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Kosovo und Deutschland gemeinsam gegen Zecken, die ein tödliches Virus übertragen

Deutschland und Kosovo arbeiten gemeinsam gegen eine Zeckenart, die ein tödliches Virus überträgt.

Während Deutschland über Hochsicherheitslabore verfügt, gibt es im Kosovo Hyalomma-Zecken und Erfahrungen mit dem tödlichen Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fieber. Durch die gemeinsame Arbeit bekämpfen deutsche und kosovarische Wissenschaftler die Krankheit und ihre Überträger.

Die Hyalomma-Zecke, die häufig als “grosse Jagdzecke” bezeichnet wird, kam früher hauptsächlich in Afrika, Asien und Südeuropa vor. Der Klimawandel führt jedoch dazu, dass sie inzwischen auch weiter nördlich überleben kann. Sie wurde bereits in Deutschland und in verschiedenen Ländern Osteuropas nachgewiesen. Kosovo in Südosteuropa gilt bereits seit einiger Zeit als ein Schwerpunktgebiet für diese Zeckenart.

Die Hyalomma-Zecke ist zudem Überträger des hochpathogenen Virus, das das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber verursacht, eine potenziell tödliche Krankheit mit einer hohen Sterblichkeitsrate.

Die Symptome der Krankheit sind mit jenen von Ebola-Fieber oder dem Marburg-Virus vergleichbar. Sie können Blut- und Lymphgefässe schädigen, was zu inneren Blutungen und zum Tod führen kann, berichtet “DW”, berichtet albinfo.ch.

Kurtesh Sherifi las erstmals im Jahr 2005 in einer Zeitung über das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber, als er gerade sein Studium der Veterinärmedizin in Berlin abschloss. In dem Artikel hiess es, dass elf Menschen in seiner Heimat Kosovo an der Krankheit erkrankt und fünf von ihnen gestorben seien. Bereits damals interessierte er sich für Krankheitserreger, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können.

Sherifi begann an der Fakultät für Landwirtschaft und Veterinärmedizin der Universität Prishtina zu arbeiten.

Das Forschungsbudget war jedoch begrenzt. Kosovo, ein kleines Land mit nur rund 1,6 Millionen Einwohnern, verfügte weder über ein Hochsicherheitslabor noch über die notwendige Ausrüstung zur Erforschung des Krim-Kongo-Virus.

Sherifi nahm Kontakt mit Deutschlands grösster Einrichtung für Forschung in diesem Bereich auf, dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Eine der Forscherinnen war Petra Emmerich, Virologin und Expertin für sogenannte Viren der Risikogruppe 4. Dabei handelt es sich um Viren, die schwere, häufig tödlich verlaufende Krankheiten verursachen und für die in der Regel keine breit verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten existieren. Das Krim-Kongo-Virus gehört zu dieser Risikogruppe.

Emmerich ist ausserdem Reservistin bei der deutschen Bundeswehr, die sich mit Viren befasst, die als biologische Waffen eingesetzt werden könnten. Im Jahr 2009 wurde sie in den Kosovo entsandt, wo sie Sherifi kennenlernte.

Im Kosovo wurde eine Struktur zur Überwachung der Ausbreitung der Hyalomma-Zecke und des Virus aufgebaut. Im Jahr 2013 erhielt die gemeinsame Arbeit der Forscher erstmals finanzielle Unterstützung durch das Deutsche Biosicherheitsprogramm, das vom deutschen Auswärtigen Amt geleitet wird und “Partnerländer beim Umgang mit biologischen Bedrohungen unterstützen soll”.

“Es ist ein Austausch”, sagte Emmerich über die wissenschaftliche Partnerschaft. “Wir verfügen über die diagnostische Expertise und die notwendigen Ressourcen, aber wir haben keine Patienten”. Ärzte aus Deutschland reisen regelmässig gemeinsam mit Emmerich in den Kosovo, wo sie sich mit ihren dortigen Kollegen austauschen können.

Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit ist eine weitere wichtige Säule der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kosovo.

Landwirte im Kosovo sind besonders anfällig für Infektionen, und zwar nicht nur wegen der Zeckenstiche, sondern auch, weil sie Zecken häufig mit blossen Händen von Tieren entfernen. Gelangt infiziertes Blut eines Tieres in eine kleine Wunde an der Hand eines Menschen, kann das Virus auf den Menschen übertragen werden.

“Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich ein grosser Teil der infizierten Bevölkerung im Kosovo auf diese Weise angesteckt hat”, erklärte Sherifi.

Die Patienten benötigen intensivmedizinische Betreuung und Isolation.

Sherifi und Emmerich haben zudem Schulen besucht, um Schülerinnen und Schüler über die Risiken des Virus und über Schutzmöglichkeiten aufzuklären. So können beispielsweise bestimmte Mittel gegen Zecken helfen, ebenso wie lange Hosen und festes Schuhwerk.

Nicht alle Hyalomma-Zecken tragen das Virus in sich, und die meisten Menschen, die von einer Hyalomma-Zecke gebissen werden, erkranken nicht. Das grösste Problem besteht jedoch darin, dass es weder einen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung für Menschen gibt, die am Krim-Kongo-Fieber erkranken.

“Wenn man erkrankt, verläuft die Krankheit sehr schwer”, erklärte Emmerich. Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen, darunter Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen und Kopfschmerzen. In schweren Fällen treten Blutungen aus der Haut, der Nase und dem Zahnfleisch auf. Zudem kann es zu Magen-Darm-Blutungen kommen. In den schwersten Fällen kann die Krankheit zu Organversagen führen.

Die Patienten benötigen intensivmedizinische Betreuung und Isolation.

Ein grosser Teil der intensivmedizinischen Behandlung konzentriert sich darauf, die lebenswichtigen Funktionen des Patienten aufrechtzuerhalten. Zusätzlich erhalten die Betroffenen das antivirale Medikament Ribavirin. Doch wie Emmerich erklärte, “ist Ribavirin bei Patienten mit akuter Erkrankung nicht besonders wirksam”. Das konnten die Wissenschaftler bei den Fällen im Kosovo aus nächster Nähe beobachten.

Die beste Massnahme ist die Prävention. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Forscher die Ausbreitung der Hyalomma-Zecken überwachen und nach Möglichkeit empfehlen, bestimmte Gebiete zu meiden, in denen diese Zecken weit verbreitet sind.

Im Laufe der Jahre haben die Forscher nicht nur Tausende Zecken gesammelt, sondern auch sogenannte Seroprävalenzstudien durchgeführt. Dabei werden Blutuntersuchungen eingesetzt, um Antikörper aus früheren Infektionen nachzuweisen. Dadurch können Wissenschaftler feststellen, ob Menschen oder Tiere mit dem Virus in Kontakt gekommen sind.

Nutztiere eignen sich besonders gut für diese Art von Untersuchung, erklärte Sherifi, da das Virus sie nicht beeinträchtigt. Anders als Wildtiere und Menschen halten sie sich normalerweise in einem klar begrenzten Gebiet auf. Werden Antikörper im Blut dieser Tiere nachgewiesen, ist somit klar, dass das Virus in dieser Region zirkuliert.

Im Kosovo ist die Zahl schwerer Infektionen im vergangenen Jahrzehnt drastisch zurückgegangen und lag insgesamt bei nur fünf Fällen. Im Jahrzehnt davor waren es rund 100 Fälle. Sherifi und Emmerich sind überzeugt, dass dies zeigt, wie erfolgreich ihre Arbeit gewesen ist.

Das bedeutet natürlich nicht, dass sich die Zecken und das Virus nicht weiter in Europa ausbreiten werden. Beide Forscher rechnen damit, dass dies geschehen wird.

In Frankreich wurden erst kürzlich Hyalomma-Zecken mit dem Krim-Kongo-Virus nachgewiesen, obwohl dort bislang keine Menschen infiziert wurden.

“In den vergangenen 13 Jahren haben sich die Hyalomma-Zecken geografisch ausgebreitet”, sagte Emmerich. “Als Virologin ist das etwas, worüber man nachdenken muss und das genau überwacht werden sollte”.