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Was braucht Zürich, um eine inklusive Stadt zu sein?
Öffentliche Debatte in Zürich über Gleichberechtigung, Zugänglichkeit und soziale Inklusion
Mit dem Ziel, eine strukturierte Debatte über öffentliche Politik, Gleichberechtigung, Zugänglichkeit und soziale Inklusion in der Stadt Zürich anzustoßen, fand am Dienstag, dem 3. Februar, im Amboss Rampe (Zollstrasse 80) eine Podiumsdiskussion zum Thema “Was braucht es für ein inklusives Zürich?” statt.
Die Diskussion brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft zusammen und schuf eine Plattform für Reflexion und Dialog über die konkreten Herausforderungen, mit denen die Bevölkerung Zürichs heute konfrontiert ist. Am Podium nahmen Céline Widmer und Tobias Langenegger, Kandidierende für den Stadtrat, Kevin Rauch, Kandidat für den Gemeinderat und erster Kandidat in der Schweiz mit kognitiver Beeinträchtigung, Islam Alijaj, Nationalrat, sowie Valdete Hoti, Präsidentin des Vereins PARANDALO, teil.
Die Diskussion wurde von Kafi Freitag moderiert, die das Gespräch auf die Notwendigkeit konkreter und messbarer Maßnahmen lenkte, über symbolische Erklärungen hinaus, um die Inklusion aller Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu gewährleisten.
Die Kandidierenden für den Stadtrat betonten ihre Bereitschaft zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit und hoben hervor, dass Inklusion als grundlegendes Bürgerrecht verstanden werden müsse. Ihrer Ansicht nach können nur durch einen kontinuierlichen Dialog mit der Zivilgesellschaft und die Entwicklung gemeinsamer Politiken gleichberechtigte Teilhabe und echter Zugang für alle sichergestellt werden.
Einen zentralen Beitrag zur Debatte leistete Islam Alijaj, der erste Nationalrat mit Migrationshintergrund und Behinderung sowie Mitinitiator der Inklusionsinitiative. Er unterstrich, dass Inklusion kein abstraktes politisches Konzept bleiben dürfe, sondern sich in konkreten Maßnahmen widerspiegeln müsse, die reale und gleichberechtigte Teilhabe garantieren.
Kevin Rauch hob seinerseits die Bedeutung einer einfachen und verständlichen Sprache hervor, insbesondere in der administrativen und politischen Kommunikation. Er betonte, dass komplexe Sprache unnötige und ausgrenzende Barrieren für einen erheblichen Teil der Bevölkerung schafft.
Während des Podiums wurden zudem der Mangel an bezahlbarem und zugänglichem Wohnraum sowie Einschränkungen der politischen Teilhabe thematisiert, insbesondere für Menschen ohne Stimm- und Wahlrecht. Im Publikum befanden sich Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Stimmrecht sowie politische Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Parteien.
Die praktischen Erfahrungen aus der täglichen Arbeit des Zentrums PARANDALO verliehen der Debatte eine direkte und realistische Dimension. Der Verein mit Sitz in Zürich ist politisch neutral und gemeinnützig. Er engagiert sich für die Unterstützung von Menschen mit Migrationsgeschichte sowie von Menschen mit Behinderungen, insbesondere von Personen mit Migrationshintergrund.
Nach Ansicht von PARANDALO beginnt Inklusion mit Anerkennung und Sichtbarkeit: mit der Akzeptanz, dass diese Menschen ein aktiver und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sind, nicht nur “Zielgruppen”, sondern Mitgestaltende. Der Zugang zu Informationen, kontinuierliche Unterstützung und echte Barrierefreiheit bleiben zentrale Elemente. Zürich braucht erreichbare und mehrsprachige Angebote, die die Menschen dort abholen, wo sie stehen, räumlich, sprachlich und sozial.
Ebenso zentral ist die Selbstbestimmung. Menschen müssen reale Möglichkeiten haben, über ihr Leben, ihre Bildung, ihre Arbeit sowie ihre soziale und politische Teilhabe selbst zu entscheiden. Ein intersektionaler Ansatz ist notwendig, da sich Diskriminierungsformen häufig überschneiden, etwa Herkunft und Behinderung. Politische und administrative Strukturen müssen dieser komplexen Realität Rechnung tragen.
Statistische Daten unterstreichen die Bedeutung des Themas: Rund 34 Prozent der Zürcher Bevölkerung sind ausländischer Herkunft und etwa 9 Prozent leben mit einer Form von Behinderung. Damit ist Inklusion eine zentrale gesellschaftliche Frage und kein Randthema.
Ein wirklich inklusives Zürich erfordert nachhaltige strukturelle Veränderungen: Machtteilung, Öffnung von Zugängen, konsequente Auseinandersetzung mit Diskriminierung sowie die aktive Einbindung der betroffenen Personen in Entscheidungsprozesse. Nur so kann Inklusion vom Diskurs in die Praxis übergehen.
Abschließend betonte Valdete Hoti, dass die Grundlage echter Inklusion in einer inklusiven Bildung liegt. Ohne tiefgreifende Reformen des selektiven Bildungssystems bleibt Chancengleichheit unerreichbar. Bildung muss Raum für alle Kinder und Jugendlichen schaffen, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Fähigkeiten, damit Inklusion nicht nur ein normatives Prinzip bleibt, sondern gelebte Realität wird.
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