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“Kino Kosova” in Bern, ein Festival auf der Suche nach neuen Perspektiven
"Das Festival ist kein Filmwettbewerb, sondern in erster Linie ein Ort für Dialog, den Austausch von Ideen und die Entdeckung neuer Perspektiven."
Das Filmfestival “Kino Kosova” hat gestern Abend in Bern seine siebte Ausgabe eröffnet. Eine “fremde” Kinematografie über so viele Jahre hinweg in einem anderen Land wie der Schweiz zu präsentieren, zeugt vom großen Willen und von der starken Dynamik seiner Organisatoren. Das Niveau der Filmauswahl sowie die Kompetenz in diesem Bereich bieten zugleich eine gute Grundlage für Beständigkeit und für den Aufbau einer erfolgreichen Festivaltradition.
Das Eröffnungsprogramm brachte zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer im großen, vollständig gefüllten Saal des alternativen Kulturzentrums “Progr” in Bern zusammen. Ein beträchtlicher Teil des Publikums stammte aus der hiesigen albanischen Gemeinschaft. Im Unterschied zu vielen anderen Veranstaltungen handelte es sich dabei jedoch vor allem um eine junge, gut ausgebildete und in der Schweiz integrierte Generation, die im Publikum überwog. Daneben waren auch Schweizerinnen und Schweizer vertreten, Film- und Kulturliebhaber, die daran interessiert waren, die Kultur beziehungsweise den Film des Kosovo besser kennenzulernen.
Rund dreißig junge Menschen, Albanerinnen und Albaner der zweiten und dritten Generation sowie ihre Schweizer Freunde, leisten mit ihrer freiwilligen Arbeit einen wichtigen Beitrag zum reibungslosen Ablauf des Festivals und schaffen damit zugleich eine schöne Tradition des Engagements in diesem Bereich.
Die Medienplattform albinfo.ch ist Medienpartner des Festivals.
In ihrer Eröffnungsrede begrüßte Aleksandra Hiltmann, die im Festivalteam für Kommunikation verantwortlich ist, die Anwesenheit von Vertretern der Botschaften des Kosovo, Portugals und Südkoreas. Diese Präsenz zeigt die Wertschätzung der jeweiligen diplomatischen Vertretungen für Kultur und interkulturellen Austausch.
Anschließend ergriff der Direktor und Gründer des Festivals, Sabahet Meta, das Wort. Er betonte, dass das Festival in seiner Vorstellung nie ein Wettbewerb zwischen Filmen gewesen sei, bei dem entschieden werde, welcher Film der beste sei. Das Festival sei in erster Linie ein Ort für Dialog, den Austausch von Ideen, die Entdeckung neuer Perspektiven und das Knüpfen von Freundschaften, unterstrich er.
Meta dankte allen, die die Durchführung und Weiterentwicklung des Festivals ermöglichen, darunter Sponsoren und weitere Partner, einschließlich der Medienplattform albinfo.ch als Medienpartner. Er erwähnte auch das kosovarische Festival DokuFest für die Zusammenarbeit, aus der unter anderem das Projekt Connect hervorgegangen ist. Dieses ermöglicht mehreren jungen Menschen, vor allem Albanerinnen und Albanern aus der Diaspora, eine Ausbildung im Bereich der Kinematografie.
Meta erläuterte anschließend das Motto dieser Ausgabe, “Where Is Everybody?” beziehungsweise “Wo sind alle?”. Diese Frage ist vom sogenannten “Fermi-Paradoxon” inspiriert, das danach fragt, wie es möglich ist, dass ein so großes, altes Universum mit so vielen Möglichkeiten für intelligentes Leben dennoch so still erscheint.
Das Festival “holt” diese Frage aus dem Weltraum und dem Kosmos in unsere alltägliche Realität. In einer Welt, die mit Ungerechtigkeit, Konflikten, Ungleichheit und Leid konfrontiert ist, stellt sich eine ähnliche Frage: Wo sind alle? Wie ist es möglich, dass so viele Ungerechtigkeiten so leicht, still und immer wieder geschehen, während viele Menschen lediglich passive Beobachter bleiben?
Ein ungewöhnliches Gastland: Südkorea
Im Anschluss erklärte Meta die Entscheidung des Festivalteams, gerade Südkorea als Gastland auszuwählen. In den vergangenen Jahren hatten Länder diese Rolle übernommen, die dem Kosovo und der Schweiz auf die eine oder andere Weise näherstehen, etwa Bosnien und Herzegowina, Griechenland oder Portugal. In diesem Jahr ist es jedoch ein weit entferntes und nahezu unbekanntes Land: Südkorea. Warum?
“Zwischen dem Kosovo und Südkorea gibt es weder eine direkte kulturelle Verbindung noch eine gemeinsame Migrationsgeschichte in der Schweiz. Genau aus diesem Grund möchte das Festival durch das Kino eine neue Verbindung schaffen. Denn trotz der großen Unterschiede zwischen dem Kosovo, Südkorea und der Schweiz behandeln die Kinematografien dieser Länder Themen, die viele Gemeinsamkeiten aufweisen…”, sagte Meta.
Vor Beginn der Filmvorführungen wurden die Vertreter der südkoreanischen Kinematografie, Kim Young-woo und Kim Donghyun vom “Seoul Independent Film Festival” (SIFF), dem Publikum vorgestellt. Sie sprachen über die Filmtradition ihres Landes, das Festival, das sie leiten, sowie über die Besonderheiten des südkoreanischen Films.
Die gezeigten Filme
Anschließend wurden vier Filme unterschiedlicher Genres und Längen gezeigt, davon zwei aus dem Kosovo, einer aus der Schweiz und ein weiterer aus dem Gastland Südkorea.
Der Film des Regisseurs Alban Muja, “Ich glaube, das Porträt hat mich gerettet”, erzählt von einer ungewöhnlichen und bewegenden Erfahrung aus dem letzten Krieg im Kosovo. Fünfundzwanzig Jahre nach seiner Entführung während des Krieges erzählt der Maler Skender Muja die außergewöhnliche Geschichte seines Überlebens.
Er selbst und eine Gruppe von Albanern, die von serbischen Kräften verschleppt worden waren, wurden ausgerechnet durch das Porträt gerettet, das er auf Befehl des serbischen Kommandanten zeichnen musste, der sie entführt hatte.
Der Film verbindet Mujas Erinnerungen mit nachgestellten Szenen und reflektiert über die transformative Kraft der Kunst, als Mittel zum Überleben selbst unter den bedrückendsten Bedingungen.
Der Film “SOS” von Anita Morina spielt an einem abgelegenen Bahnhof im Kosovo. Der 30-jährige Drini führt ein einsames und von Routine geprägtes Leben, registriert die vorbeifahrenden Züge und hält online Kontakt zu seiner Freundin.
Doch als seine Arbeit plötzlich durch ein Radargerät ersetzt wird, gerät Drini in eine existenzielle Krise. Verloren und aus dem Gleichgewicht gebracht, muss er sich der Frage stellen, was er im Leben wirklich will.
Der Film “Buen Vivir – Ñutse Canseye” (“Gutes Leben”), eine schweizerisch-ecuadorianische Koproduktion unter der Regie von Zoé Nathalie Kugler, beschäftigt sich mit der Umwelt und den Folgen ihrer Zerstörung, irgendwo im Amazonasgebiet.
Das Land und die Gewässer eines Naturparadieses werden durch die Erdölförderung im Amazonasgebiet verunreinigt. Ein schleichender Prozess, der die Gesundheit und die traditionelle Kultur der lokalen Gemeinschaften bedroht.
Dreizehn Frauen erheben ihre Stimme gegen die Zerstörung ihrer Heimat. Mit Protesten und stillem Widerstand stellen sie sich einer undurchsichtigen globalen Machtstruktur entgegen. Für diejenigen, die kämpfen. Für ihre Rechte. Für ihre Kultur. Und für ein Leben in Würde.
Der Film “Route 7” ist ein interessanter und bewegender Einblick in das Leben der Südkoreaner. Young-ho, ein in Japan lebender Koreaner, beschließt, den Pachinko-Salon zu schließen, den er gemeinsam mit seiner Mutter Kyung-ja 50 Jahre lang an der Nationalstraße 7 in Akita betrieben hat. Um ihren Ruhestand zu feiern, lädt er sie zu einer Reise ins Ausland ein, doch sie möchte nach Niigata fahren.
Am Hafen erkennt er, welche Bedeutung dieser Ort für sie hat: Seine Tante Soon-ja war von dort im Zuge der massenhaften Rückführung nach Nordkorea aufgebrochen. Nach Kyung-jas Tod findet Young-ho einen Brief aus Nordkorea. Als seine Tochter Nana ihn besucht, brechen die beiden zu einer Reise entlang der Route 7 in Südkorea auf…
Das Festival “Kino Kosova” wird heute mit seinem zweiten Tag fortgesetzt. Dabei werden deutlich mehr Filme zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Kinos gezeigt. Auf dem Programm stehen drei albanischsprachige Filme aus dem Kosovo sowie drei weitere aus dem Gastland Südkorea.
Der 99-minütige Spielfilm “Odyssey of Joy” des Regisseurs Zgjim Terziqi wird ab 18.00 Uhr gezeigt. Anschließend findet ein Gespräch mit dem Autor in Form eines Q&A statt. Ab 20.15 Uhr werden außerdem die Filme “One Woman Film” von Anita Morina und “Lord of the House” von Daniëlle Bremer gezeigt.
Ab 22.00 Uhr werden zudem drei weitere Filme aus Südkorea gezeigt.
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