Integration
Re:Connect: Albanische Migranten der zweiten Generation auf der Suche nach ihrer Identität
Das bei KinoKosova vorgestellte Projekt Re bringt junge Menschen aus der Schweiz und dem Kosovo zusammen, um sich mit Themen rund um Identität auseinanderzusetzen.
Re:Connect heißt ein Projekt, das das Festival KinoKosova in Zusammenarbeit mit dem Dokufest in Prizren und mit finanzieller Unterstützung der Schweizer Stiftung Movetia sowie der Schweizer Botschaft im Kosovo umgesetzt hat.
Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt zur Produktion von Dokumentarfilmen sowie um ein Residenzprogramm. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren aus der Schweiz und dem Kosovo zusammenzubringen, darunter Jugendliche aus der Diaspora und Teilnehmer mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, um Themen wie Identität, Zugehörigkeit und kulturelles Erbe zu erkunden.
Eine zweiwöchige finanzierte Residenz in Prizren im Kosovo umfasst Workshops, gemeinsame Filmproduktionen in Gruppen sowie Mentoring durch “lokale” Filmschaffende wie Samir Karahoda und durch Regisseure aus der Diaspora wie Fisnik Maxvel, Dea Gjinovci oder Ilir Hasanaj und weitere.
Die Ergebnisse dieses interessanten Projekts konnte das Publikum am vierten Tag des Festivals KinoKosova am vergangenen Samstag im Kino Rex in Bern sehen.
Die Frage nach der Identität oder nach verschiedenen Identitäten war das verbindende Thema mehrerer Filme, die überwiegend von Amateurfilmemachern aus der Diaspora produziert und an diesem Nachmittag bei KinoKosova gezeigt wurden.
Konflikte rund um Identität, ihre Wahrnehmung sowie die Zweifel junger Menschen mit Migrationshintergrund, in diesem Fall albanischer Herkunft, im Umgang mit den verschiedenen Identitäten, mit denen sie leben, sind ein stark präsentes Thema in den öffentlichen Debatten in der Schweiz. Daher findet diese Auseinandersetzung ganz natürlich auch ihren Weg in den Film. Genau das geschieht, oder soll angeregt werden, auch im Projekt Re, dessen Filme Realität darstellen, Fragen aufwerfen und versuchen, darauf Antworten zu finden.
In diesem Zusammenhang war der Film “Gjuha e diasporës” von Diell Curri sowohl wegen seines Themas als auch aufgrund seiner Umsetzung besonders interessant.
In dem Film erkunden fünf Freunde, allesamt Albaner der zweiten und dritten Generation, die in der Schweiz leben, ihre Beziehung zur albanischen Sprache innerhalb der albanischen Diaspora in der Schweiz. Sie bewegen sich durch Erinnerungsorte, an denen Identität geprägt wird, und machen albanische Kultur dort sichtbar, wo sie unterdrückt wird. Der Film bewegt sich zwischen Dokumentation und Experiment und versteht sich als Untersuchung dessen, was mit der albanischen Sprache infolge von Unterdrückung und Migration geschieht.
Die Protagonisten diskutieren über ihren Umgang mit der Muttersprache, über die Herausforderungen ihrer Verwendung in der Gesellschaft, in der sie leben, aber auch über die Schwierigkeiten, Albanisch im Herkunftsland zu verwenden. Letzteres hängt selbstverständlich damit zusammen, dass ihnen mitunter die nötige sprachliche Sicherheit fehlt, um komplexe Themen auf Albanisch zu besprechen. Dennoch geben sie ihre Bemühungen nicht auf, die Sprache ihrer Eltern zu sprechen und damit einen wesentlichen Teil ihrer Identität in einem Umfeld mit einer anderen Sprache und Kultur zu bewahren.
Der Autor des Films, Diell Curri, gehört selbst zu dieser Generation von Migranten. Er wurde 2002 als Sohn albanischer Eltern aus dem Kosovo geboren und lebt in Luzern in der Schweiz. Derzeit absolviert er ein Bachelorstudium im Bereich Video an der Hochschule Luzern – Design Film Kunst.
Einen weiteren Aspekt, ebenfalls im Zusammenhang mit Migration, behandelt der Film “3 breza” der Autorin Alberta Sinani, einer Albanerin aus Österreich. Der Film erzählt die Geschichte von Zadife und begleitet ihre innere Reise sowie die Flucht ihrer Familie aus dem Kosovo im Jahr 1999.
Alberta Sinani ist Community-Psychologin, Künstlerin und Projektmanagerin. Sie wurde im Kosovo geboren und lebt heute in Österreich.
“As knej as anej” wiederum ist ein Kurzfilm von Amir Kajtazi, eine Koproduktion zwischen Kosovo und der Schweiz, der zunächst beim DokuFest gezeigt wurde. Der Film porträtiert einen jungen Mann aus der Diaspora, der in Pristina nach Zugehörigkeit beziehungsweise nach seiner Identität sucht. Er versucht, das Leben im Kosovo kennenzulernen, und bringt seine Identitätsfragen in einer anspruchsvollen Sprache und mit einer differenzierten Begrifflichkeit zum Ausdruck. Dadurch wird deutlich, wie ernsthaft er sich mit der Frage nach Identität oder vielmehr nach verschiedenen Identitäten auseinandersetzt.
Nach der Vorführung der Filme kamen mehrere junge Regisseure sowie Produzent Eroll Bilibani, der Leiter des Projekts, auf die Bühne und beantworteten Fragen aus dem Publikum. Diese betrafen unter anderem die Idee und das Konzept des Projekts, die Umstände, unter denen die Filme entstanden sind, sowie die Motive, die die jeweiligen Filmschaffenden bei ihrer Arbeit geleitet haben.
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