Fußball

Lorik Cana erzählt von seinem Weg zum Profifußball: Das verweigerte Visum für Arsenal und das Probetraining bei PSG, das sein Leben veränderte

Der ehemalige Kapitän der albanischen Nationalmannschaft, Lorik Cana, hat Einblicke in die Anfänge seiner Karriere gegeben und von den Schwierigkeiten berichtet, denen er als Flüchtling in der Schweiz begegnete, sowie von den Schlüsselmomenten, die ihm den Weg in den Profifußball ebneten.

In einem Interview mit dem Albanischen Fußballverband (FSHF) im Rahmen der Rubrik “Legenden erzählen” blickte Cana auf das Jahr 1999 zurück, als seine Familie nach der Flucht aus dem Kosovo während des Krieges in der Schweiz lebte.

Cana war erst sieben Jahre alt, als er in die Schweiz kam. Nach dem Ende des Krieges stand seine Familie, die als politische Flüchtlinge mit einer befristeten Aufenthaltsbewilligung lebte, vor der Möglichkeit, in den Kosovo zurückkehren zu müssen.

In dieser ungewissen Zeit erhielt der damals 16-Jährige eine außergewöhnliche Chance: Arsenal lud ihn zu einem Probetraining nach London ein, als Arsène Wenger den englischen Klub trainierte.

Für Cana hätte diese Einladung sein Leben verändern können. Doch der Traum von einem der größten Vereine Europas scheiterte zunächst an einem unerwarteten Hindernis: Sein Visumantrag für Großbritannien wurde abgelehnt.

“Die Einladung von Arsenal und das fehlende Visum? Damals hätte das der entscheidende Moment meines Traums sein können”, erinnert sich Cana und beschreibt die schwierige Situation seiner Familie.

Ohne Reisepass und weiterhin mit dem Status eines politischen Flüchtlings konnte er nicht nach England reisen. Doch diese Enttäuschung beendete seinen Traum nicht.

Die Verantwortlichen von Lausanne-Sport, wo er seine ersten Schritte im Fußball gemacht hatte, verschafften ihm eine weitere Chance, diesmal bei Paris Saint-Germain in Frankreich.

Das Problem blieb jedoch dasselbe: Cana verfügte noch immer nicht über die erforderlichen Reisedokumente. Mit 16½ Jahren überquerte er die Grenze bei Genf illegal und setzte seine Reise nach Paris fort.

“Ich überquerte die Grenze illegal bei Genf. Ich war 16½ Jahre alt, stieg in Lyon in den Zug und fuhr nach Paris”, erzählt er.

In der französischen Hauptstadt absolvierte Cana das Probetraining bei PSG und hinterließ sofort einen starken Eindruck bei den Verantwortlichen des Vereins. Seine Leistungen überzeugten, und das Probetraining verlief erfolgreich.

PSG erfuhr später von seiner schwierigen aufenthaltsrechtlichen Situation und wollte ihn unbedingt verpflichten. Cana war bereit zu bleiben, wollte jedoch nicht von seiner Familie getrennt werden, die inzwischen in den Kosovo zurückgekehrt war.

“Als ich in Paris ankam, hatte ich das Gefühl, dass kaum noch etwas schiefgehen konnte. Dieser Grenzübertritt hat mein Leben verändert”, sagt der ehemalige Kapitän der albanischen Nationalmannschaft.

Dieses Probetraining markierte den Beginn einer langen Karriere im europäischen Spitzenfußball. Später spielte Cana für Olympique Marseille, Sunderland, Galatasaray, Lazio Rom und den FC Nantes und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten albanischen Fußballer seiner Generation.

Auch die albanische Nationalmannschaft spielte in seiner Laufbahn eine zentrale Rolle. Cana entschied sich, Albanien zu vertreten, und wurde im Laufe der Jahre zu einer der wichtigsten Führungsfiguren der Mannschaft.

Er absolvierte 94 Länderspiele und erzielte ein Tor. Über viele Jahre trug er die Rückennummer 5 sowie die Kapitänsbinde.

Der Höhepunkt seiner Nationalmannschaftskarriere war die historische Qualifikation Albaniens für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Zum ersten Mal nahm Albanien an der Endrunde einer Europameisterschaft teil.

Im Gespräch mit dem FSHF sprach Cana außerdem über die Verantwortung als Kapitän, die Rolle einer Führungspersönlichkeit in der Kabine sowie über die Entwicklung der heutigen Nationalmannschaft.

Auch sein Leben nach dem Fußball war Thema des Interviews. Er sprach über seine Familie, seine Aktivitäten nach dem Karriereende sowie über sein Interesse an Geschichte und Archäologie.

Vom jungen Flüchtling, der mit unsicheren Aufenthaltsdokumenten und der Gefahr einer Rückkehr in den Kosovo leben musste, bis hin zu einem etablierten Profifußballer in mehreren europäischen Spitzenklubs und Kapitän der albanischen Nationalmannschaft – Lorik Canas Geschichte reicht weit über den Fußball hinaus.