Heute, am 10. Februar, wird der Geburtstag von Musine Kokalari (1917–1983) begangen, der ersten Schriftstellerin der albanischen Literatur und einer der zentralen Figuren des intellektuellen und politischen Widerstands in der modernen Geschichte Albaniens.
Geboren in Adana und aus Gjirokastra stammend, trat Musine Kokalari früh als eigenständige Stimme der nationalen Kultur hervor. Im Alter von 24 Jahren veröffentlichte sie den Gedichtband “Siç me thotë nënua plakë”, das erste in Albanien erschienene Werk einer Frau, inspiriert vom toskenischen Volksgut und von der sozialen Realität albanischer Frauen. Es folgten die Veröffentlichungen “Rreth vatrës” und “Sa u tunt jeta”, die sie als Prosaautorin mit ausgeprägter sozialer und ethischer Sensibilität etablierten.
Über ihr literarisches Schaffen hinaus engagierte sich Kokalari unmittelbar im politischen Leben des Landes. Im Jahr 1943 war sie Mitbegründerin der Sozialdemokratischen Partei Albaniens und trat offen für politischen Pluralismus, freie Wahlen und Meinungsfreiheit ein, in einer entscheidenden Phase des staatlichen Neubeginns nach dem Krieg.
Kurz vor ihrer Verhaftung richtete sie einen Brief an die noch in Tirana anwesenden alliierten Kräfte, in dem sie die Garantie freier Wahlen und der Meinungsfreiheit forderte. Diese prinzipientreue Haltung behielt sie auch während des Gerichtsverfahrens bei, indem sie öffentlich erklärte, dass sie wegen ihrer politischen Überzeugungen und nicht wegen eines strafrechtlichen Vergehens verurteilt werde, und jede Form der Reue ablehnte.
1946 wurde Musine Kokalari verhaftet und zu politischer Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe wurde sie jahrelang interniert und ihr wurde das Recht zu schreiben und zu veröffentlichen strikt untersagt. Aus dem öffentlichen und kulturellen Leben ausgeschlossen, lebte sie bis zu ihrem Tod am 14. August 1983 in Armut und Isolation.
Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes erfuhr die Gestalt Musine Kokalaris die verdiente institutionelle Anerkennung. Im Jahr 1993 wurde sie posthum zur Märtyrerin der Demokratie erklärt und offiziell als eine der nationalen Gewissensstimmen anerkannt, die im Namen eines repressiven Systems gewaltsam zum Schweigen gebracht wurden.













