Mentor Pllana stützte seine Ausführungen auf die konkrete Erfahrung seines Unternehmens bei der Zertifizierung von Baukonzepten nach internationalen Standards. Er betonte, dass Künstliche Intelligenz im Zentrum von Design, Ingenieurwesen und Zertifizierungsprozessen stehen müsse, um den Bau zu beschleunigen und eine gleichbleibende Qualität in unterschiedlichen Märkten zu gewährleisten.
“Wir verfügen über einen Hausplan, der nach den Sicherheitsvorgaben des International Code Council für den Bundesstaat Texas zertifiziert ist. Das bedeutet, dass wir mit demselben Modell in rund 80 US Bundesstaaten bauen können, zertifiziert, ingenieurtechnisch ausgearbeitet und nach internationalen Standards entworfen”, erklärte Mentor Pllana.
Er fügte hinzu, dass sich Europa und die USA zunehmend in Richtung Industrialisierung des Bauwesens bewegen, weg von traditionellen Baustellen hin zu automatisierten Fabriken und robotergestützten Produktionslinien.
“Off Site Bau ist die Zukunft. Heute gibt es robotische Linien, die Paneele in wenigen Minuten produzieren. Dieser Prozess ist nicht mehr nur menschliche Arbeit, sondern eine Zusammenarbeit von Frauen, Männern und Robotern zugleich”, betonte er.
In seiner Rede hob Pllana zudem die Bezahlbarkeit von Wohnraum als eines der größten sozialen und wirtschaftlichen Probleme weltweit hervor.
“Die Wohnraumkrise ist nicht nur ein Problem des Kosovo oder Europas. Sie ist global. Und die Bezahlbarkeit ist die größte Herausforderung. Wir müssen unsere Art zu entwerfen und zu bauen ändern und von Häusern, die 500 Euro pro Jahr für Heizung oder Kühlung kosten, zu Häusern übergehen, die nur 100 Euro kosten. Nur so wird Wohnen bezahlbar, zugänglich und in großem Maßstab realisierbar”, sagte er.
Mit Blick auf konkrete Entwicklungen im Kosovo unterstrich Pllana, dass sein Unternehmen nicht nur Wohngebäude errichten wolle, sondern ein Innovationsökosystem aufbaue.
“Wir sind nicht die größten Bauherren im Kosovo, aber wir wollen zu den qualitativ besten gehören. Derzeit errichten wir zwei Wohntürme und schaffen parallel einen Innovation Hub, der die gesamte Wertschöpfungskette umfasst: Zertifizierung, Beschaffung, Distribution und Marktzugang”, erklärte er.
Nach seinen Worten eröffnet dieses Modell neue Perspektiven für kosovarische Hersteller und für den Export von Bauprodukten auf große internationale Märkte.
“Wenn ein Fensterhersteller im Kosovo für ein Haus produziert, das zu 100 Prozent den texanischen Bauvorschriften entspricht, dann kann dieses Produkt auf dem gesamten Markt von Texas verkauft werden. Wir sprechen von einer der größten Volkswirtschaften der Welt”, betonte Pllana.
Die finanzielle und institutionelle Dimension dieses Wandels wurde von Ertion Axha, COO der Lika Holding AG, hervorgehoben. Er unterstrich, dass Künstliche Intelligenz ohne Vertrauen der Finanzmärkte und ohne Datentransparenz keinen Wert habe.
“Künstliche Intelligenz ist nicht nur ein technologisches Werkzeug, sondern eine neue Sprache der Kommunikation zwischen Entwicklern, Institutionen und Investoren. Ohne strukturierte Daten und gemeinsame Standards kann es kein Vertrauen geben”, sagte Axha.
Er wies darauf hin, dass eine der größten Herausforderungen in Europa die Stadtplanung und die tatsächliche Verteilung von Bauprojekten dort sei, wo realer Bedarf bestehe.
“Wir haben keinen Mangel an Gebäuden, sondern einen Mangel an Bau dort, wo er tatsächlich gebraucht wird. Hier kann Künstliche Intelligenz helfen, Bevölkerungsbewegungen und den realen Wohnbedarf vorherzusagen“, erklärte er.
Laut Axha wirken sich langwierige Planungs und Genehmigungsverfahren direkt auf steigende Kosten für die Bürgerinnen und Bürger aus.
„Wenn sich ein Projekt in den Genehmigungsverfahren verzögert, wird es automatisch teurer für die Menschen. Die Beschleunigung dieser Prozesse durch digitale Systeme ist eine Frage der sozialen Bezahlbarkeit und nicht nur der Technologie”, betonte er.
Axha ergänzte, dass Banken und Investmentfonds erprobte Modelle und vollständige Transparenz verlangen.
“Banken und Investmentfonds finanzieren keine Ideen, sondern bewährte Modelle. Künstliche Intelligenz hilft uns, Erfolge zu dokumentieren, Risiken zu messen und Transparenz zu schaffen”, so Axha.
Abschließend hob er die Notwendigkeit einer Koordination zwischen öffentlichem Sektor, Privatwirtschaft und Finanzinstitutionen hervor.
“Intelligentes Bauen erfordert nicht nur Technologie, sondern auch Koordination zwischen zentraler Planung, Privatsektor und Finanzinstitutionen. Nur so entsteht ein nachhaltiger Markt für den Wohnraum der Zukunft”, schloss Axha.
Die Teilnahme des Kosovo an diesem Panel wurde als deutlicher Wandel in der internationalen Positionierung des Landes interpretiert: vom bloßen Präsentieren von Potenzial hin zum Anbieten konkreter Lösungen für globale Herausforderungen wie Wohnraum, Urbanisierung und nachhaltige Entwicklung.
In Davos präsentierte sich der Kosovo als Partner mit Ideen, praxisnahen Modellen und realer Erfahrung und zeigte damit, dass Künstliche Intelligenz und industrielles Bauen zu Instrumenten der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung werden können.
“Wir sind ein junger Staat, aber mit großen Lösungen. Globale Probleme erfordern globale Lösungen”, schloss Mentor Pllana.










