CH-Balkan
Wo wird das Geld der Diaspora ausgegeben?
Das Geld der Diaspora geht hauptsächlich in den täglichen Konsum, wohingegen Wirtschaftsfachleute fordern, diese Gelder in kleine und mittlere Unternehmen zu investieren
Die kosovarische Emigration gilt weiterhin als Stabilitätsfaktor für die soziale Lage in Kosova, indem sie jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro an Überweisungen macht. Die Einkünfte aus der Diaspora fliessen jedoch auch weiterhin in den täglichen Konsum und nicht in Kapitalinvestitionen.
Wirtschaftsfachleute sind der Ansicht, am besten genutzt wären diese Mittel, wenn sie in verschiedene Sektoren in Kosovo investiert würden, wenn damit Familienunternehmen eröffnet würden, was in der Folge zu mehr Beschäftigung führen und die Armut mildern würde.
Wirtschaftsprofessor Naim Gashi von der Universität Prishtina sagt, der Beitrag der Überweisungen der kosovarischen Emigranten sei aussergewöhnlich gross gewesen, doch sollte sich der Schwerpunkt der Rimessen ändern.
“Ein grosser Teil des Geldes der Diaspora wird für Unterhaltung verbraucht, für Hochzeiten, und hat im Endeffekt nur kurzfristigen volkswirtschaftlichen Einfluss. Sehr wirksam und nützlich wären die Überweisungen, wenn sie allmählich, anstatt direkt an die Familien in Kosovo zu gehen, für Investitionen in kleine und mittlere Unternehmen verwendet würden, die Arbeitsplätze und Einkünfte für die Familienangehörigen generierten”, meint Gashi, wie REL zitiert.
Kosova gehört zu den Ländern im Balkan, die am meisten Überweisungen empfangen. Mehr als 25 Prozent der Familien in Kosova sollen Rimessen erhalten.
Doch um diese Mittel in Investitionen überzuleiten, müssen die kosovarischen Behörden laut Wirtschaftsexperte Naim Gashi erst Voraussetzungen für Investitionen schaffen. Bis jetzt, fügt er hinzu, ist nicht genug getan worden, um das finanzielle Potential, über welches die kosovarische Diaspora verfügt, zu mobilisieren.
“Untersuchungen zeigten, dass lediglich ein Viertel des finanziellen Potentials der Diaspora nach Kosovo kommt, während der Rest auf Banken und Finanzinstitutionen in jenen Ländern ruht, wo die Diaspora lebt und arbeitet. Ich denke, die beste Möglichkeit für Kosovo, ausländische Investitionen anzukurbeln, ist gerade unsere Diaspora, die über ein starkes finanzielles Kapital und grosse Investitionsmöglichkeiten verfügt “, betont Gashi.
Der Staat, in den am meisten Kosovaren emigrierten, ist Deutschland mit 35,25 Prozent, gefolgt von der Schweiz mit 22,94 Prozent.
Nach Ansicht von Vertretern kosovarischer Geschäftskreise stellen die Überweisungen der kosovarischen Emigranten eine wirtschaftliche Stärke Kosovas dar.
Der Präsident des Kosovarischen Unternehmervereins, Agim Shahini, betont, bis jetzt sei es notwendig gewesen, die Überweisungen für den Konsum oder den Bau von Häusern auszugeben, wie dies sofort nach dem Krieg in Kosovo geschah. Doch nun müssten diese Mittel in die Schaffung von kleinen und mittleren Unternehmen investiert werden.
“Unsere Diaspora besteht nicht nur aus Hilfsarbeitern in den westlichen Ländern, sondern wir haben heutzutage gute Manager, gute Geschäftsleute, Parlamentarierinnen, Menschen, die verschiedenen Staaten dienen; sie alle heben das Image unserer Diaspora, erhöhen auch ihre eigenen Einkünfte und haben Möglichkeiten, in ein Geschäft zu investieren”, meint Shahini.
Die kosovarischen Emigranten, die in verschiedenen Ländern der Welt leben, zeigten sich auch schon daran interessiert, spezielle Entwicklungsfonds zu gründen, doch bis jetzt geschah nichts Konkretes.
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