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Von der Schweiz in den Kosovo: Herzog und Ibrahimi bringen ihre fachliche Erfahrung zu Trauma und häuslicher Gewalt ein

Marianne Herzog, Expertin für Traumapädagogik, und Drita Ibrahimi, Leiterin des Vereins "Parandalo" in Basel, nahmen an akademischen Veranstaltungen im Kosovo teil.

Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit nahmen Marianne Herzog, Expertin für Traumapädagogik, und Drita Ibrahimi, Leiterin des Vereins “Parandalo” in Basel, an akademischen Veranstaltungen im Kosovo teil. Dabei brachten sie ihre Erfahrungen aus der Schweiz im Umgang mit Traumata, häuslicher Gewalt und deren Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern ein.

Im Rahmen des VIII. Internationalen Kongresses der Psychologinnen und Psychologen aus dem Kosovo und Albanien, der anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober organisiert wurde, stellten Herzog und Ibrahimi fachliche Ansätze und Erfahrungen zur Unterstützung von Menschen vor, die von Traumata und häuslicher Gewalt betroffen sind.

Einen Tag zuvor, am 9. Oktober, hielten die beiden auch zwei Vorträge an der öffentlichen Universität “Kadri Zeka” in Gjilan. Im Mittelpunkt standen die Traumapädagogik, die Schaffung sicherer Umgebungen sowie die Folgen, die häusliche Gewalt für die emotionale, soziale und psychologische Entwicklung von Kindern haben kann.

Die Teilnehmenden an der Universität “Kadri Zeka” wurden von Arben Sahiti, dem amtierenden Prorektor für internationale Zusammenarbeit und Projekte, begrüsst. Er betonte die Bedeutung des fachlichen Erfahrungsaustauschs in Bereichen, die das Wohlergehen von Kindern, Jugendlichen und der Gesellschaft insgesamt unmittelbar betreffen.

Marianne Herzog hielt einen Vortrag mit dem Titel “Rund um den sicheren Ort: Hilfreiche Unterstützung durch Traumapädagogik”. Herzog ist Traumaspezialistin im Bildungsbereich, ehemalige Expertin für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund beim Erziehungsdepartement Basel und Dozentin an verschiedenen europäischen Universitäten und Institutionen.

In ihrem Vortrag befasste sie sich mit den Mechanismen und Folgen psychischer Traumata, einschliesslich ihrer neurobiologischen Auswirkungen und der Frage, wie sich traumatische Erfahrungen auf das Verhalten, das Lernen und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken können.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Konzept des “sicheren Ortes” als einem der grundlegenden Elemente der Traumapädagogik. Nach dem von Herzog vorgestellten Ansatz ist die Schaffung von Sicherheit, Stabilität und Vertrauen eine wichtige Voraussetzung, um Kinder und Menschen zu unterstützen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben.

 

Ihre berufliche Erfahrung spiegelt sich auch in ihrem Buch “Lilly, Ben und Omid” wider, das sich mit Traumata und möglichen Schwierigkeiten bei Kindern befasst, darunter auch die Zurückhaltung oder Weigerung, zur Schule zu gehen. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter auch ins Albanische.

Während ihres Aufenthalts im Kosovo verschenkte Herzog zudem mehrere Hundert Exemplare ihres Buches an Institutionen, Studierende und Fachpersonen. Ziel war es, das Buch als praxisnahe Ressource für Psychologinnen und Psychologen, Pädagoginnen und Pädagogen, Therapeutinnen und Therapeuten, Logopädinnen und Logopäden sowie Eltern zur Verfügung zu stellen.

Drita Ibrahimi, Leiterin des Vereins “Parandalo” in Basel, Übersetzerin und interkulturelle Vermittlerin, hielt einen Vortrag zum Thema “Häusliche Gewalt und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern: Die Bedeutung der Sensibilisierung und der professionellen Beobachtung”.

 

In ihrem Vortrag erläuterte sie die Auswirkungen, die das Miterleben von Gewalt auf die emotionale, psychische und soziale Entwicklung von Kindern haben kann. Dabei betonte sie die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung von Anzeichen, der professionellen Beobachtung und der Reaktion durch die zuständigen Institutionen. Ibrahimi stützt sich dabei auch auf ihre langjährige Erfahrung in der Schweiz, insbesondere durch ihr Engagement im Verein “Parandalo” in Basel sowie in weiteren Initiativen zur Gewaltprävention, zur Unterstützung von Familien und zur interkulturellen Vermittlung.

“Häusliche Gewalt bleibt ein zentrales Thema, und als Gesellschaft brauchen wir ein umfassendes Bewusstsein und eine breite Sensibilisierung für dieses Phänomen. Über häusliche Gewalt zu sprechen, ist ein Schritt hin zu mehr Bewusstsein”, betont Ibrahimi. Sie hebt hervor, dass der Umgang mit Gewalt nicht auf Reaktionen nach bereits erfolgten Übergriffen beschränkt bleiben darf, sondern Aufklärung, Prävention, professionelle Beobachtung und die Zusammenarbeit zwischen Familie, Schule und Institutionen erfordert.

Die Vorträge von Herzog und Ibrahimi brachten konkrete berufliche Erfahrungen aus der Schweiz in den Kosovo und eröffneten eine Diskussion darüber, wie Bildungseinrichtungen und Fachpersonen früher und mit mehr Sensibilität auf Traumata und Gewalt reagieren können.

Im Kern vermittelten beide Präsentationen eine gemeinsame Botschaft: Kinder, die von Traumata oder Gewalt betroffen sind, müssen nicht nur gehört werden, sondern sich auch sicher fühlen, verstanden und professionell unterstützt werden. Die Schaffung eines solchen “sicheren Ortes” in der Familie, in der Schule und in der Gesellschaft bleibt eine der wichtigsten Herausforderungen beim Schutz der psychischen Gesundheit und des Wohlergehens von Kindern.

 

Für albinfo.ch

Luljeta Ademi