann bzw. gelernt werden muss. In einer Filmszene fragt ein Junge mit türkischen Wurzeln in Deutschland in einer Familiensituation: «Was sind wir denn jetzt, Türken oder Deutsche?» Seine erwachsene Cousine antwortet nach einigem Hin und Her: «Chenk, man kann auch beides sein. So wie du!» Ich würde mir wünschen, dass auch Lehrpersonen das Konzept der Mehrfachzugehörigkeit kennen und Schülerinnen und Schüler auf diese Identifikationsmöglichkeit hinweisen. Teilweise verkörpern Lehrpersonen auch selbst Mehrfachzugehörigkeit und sie leben diese den Schülerinnen und Schülern vor.

https://ipe-textbooks.phzh.ch/de/life-skills/

Ein guter und positiver Umgang mit Medien wird auch in der Volksschule grossgeschrieben. Was raten Sie Eltern, die ihre Kinder bezüglich eines sicheren Umgangs mit Medien unterstützen wollen?

Es ist wichtig, sich als Eltern oder Bezugspersonen für die Medienthemen und Medienwelten der Kinder zu interessieren. Es ist sinnvoll, nachzufragen und sich Medienphänomene erklären zu lassen. So kann Verstehen ermöglicht werden. Wichtig ist aber auch, bestimmte Medienbereiche als Privatsphäre zu akzeptieren – vor allem bei Jugendlichen ist das wichtig. In der Pubertät haben Medien auch die Funktion, sich von der älteren Generation abgrenzen zu können.

Oft haben Kinder und Jugendliche das Gefühl, dass das, was sie im Internet posten, nur die eigenen Freundinnen und Freunde sehen und hören. Aber es gab schon Fälle, bei denen Bewerbungen abgelehnt wurden, weil Social Media Postings, die öffentlich zugänglich waren, ein negatives Bild über die Bewerber erzeugt haben. Junge Menschen könnten sich vor dem Posten auf Social Media fragen: «Könnte ich diesen Text auch mit einem Megafon auf dem Bundesplatz in Bern ausrufen?» Eine ähnliche Frage kann man sich bei Selfies und anderen persönlichen Bildern stellen: «Würde ich das Foto auch so stehen lassen, wenn es auf Plakaten mitten in der Stadt veröffentlicht würde?».

Die Schweiz hat wieder einen Astronauten bei der ESA

Im Frühling 2021 führte die Europäische Weltraumorganisation ESA zum ersten Mal seit 2008 wieder eine Rekrutierungskampagne durch. Nun hat die ESA die Liste der Personen bekanntgegeben, die ausgewählt wurden, um Astronautinnen und Astronauten sowie Para-Astronautinnen und -Astronauten (im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für Menschen mit körperlichen Einschränkungen) zu werden.

Die Schweiz ist hocherfreut, dass mit Marco Alain Sieber erneut ein Schweizer Teil des ESA-Astronautencorps sein wird. Herr Sieber ist Arzt in Biel und kann auf einen eindrücklichen Rucksack an Kompetenzen zurückgreifen: Rettungsarzt, Pilot, Fallschirmspringer-Instruktor und Auslanderfahrung.

Nach der Ausbildung haben die Astronautinnen und Astronauten die Möglichkeit, an Flügen rund um die zusammen mit der NASA durchgeführten ESA-Programme teilzunehmen, sei es auf der internationalen Raumstation ISS, auf der Lunar-Gateway-Raumstation oder beim ARTEMIS-Programm, an denen auch die Schweiz beteiligt ist, oder sei es auf dem Raumschiff ORION, das mittels Trägerrakete «Space Launch Systems» in die Mondumlaufbahn befördert werden soll. Die Ernennung von Marco Alain Sieber reiht sich in das langfristige Engagement der Schweiz im Rahmen der ESA-Weltraumprogramme ein.

Zur Erinnerung: Die ESA hatte über 22 000 Bewerbungen erhalten (darunter 668 von Schweizerinnen und Schweizern). Davon sind nun 5 ausgewählt worden, um das ESA-Astronautencorps 2022 zu bilden.

Vllaznim Xhiha: SWISSALBS, ein Beweis für das Potenzial albanischer Unternehmer 

Vllaznim Xhiha ist Elektroingenieur ETH und Serial Entrepreneur. Mit seiner Initiative Encouraging Young Entrepreneurs (EYE) und dem alljährlichen Wettbewerb EYE Venture setzt er sich mit grosser Leidenschaft für die Gründung von erfolgreichen und nachhaltigen Unternehmen in Kosovo ein.

albinfo.ch: Was unterscheidet Schweizer Unternehmer*innen von albanischen

VX: Im Gegensatz zum Kosovo hat das Unternehmertum in der Schweiz eine lange Geschichte. Das etablierte unternehmerische Ökosystem, das auf einem hochentwickelten Schul- und Schulungssystem aufbaut, ist eine optimale Plattform für die Förderung von jungen Unternehmen und Startups.  

Kosovo ist ein junger Staat und kann diese Voraussetzungen seiner jungen Generationen leider (noch) nicht anbieten. Die jungen Albaner, die in der Schweiz leben und geschult werden, haben die gleichen Voraussetzungen und die gleichen Möglichkeiten wie ihre Schweizer Kollegen, um erfolgreiche Unternehmer zu werden. Das, was die jungen Albaner unterscheidet, ist der Ehrgeiz als erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer erkannt zu werden.   

Die positive Entwicklung der Initiative SWISSALBS bestätigt diese Annahme. 

albinfo.ch: Welche Qualität bringen schweiz-albanische Unternehmer*innen in die Schweizer Wirtschaft mit ein?  

VX: Der betonte Ehrgeiz der jungen, aus dem Kosovo stammenden Unternehmer hat meines Erachtens eine höhere Risikobereitschaft zur Folge. Das bringt eine gewisse Frische und Dynamisierung in die Unternehmen, in denen sie tätig sind. 

 albinfo.ch: Sie haben an der ETH studiert. Ist Bildung die Basis jeden wirtschaftlichen Erfolgs? 

VX: Die Qualität der Bildung und der Ausbildung ist die Grundlage für jeden unternehmerischen und wirtschaftlichen Erfolg. Kompetenz, Expertise und Innovation sind die Grundvoraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes, und dieser kann nur durch ein hervorragendes Schulsystem erreicht werden. 

 albinfo.ch: Sie haben in ihrer Heimat Ingenieur-Laboratorien für Jugendliche aufgebaut. Warum? Und was können die Jugendlichen da lernen? 

VX: «Die Vorstellungskraft ist die Quelle aller menschlichen Errungenschaften, und Kreativität ist das größte Geschenk der menschlichen Intelligenz», hat der britische Kunstprofessor und Regierungsberater Sir Ken Robinson einst gesagt.  

Jedes Kind ist mit diesen natürlichen Fähigkeiten geboren – und unser Ziel ist es, diese zu fördern. Unser Fab-Lab BONEVET (Do It Yourself) ist eine fortschrittliche, kinderfreundliche Lernumgebung, in der Kinder aller Altersgruppen ab 4 Jahren durch Spiel und Technologie inspiriert werden, ihre Talente zu entdecken und mit Leidenschaft und Liebe zu entwickeln. 

Das Unterrichtskonzept von BONEVET befasst sich mit realen Problemen, um die Schüler darauf vorzubereiten, die Herausforderungen unserer komplexen Welt mit mehr Kompetenz, Selbstvertrauen und Optimismus anzugehen und zu bewältigen. 

albinfo.ch: Ingenieurwissen täte auch Schweizer Jugendlichen gut. Haben Sie keine Lust, auch in der Schweiz solche Labs aufzubauen? 

VX: Das Schulsystem in der Schweiz ist auf allen Lernstufen beispielhaft und so weit fortgeschritten, dass wir mit unserem Unterrichtskonzept wenig Neues anbieten könnten. 

 albinfo.ch: Unsere Ausbildung baut auf Wissen auf. Der legendäre chinesische Unternehmer Jack Ma, selbst Hochschulprofessor, hatte am WEF vor zwei Jahren propagiert, dass man den Kindern nicht Wissen, sondern Kreativität lehre. Und Disziplinen wie Kunst und Musik fördere, da Maschinen heute immer mehr wissen. Was meinen Sie? 

VX: Ich bin damit einverstanden. Wir leben in einer dynamischen Welt, die sich immer schneller verändert. Die Technologie entwickelt sich in einem beschleunigten Tempo und verändert die Art und Weise, wie wir denken, handeln und miteinander kommunizieren. Wir stehen vor komplexen Herausforderungen wie der globalen Erwärmung und der Erschöpfung natürlicher Ressourcen. Unsere Gesellschaft kann weder nachhaltig sein noch diese Herausforderungen überleben, ohne in unsere besten Ressourcen – unsere natürlichen Fähigkeiten – zu investieren. Je komplexer die Welt wird, desto kreativer müssen wir werden. 

 albinfo.ch: Welche Skills braucht ein Unternehmer/eine Unternehmerin, um erfolgreich zu sein? 

VX: Neben der Expertise, Innovation und Management-Fähigkeiten müssen eine Unternehmerin und ein Unternehmer einen starken Willen und Durchhaltevermögen haben.    

 albinfo.ch: Hat sich die Definition von Erfolg im Laufe ihrer Karriere verändert? Wie definieren Sie heute für sich Erfolg? 

VX:Es gibt keinen einfachen Weg zum Erfolg – er ergibt sich nicht aus einzelnen Ereignissen und baut sich allmählich auf. Auf dem Weg zum Erfolg muss man jeden Zentimeter des Bodens erobern, den man beschreitet. Erfolg bedeutet für mich, die richtige Balance zwischen persönlicher Leistung und einem sinnvollen Beitrag zum Gemeinwohl zu finden. Und nicht nach Titeln und sozialem Status zu streben. Oder nach Ruhm und Reichtum. 

 albinfo.ch: Die Schweiz hat eine sehr grosse albanische und kosovarische Diaspora. Spürt man in Albanien und Kosovo den Braindrain? Und wie kann der Knowhow-Transfer zurück nach Albanien und in den Kosovo verbessert werden? 

VX: Wir haben eine wunderbare junge Bevölkerung, voller Talente und Energie. Unser Land verfügt über Bodenschätze, die für die Wirtschaft wichtig sind. Wir haben viel fruchtbares Land, um unsere gesamte Bevölkerung zu ernähren. Wir haben großartige Freunde und Partner im Westen, insbesondere in der Schweiz – und unsere Diaspora unterstützt den Kosovo und seine Bevölkerung kontinuierlich großzügig.  

Der Kosovo braucht dringend gut ausgebildete junge Menschen, die unsere natürlichen und menschlichen Ressourcen mit höherer Produktivität nutzen und größerer Erträge erwirtschaften, um das Wohlergehen und die Attraktivität des Kosovo zu steigern.  

Wir sind sicher, dass viele dieser jungen Mädchen und Buben in den kommenden Jahren gute Ingenieure und Techniker sowie erfolgreiche Unternehmer werden, die Unternehmen gründen und neue Arbeitsplätze schaffen werden, um unsere hohe Jugendarbeitslosigkeit zu mildern und hoffentlich dazu beizutragen, den Strom der Auswanderung zu reduzieren. 

Die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmern im Kosovo und in Albanien und den jungen albanischen Unternehmer in der Schweiz wird sicherlich einen positiven Einfluss auf die Verringerung des Braindrains haben. 

albinfo.ch: Raten Sie einem jungen Menschen auch in diesen unsicheren Zeiten zum Unternehmertum? 

VX: Ich würde jedem jungen Menschen, der eine unwiderstehliche Idee hat, zum Unternehmertum raten – vorausgesetzt sie haben den Willen dazu, den Mut und das Durchhaltevermögen. Das Unternehmertum ist meist risikoreich und anstrengend, aber dafür umso spannender und bereichernder.   

Unsichere Zeiten haben auch ihr Gutes: In Krisenzeiten erkennen wachsame Unternehmer neue Innovationsmöglichkeiten, die zum Wachstum der Unternehmen beitragen.  

Swissalbs Unternehmerpreis 2022

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

albinfo.ch ist Medien Sponsor des swissalbs Unternehmerpreis

Bundesrat: Verlängerung der Schweizer Beteiligung an der KFOR und Möglichkeit der Bestandeserhöhung

An seiner Sitzung vom 23. November 2022 hat der Bundesrat die Botschaft zur Verlängerung des Einsatzes der Armee zugunsten der multinationalen Kosovo Force (KFOR) der Nato um drei Jahre verabschiedet. Der Bundesrat möchte zudem die Möglichkeit haben, den Kontingentsbestand während der Laufzeit des Mandats um maximal 30 Armeeangehörige zu erhöhen, damit die Armee in der Lage ist, auf allfällige zusätzliche Bedürfnisse der KFOR eingehen zu können. Die Zusatzkosten für die Erhöhung des Maximalbestands würden durch das Budget des VBS gedeckt. Dieser bewaffnete Einsatz muss nun, da er länger als drei Wochen dauert und mehr als 100 Armeeangehörige umfasst, vom Parlament genehmigt werden.

Seit Oktober 1999 beteiligt sich die Schweizer Armee mit der Swisscoy – für Swiss Company – an der internationalen friedensfördernden Mission Kosovo Force (KFOR) der Nato in Kosovo. Der Maximalbestand der Swisscoy beträgt 195 Armeeangehörige, die sich freiwillig an der Mission beteiligen. Grundlage für den Einsatz der KFOR ist die Resolution 1244 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Im Juni 2020 verlängerte das Parlament das Mandat bis zum 31. Dezember 2023.

Risiko einer Verschlechterung der Lage im Zuge des Krieges in der Ukraine

Gegenwärtig ist die Situation zwar stabil, jedoch nach wie vor durch Volatilität gekennzeichnet. Nach Ansicht der Nato ist der Einsatz der KFOR daher fortzuführen, solange sich die Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo nicht normalisiert haben. Zudem geht die russische Militäraggression gegen die Ukraine mit erhöhten Sicherheitsrisiken in Europa, einschliesslich der Westbalkanstaaten, einher. Vor diesem Hintergrund bleibt die KFOR als militärische Garantin eines sicheren Umfelds notwendig, das der Entwicklung Kosovos und der Stabilität der ganzen Region förderlich ist.

Verlängerung der Schweizer Beteiligung an der KFOR und Möglichkeit der Bestandeserhöhung während der Laufzeit des Mandats

Der Bundesrat beantragt daher dem Parlament, die Schweizer Beteiligung an der KFOR bis zum 31. Dezember 2026 zu verlängern. Er möchte zudem die Möglichkeit haben, den Maximalbestand während der Laufzeit des Mandats um höchstens 30 Armeeangehörige zu erhöhen, damit die Schweizer Armee in der Lage ist, auf allfällige zusätzliche Bedürfnisse der KFOR eingehen zu können. Im Rahmen des aktuellen durch das Parlament erteilten Mandats kann der Bestand der Swisscoy nur vorübergehend aufgestockt werden, um Bedürfnisse des Kontingents in den Bereichen Logistik und Instandhaltung erfüllen zu können. Im Falle einer erhöhten Bedrohung für die Swisscoy kann das Kontingent auch zum Schutz von dessen Angehörigen kurzfristig verstärkt werden. Der Einsatz muss nun, da er länger als drei Wochen dauert und mehr als 100 Armeeangehörige umfasst, vom Parlament genehmigt werden. Die Zusatzkosten für die Erhöhung des Maximalbestands würden durch das Budget des VBS gedeckt.

Die Schweiz hat ein direktes Interesse an Frieden und Stabilität in Kosovo und der ganzen Region. Ihr Beitrag ist umso wichtiger, als die Schweiz eine Prüfung der Verstärkung der Zusammenarbeit mit der Nato erwägt, wie vom Bundesrat in seinem Zusatzbericht zum Sicherheitspolitischen Bericht 2021 dargelegt. Aufgrund der gegenwärtigen Verschlechterung der Lage im Osten Europas könnten sich die Nato-Mitglieder veranlasst sehen, ihr Engagement in dieser Region zu erhöhen und ihre Leistungen im Rahmen der KFOR zu reduzieren. In einer solchen Situation könnte die Schweiz, für die ein militärischer Einsatz im Osten nicht möglich ist, in die Lage kommen, ihre Beteiligung im Rahmen der KFOR verstärken zu müssen. In einer Zeit, in der sich die Nato und die europäischen Staaten für die Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit der russischen Militäraggression gegen die Ukraine einsetzen, beweist die Schweiz so, dass sie ihren Teil der Verantwortung wahrnimmt, indem sie ihren Beitrag zum Erhalt der Stabilität und der Entwicklung dieser Region leistet, zu der sie enge Verbindungen hat.

Jeweils per 31. Dezember legt das VBS zuhanden der Aussenpolitischen und der Sicherheitspolitischen Kommissionen beider Räte jährlich einen Zwischenbericht über den Swisscoy-Einsatz vor.

Asylstatistik Oktober 2022

Im Oktober 2022 wurden in der Schweiz 3208 Asylgesuche registriert, 527 mehr als im Vormonat (+19,7%). Gegenüber Oktober 2021 ist die Zahl der Asylgesuche um 1707 gestiegen. Wichtigste Herkunftsländer waren Afghanistan und die Türkei. Im Oktober wurde zudem 2360 aus der Ukraine geflüchteten Personen der Schutzstatus S erteilt.

Die wichtigsten Herkunftsländer der Personen, die im Oktober ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht haben, sind Afghanistan mit 1154 Gesuchen (330 mehr als im September), die Türkei (644 Gesuche; +100), Burundi (315 Gesuche; +179), Algerien (160 Gesuche; +19) und Eritrea (151 Gesuche; +2).

Von den 3208 im Oktober gestellten Gesuchen waren 2839 Primärgesuche (September 2022: 2273 Primärgesuche). Personen, die ein Primärgesuch stellen, tun dies unabhängig von anderen Personen, die bereits um Schutz ersucht haben. Die wichtigsten Herkunftsländer bei den Primärgesuchen im Oktober 2022 waren: Afghanistan (1119, +342), die Türkei (552, +79), Burundi (315, +180) sowie Algerien (157, +18) und Syrien (79, -38). Im Gegensatz dazu ist ein Sekundärgesuch die Folge eines bereits registrierten Asylgesuchs (beispielsweise Geburt, Familiennachzug oder Mehrfachgesuch).

Pendenzen nehmen zu

Das Staatssekretariat für Migration SEM erledigte im Oktober 2022 insgesamt 1675 Asylgesuche: Es wurden 522 Nichteintretensentscheide gefällt (davon 434 auf Grundlage des Dublin-Abkommens), 464 Personen erhielten Asyl und 384 wurden im Rahmen der erstinstanzlichen Erledigungen vorläufig aufgenommen. Die Zahl der erstinstanzlich hängigen Fälle nahm im Vergleich zum Vormonat um 1560 auf 9464 zu.

Im Oktober haben 1525 Personen die Schweiz kontrolliert verlassen oder wurden in ihr Herkunftsland oder einen Drittstaat rückgeführt. Die Schweiz hat bei 795 Personen einen anderen Dublin-Staat um Übernahme angefragt, 134 Personen konnten im selben Zeitraum in den zuständigen Dublin-Staat überführt werden. Gleichzeitig wurde die Schweiz von anderen Dublin-Staaten um Übernahme von 338 Personen ersucht und 21 Personen wurden in die Schweiz überstellt.

Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge

Im Rahmen des Resettlement-Programms sind im Oktober 2022 145 Personen in die Schweiz eingereist. Der Bundesrat entscheidet alle zwei Jahre über ein Resettlement-Programm. Für die Jahre 2022 und 2023 hat er beschlossen, insgesamt bis zu 1600 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aufzunehmen, die sich in einer prekären Lage in Erstaufnahmeländern befinden. Hinzu kommt ein Kontingent von 220 Flüchtlingen, die wegen der pandemiebedingten Verzögerung nicht im Rahmen des Programms 2020/2021 aufgenommen werden konnten.

Ukraine: Schutzstatus S (Sonderverfahren)

Für die Aufnahme schutzbedürftiger Menschen aus der Ukraine hatte der Bundesrat am 12. März 2022 erstmals den Schutzstatus S aktiviert.

Im Oktober stellten 2757 Personen ein Gesuch um Schutzstatus S in den Bundesasylzentren. Im gleichen Zeitraum wurde 2360 Personen der Schutzstatus S gewährt. Bei 110 schutzsuchenden Personen wurde er abgelehnt, weil die Kriterien nicht erfüllt waren.

In 5212 Fällen wurde der Schutzstatus S seit seiner Aktivierung beendet, in 1373 Fällen ist die Beendigung in Prüfung. Per Ende Oktober hatten insgesamt 60 601 Personen den Schutzstatus S.