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Karim oder Yannick? Wenn derselbe Satz anders gehört wird

Im Mittelpunkt standen Jungen, Rollenbilder, die sogenannte Manosphere und die Frage, wie Schulen mit problematischen Vorstellungen von Männlichkeit umgehen können

Wie entwickeln Jungen heute ihre Vorstellungen von Männlichkeit – und wie reagieren Schule und Fachpersonen darauf? Mit der neuen Veranstaltungsreihe «Tragfähige Volksschule» hat das Volksschulamt Zürich dieses Thema zum Auftakt an der Pädagogischen Hochschule Zürich aufgenommen. Bildungsdirektorin Silvia Steiner eröffnete den Anlass. Fachliche Beiträge kamen von Vivian Frei, Beauftragter für Gewaltprävention, und Kambez Nuri, Co-Leiter der Fachstelle OH BOY*.

KI-generiertes Symbolbild; keine realen Teilnehmenden abgebildet. Verwendet zur Wahrung des Datenschutzes.

Im Mittelpunkt standen Jungen, Rollenbilder, die sogenannte Manosphere und die Frage, wie Schulen mit problematischen Vorstellungen von Männlichkeit umgehen können. Dabei ging es nicht nur darum, auf das Verhalten Jugendlicher zu schauen. Ein Beispiel aus dem Referat von Kambez Nuri lenkte die Aufmerksamkeit auch auf die Erwachsenen.

Es stellte eine unbequeme Frage: Wann hören wir einen Jugendlichen als einzelne Person – und wann machen wir ihn zum Vertreter einer ganzen Gruppe?

In Workshops mit Fachpersonen wird derselbe Satz zweimal eingebracht. Ein Jugendlicher behauptet darin unter anderem, Frauen könnten komplizierte Dinge weniger gut verstehen und seien weniger belastbar als Männer.

Nur der Name ändert sich: einmal Karim, einmal Yannick.

Bei «Karim» werde laut Nuri schneller über Kultur, patriarchale Erziehung oder Sexismus gesprochen. Seine Aussage werde damit eher als Teil eines grösseren kulturellen Zusammenhangs gesehen – und er selbst eher als Vertreter einer Gruppe.

Bei «Yannick» richte sich der Blick stärker auf seine persönliche Geschichte: auf Kindheit, Familie oder Erfahrungen im Elternhaus. Er werde damit eher als einzelne Person gesehen – nicht als Vertreter seiner Herkunft.

Nuri fasste den Unterschied zugespitzt zusammen:

«Es ist derselbe Satz. Der Name allein entscheidet, wer ein Individuum sein darf und wer für eine Gruppe stehen muss.»

Quelle: Volksschulamt Kanton Zürich, Veranstaltungsankündigung «Tragfähige Volksschule»

Das Beispiel lässt mehrere Fragen offen. Wird bei einem Jugendlichen aufgrund seines Namens oder einer zugeschriebenen Herkunft schneller eine ganze Kultur mitgedacht, während beim anderen nach seiner individuellen Biografie gesucht wird? Und wann können familiäre oder kulturelle Einflüsse tatsächlich eine Rolle spielen?

Damit rückte am Anlass nicht nur die Entwicklung der Jungen in den Fokus. Auch Fachpersonen wurden eingeladen, die eigenen Deutungsmuster zu prüfen. Nuri beschreibt diese Selbstreflexion als Bestandteil geschlechtersensibler Arbeit: Es gehe nicht allein um Wissensvermittlung, sondern auch um die Frage, wo Erwachsene selbst nach Mustern reagieren, die sie bei Jugendlichen problematisieren.

Beratung und Weiterbildung

Für Schulen, Lehrpersonen und weitere Fachpersonen bietet die Bildungsdirektion Informationen und Beratung zur Gewaltprävention an. Weitere Angebote bestehen unter anderem über die Fachstelle OH BOY* sowie über manosphere.ch, wo Hintergrundinformationen und Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Männlichkeitsideologien und Online-Radikalisierung bereitgestellt werden.

Kontakt Gewaltprävention Bildungsdirektion Kanton Zürich:
Vivian Frei, Beauftragter Gewaltprävention im schulischen Umfeld
Tel. 043 259 53 33
[email protected]