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Das Buch “Gespräch durch Gitterstäbe”, ein Anlass zur Reflexion über die Bedeutung des Denkens von Ukshin Hoti

Die Präsentation der französischen Übersetzung von Sébastien Gricourt in Genf bot Anlass, über die Bedeutung des politischen Denkens von Hoti nachzudenken.

Ukshin Hoti, eine der bedeutendsten Symbolfiguren des albanischen Widerstands, gehörte zu den wenigen Persönlichkeiten, die Intellektuellen, Denker par excellence und engagierten Aktivisten in sich vereinten. Das Verschwinden einer Persönlichkeit von solchem Format hat die politische und intellektuelle Szene des Kosovo zweifellos geprägt. Seine Persönlichkeit wurde häufig zum Gegenstand von Artikeln, Betrachtungen und Büchern, die versuchen, seine vielschichtige Figur zu beleuchten, die in der heutigen albanischen Realität stark vermisst wird.

Das Buch “Gespräch durch Gitterstäbe” ist vielleicht das passendste Werk, um das brillante politische Denken von Ukshin Hoti aus der Zeit seiner Entstehung in die Gegenwart zu holen und es auch heute sprechen zu lassen. Die Präsentation der französischen Übersetzung dieses Buches in Genf, angefertigt vom bekannten Autor und Aktivisten Sébastien Gricourt, der mittlerweile selbst Teil der albanischen Kulturlandschaft geworden ist, bot die Gelegenheit, über die Bedeutung von Hotis Denken nachzudenken, und zwar nicht nur über sein politisches Denken.

Das Buch wurde im Rahmen der Veranstaltungen zum Internationalen Tag der Opfer des Verschwindenlassens präsentiert, die am 30. August in Genf stattfanden. Initiiert wurde die Veranstaltung vom Kulturverein “Dora D’Istria” unter der Leitung von Mirishahe Hiler Limani und von zahlreichen weiteren albanischen und anderen Organisationen in der Schweiz unterstützt. Die Präsentation in einem solchen Kontext war auch deshalb besonders passend, weil Ukshin Hoti selbst zu den Opfern des Verschwindenlassens zählt. Ein Verschwinden, das bis heute, 27 Jahre später, weiterhin rätselhaft bleibt.

Der Präsentation ging ein kurzer Dokumentarfilm des Autors Edon Duraku voraus, der sich mit der Persönlichkeit von Ukshin Hoti und den Umständen seines Verschwindens befasst. Im Film kommen mehrere der besten Kenner sowie Familienangehörige des Denkers Ukshin Hoti zu Wort.

An der Vorstellung des Buches “Bisedë përmes hekurash” (“Gespräch durch Gitterstäbe”), das ins Französische übersetzt wurde, nahmen der Übersetzer selbst, Sébastien Gricourt, Driton Kajtazi, Direktor des ISEAL, sowie Milazim Ukëhaxhaj vom Verband albanischer Kulturschaffender in der Schweiz teil. Die Präsentation auf Albanisch wurde von der in Genf tätigen Aktivistin und Kulturschaffenden Nerxhivane Sejdiu Ferati moderiert, während den französischsprachigen Teil Jeremy Seydoux, Redaktionsleiter von TV Léman Bleu, leitete.

Die Präsidentin des Parlaments der Republik und des Kantons Genf, Frau Dilara Bayrak, begrüßte die Anwesenden mit einer kurzen Ansprache.

Auch der Verwaltungsrat der Gemeinde Vernier und ehemalige Gemeindepräsident Mathias Buschbeck hieß die Teilnehmenden offiziell willkommen.

In seiner Rede erklärte Buschbeck, dass ihm die Organisation dieser Veranstaltung in seiner Gemeinde die Möglichkeit gegeben habe, das Leben, das Werk und das Schicksal von Ukshin Hoti näher kennenzulernen. Zugleich zeigte er sich erfreut darüber, dass Vernier als kulturell vielfältige Gemeinde Räume schafft, in denen Menschen und Gemeinschaften einander nicht nur bei Festen und freudigen Anlässen begegnen, sondern auch durch Geschichten, Erinnerungen und gemeinsam geteilte schmerzliche Erfahrungen.

Seiner Ansicht nach stärkt gerade diese Bereitschaft, auch die schmerzhaften Erfahrungen verschiedener Gemeinschaften kennenzulernen und zu verstehen, das Zusammenleben und die Nähe zwischen den Menschen. In diesem Sinne erhielt der Ukshin Hoti gewidmete Abend eine Bedeutung, die über eine einzelne Gemeinschaft hinausging, indem Erinnerung, gegenseitiges Verständnis und Solidarität in den Mittelpunkt der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Geschichte gestellt wurden.

Auch Martin Staub, Gemeindepräsident von Vernier, wo die Buchvorstellung stattfand, richtete im Namen der Gemeinde herzliche Willkommensworte an die Anwesenden. Er würdigte den Willen und den Mut der Organisatoren, den Tag der Opfer des Verschwindenlassens zu begehen, einen Tag, der für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger mit albanischen Wurzeln in der Gemeinde eine besondere Bedeutung hat. Staub betonte zudem den multinationalen Charakter der von ihm geleiteten Gemeinde, der seiner Ansicht nach das gemeinschaftliche Leben bereichert.

Das vorgestellte Buch enthält einen interessanten Briefwechsel zwischen dem großen Schriftsteller Ismail Kadare und dem politischen Gefangenen Ukshin Hoti, einem außergewöhnlichen Intellektuellen und bekannten Politiker mit rebellischem Geist. Auch die Art und Weise, wie dieser Briefwechsel zustande kam, ist eine Geschichte für sich, verbunden mit Opfern und Risiken für die Überbringer der Briefe und insbesondere für Ukshin Hoti selbst, der hinter Gittern saß.

Der Übersetzer des Buches, Herr Gricourt, erläuterte die Gründe für seine Entscheidung beziehungsweise die Inspiration, die ihn dazu bewegt hatte, dieses Werk zu übersetzen. Er erinnerte daran, dass er Ukshin Hoti bereits seit langer Zeit kannte. Diese Bekanntschaft ging auf besonders interessante Umstände zurück: auf die serbischen Gefängnisse, in denen Hoti Ende der 1990er-Jahre inhaftiert war. Gricourt arbeitete damals als Dolmetscher für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und hatte unter anderem die Aufgabe, im Rahmen von Delegationen politische Gefangene in Serbien zu besuchen. Bei einem dieser Besuche wurde er Zeuge davon, wie die Gefängnisbehörden Ukshin Hoti daran hinderten, mit der Delegation zu sprechen. Dabei beeindruckte ihn die starke Persönlichkeit des bedeutenden albanischen Denkers.

“Erst später”, so der Übersetzer, “stieß ich auf das Buch “Bisedë përmes hekurash” und war von dem, was ich gelesen hatte, begeistert”. Die Idee bestand darin, das Werk in mehrere Weltsprachen zu übersetzen und damit die internationale Öffentlichkeit für Ukshin Hoti und andere Opfer des Verschwindenlassens zu sensibilisieren. Bis heute ist jedoch lediglich diese Übersetzung erschienen, nämlich auf Französisch. Es bleibt zu hoffen, dass das Buch seine Wirkung entfalten kann, indem es an die richtigen und einflussreichen Stellen in der frankophonen Welt gelangt.

Über das vorgestellte Werk und die Persönlichkeit von Ukshin Hoti sprach auch Driton Kajtazi. Er hob besonders die wertvolle Arbeit des Übersetzers hervor und äußerte sich äußerst positiv über die Qualität der Übersetzung sowie darüber, wie erfolgreich das Buch in den französischsprachigen Raum übertragen wurde.

Der Kulturschaffende Milazim Ukëhaxhaj setzte sich in seiner Rede dafür ein, das Werk von Ukshin Hoti der jungen Generation stärker näherzubringen, und ging dabei auch auf den Einfluss ein, den dieses Werk auf die kulturelle Entwicklung dieser Generation haben kann.

In der anschließenden Diskussion wurden Fragen dazu aufgeworfen, wie sehr Ukshin Hoti der heutigen albanischen Politik im Kosovo fehlt. Laut Gricourt ist das Fehlen eines Denkens wie jenes von Hoti deutlich spürbar, und viele Prozesse im Kosovo hätten sich mit seiner Anwesenheit möglicherweise anders entwickelt. Zahlreiche Probleme, die den Fortschritt der staatsbildenden Prozesse behindert haben, hätten vermieden werden können, wenn Ukshin Hoti noch am Leben und politisch aktiv gewesen wäre, betonte Gricourt.

Die Buchvorstellung wurde auch durch die Ansprache von Andin Hoti, Minister in der Regierung des Kosovo und Sohn des Denkers und Aktivisten Ukshin Hoti, bereichert. Nachdem er den Organisatoren und dem Übersetzer des Buches gedankt hatte, beleuchtete er einen weiteren Aspekt der Persönlichkeit von Ukshin Hoti: seine Rolle als Vater und als Mann mit einem bekannten politischen Engagement. Als Vater war Ukshin Hoti in Andins Kindheit und früher Jugend nur wenig präsent. Die vielen Jahre im Gefängnis machten es ihm unmöglich, das Aufwachsen seiner Kinder mitzuerleben. Deshalb spricht Andin vor allem über die Zeit nach dem Verschwinden seines Vaters, eine Zeit voller Schmerz, Stress, langen Wartens, Enttäuschungen und Hoffnung.

Er berichtete von falschen Versprechungen, die die Familie von Ukshin Hoti immer wieder erhielt, wonach er an diesem oder jenem Ort “gefunden” worden sei, und von der Verzweiflung, die jedes Mal folgte, wenn sich diese Hinweise nicht bestätigten. Dieses Fehlen hält die Familie seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Ungewissheit und Angst, ebenso wie mehr als 1.500 weitere Familien von vermissten Personen.

Nach der Buchvorstellung folgte ein kurzes künstlerisches Programm. Drei Schauspielerinnen des Vereins “Bashkimi” aus Bern präsentierten eine szenische Improvisation zum Thema der Vermissten, während die bekannte albanische Sängerin Mimoza Nazarko, die in Genf lebt, mehrere Lieder auf Albanisch und Französisch vortrug und damit für eine angenehme Atmosphäre im Saal sorgte.