Albanien
Von den albanischen Gebieten bis zur Diaspora: Frauen kommen in Vlora zusammen, um über Führung, Werte und die europäische Perspektive zu sprechen
Das Treffen brachte Frauen mit Erfahrung in Politik und Entscheidungsprozessen, Wissenschaft und Forschung, Unternehmertum, Kultur, Literatur, Handwerk, Ethnokultur, lokaler Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen.
Vertreterinnen aus Albanien, Kosovo, Nordmazedonien, dem Presheva-Tal, Ulqin, Tuzi sowie aus der albanischen Diaspora kamen am 2. und 3. Oktober in Vlora zur 5. landesweiten, regionalen und internationalen Konferenz zusammen. Im Mittelpunkt standen die Rolle und der Einfluss albanischer Frauen und Mädchen im öffentlichen Leben, in der Wirtschaft, Kultur und Bildung sowie in den europäischen Integrationsprozessen.
Die Konferenz unter dem Motto “Das Bild albanischer Frauen und Mädchen: Werte, Führung und Einfluss auf dem Weg zur Europäischen Union” fand im Hotel Duka an der Lungomare von Vlora statt. Organisiert wurde sie von der Nationalen Allianz der kommunalen Mandatsträgerinnen Albaniens (AKKB) in Zusammenarbeit mit UN Women Albania, der OSZE und der Stadt Vlora.
Das Treffen brachte Frauen mit Erfahrung in Politik und Entscheidungsprozessen, Wissenschaft und Forschung, Unternehmertum, Kultur, Literatur, Handwerk, Ethnokultur, lokaler Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen, ebenso wie Vertreterinnen der albanischen Diaspora aus der Schweiz, dem Vereinigten Königreich, Griechenland, den Vereinigten Staaten von Amerika und weiteren Ländern.
Zu den Teilnehmerinnen gehörten die Akademikerin Justina Shiroka-Pula, Edita Tahiri, Ilire Dauti, Edlira Çepani, Flutura Açka, Arbëresha Vlashi, Teuta Arifi, Ledina Mandia, Prof. Dr. Emine Shabani, Sermine Purrini, Teuta Ajdini Jegeni, Valdeta Hajdari Kasapi und Mirlinda Kusari Purrini sowie zahlreiche weitere bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Vertreten waren außerdem Abgeordnete und ehemalige Abgeordnete, Forscherinnen, Hochschullehrerinnen, Kulturschaffende, Unternehmerinnen sowie Vertreterinnen der lokalen Verwaltung und der Diaspora.
Die Diaspora als Teil des albanischen Netzwerks der Werte
Eine der zentralen Dimensionen der Konferenz war die Einbeziehung der albanischen Diaspora in die Diskussionen über Führung, Entwicklung und die Zukunft von Frauen. Ein eigenes Panel war albanischen Frauen in Europa und weltweit gewidmet. Im Mittelpunkt standen Vernetzung, Zusammenarbeit, Integration sowie der Transfer von Wissen, Erfahrungen und Investitionen in den albanischen Raum.
Alta Azizi-Haluci: “Nicht Titel kamen zusammen, sondern Werte”
Die Vorsitzende der AKKB, Alta Azizi-Haluci, beschrieb Vlora in ihrem Rückblick nach der Konferenz als einen Ort, an dem nicht nur Vertreterinnen von Institutionen und Organisationen zusammenkamen, sondern Frauen mit eigenen Geschichten, Erfahrungen und konkreten Beiträgen.
“Nicht Titel kamen zusammen, sondern Werte”, sagte Azizi-Haluci und betonte, dass hinter jedem Namen Jahre der Arbeit, des Wissens, der Verantwortung, der Kreativität, des Unternehmertums und des Erbes stehen. Für sie beginnt Führung nicht mit einer Funktion oder öffentlicher Sichtbarkeit, sondern mit der geleisteten Arbeit und den Spuren, die man hinterlässt.
Sie ordnete die Konferenz von Vlora in einen bereits früher begonnenen Prozess ein, der 2024 über Vlora, Shkodra, Çair in Skopje und Pristina führte und 2026 erneut nach Vlora zurückkehrte.
Ihr zufolge hat dieser Weg schrittweise eine Landkarte der Zusammenarbeit zwischen albanischen Frauen aus verschiedenen Ländern und Tätigkeitsbereichen geschaffen. Azizi-Haluci beschrieb diese Verbindung mit der Metapher der albanischen Polyphonie: Jede Stimme bewahrt ihren eigenen Klang und ihre eigene Identität, während die Harmonie gerade durch ihr Zusammenspiel entsteht.
Von der Politik über das Unternehmertum bis hin zu Kultur und Innovation
Das Programm der Konferenz war in mehrere Themenbereiche gegliedert. Das Panel zu politischer, parlamentarischer und institutioneller Führung befasste sich mit der Vertretung von Frauen in Regierungs- und Entscheidungsprozessen, ihrer Rolle in demokratischen Prozessen sowie mit der Notwendigkeit, nachhaltigere Möglichkeiten für die nächste Generation von Frauen und Mädchen im öffentlichen Leben zu schaffen.
Ein weiteres Panel war der lokalen Verwaltung, der lokalen Demokratie und der Entwicklung von Gemeinschaften gewidmet. Im Mittelpunkt standen die Rolle von Frauen bei lokalen Entscheidungsprozessen, Transparenz, Bürgerbeteiligung und territoriale Zusammenarbeit.
Im wirtschaftlichen Bereich konzentrierten sich die Diskussionen auf Unternehmertum, wirtschaftliche Stärkung und die Unabhängigkeit von Frauen. Dabei wurden unter anderem kleine und mittlere Unternehmen, Handwerk, Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistungen, Technologie und neue Formen des Unternehmertums thematisiert.
Besondere Aufmerksamkeit galt auch den Bereichen Identität, Kulturerbe, Bildung, Wissenschaft, Kultur und Innovation. Im Fokus standen dabei die Rolle der Frauen bei der Bewahrung von Sprache, Erinnerung und Tradition sowie die Beteiligung von Mädchen in den MINT-Bereichen, in der künstlichen Intelligenz und in der Technologie.
Der “Wegweiser der Werte” und “Amëvlerat Shqiptare”
Eine der Säulen des Projekts ist der “Wegweiser der Werte albanischer Frauen und Mädchen”, gemeinsam mit der Monografie “Amëvlerat Shqiptare”. Beide wurden mit dem Ziel konzipiert, den Beitrag albanischer Frauen in verschiedenen Bereichen zu erfassen, zu dokumentieren und sichtbarer zu machen.
Alta Azizi-Haluci beschrieb diese Initiative als Ergebnis langjähriger Arbeit vor Ort, zahlreicher Begegnungen, Geschichten und Verbindungen, die zwischen Frauen aus verschiedenen albanischen Regionen entstanden sind.
Das Programm sah außerdem die Charta der Werte und die Landkarte der Werte vor, mit dem Ziel, die Präsenz und den Einfluss albanischer Frauen in Albanien, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro, Presheva, Bujanoc, Medvegja und in der Diaspora sichtbar zu machen.
Die Konferenz und der ihr vorausgegangene Prozess wurden von einem Netzwerk aus Institutionen und Partnern unterstützt, darunter UN Women, die OSZE, Bashki të Forta – Helvetas, die Stadt Vlora, die Gemeinde Çair in Skopje und die Gemeinde Pristina.
Nach Angaben der Organisatoren hat diese Unterstützung es ermöglicht, das Projekt auf verschiedene Städte und Länder auszuweiten, Frauen und Mädchen mit besonderen Beiträgen zu identifizieren und neue Verbindungen zwischen den verschiedenen albanischen Räumen zu schaffen.
Die Konferenz endet, das Netzwerk bleibt bestehen
Zum Abschluss betrachten die Organisatoren Vlora nicht als Endpunkt, sondern als eine Etappe in einem längerfristigen Prozess.
“Wir machten uns auf die Suche nach unseren Werten. Auf diesem Weg fanden wir einander”, sagte Alta Azizi-Haluci und kündigte die Fortsetzung des Wegweisers der Werte sowie die Organisation weiterer Konferenzen an.
In einem albanischen Raum, der sich über mehrere Staaten erstreckt und über eine große Diaspora verfügt, rückte die Konferenz von Vlora eine konkrete Idee in den Mittelpunkt: Das gegenseitige Kennenlernen der Frauen, die Dokumentation ihrer Arbeit und der Aufbau von Netzwerken sollen in Zusammenarbeit, Chancen und Einfluss für kommende Generationen münden.
albinfo.ch war in Vlora vor Ort und verfolgte die Konferenz, die Panels sowie die Begegnungen zwischen albanischen Frauen und Mädchen aus der Region und der Diaspora aus nächster Nähe. Dabei brachte albinfo.ch seinen Leserinnen und Lesern die wichtigsten Entwicklungen und Stimmen dieses Treffens näher.
Für albinfo.ch: Luljeta Ademi
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