News

Die albanische Community als Brücke in einer multikulturellen Winterthur

FDP-Stadtrat und Stadtpräsidiumskandidat Stefan Fritschi spricht über Integration, politische Teilhabe und die Rolle der albanischen Community für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Winterthur gehört zu den Schweizer Städten mit einem besonders hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund – darunter eine grosse und gut vernetzte albanische Community. Albinfo sprach mit FDP-Stadtrat und Stadtpräsidiumskandidat Stefan Fritschi  über die Bedeutung dieser Community, politische Teilhabe und die Zukunft einer vielfältigen Stadt.

 

albinfo: Herr Fritschi, Winterthur hat eine grosse albanische Community. Welche Bedeutung hat diese für Sie?

Stefan Fritschi:Die albanische Gesellschaft ist ein wichtiger Teil von Winterthur. Sie bereichert unsere Stadt in vielfältiger Weise und ist in vielen verschiedenen Berufen und gesellschaftlichen Bereichen engagiert.

albinfo: Stehen Sie im direkten Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der albanischen Community in Winterthur?

Stefan Fritschi:Ich kenne einige Leute mit albanischem Hintergrund. Viele davon arbeiten in meinem Departement (Stadtwerk, Stadtbus und Stadtgrün). Andere kenne ich aber auch privat oder über die Politik.

albinfo: Wie gestalten Sie den Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der albanischen Community konkret?

Stefan Fritschi:Ich suche das regelmässige Gespräch mit ihnen. Dabei lerne ich jedes Mal etwas Neues über die Albanische Community. Vor zwei Wochen durfte ich zum Beispiel eine albanische Moschee in Winterthur besuchen.

albinfo: Welche Anliegen oder Themen werden von Menschen mit albanischem Hintergrund besonders häufig an sie herangetragen?

Stefan Fritschi:Fast alle von ihnen möchten Teil unserer Gesellschaft sein. Sie tragen zu unserer Vielfalt bei. Für die meisten von ihnen ist die Schweiz eine zweite Heimat, und sie fühlen sich als Schweizerinnen und Schweizer.

albinfo: Wie beurteilen Sie die politische und gesellschaftliche Beteiligung der albanischen Community – und wo sehen Sie Potenzial für eine stärkere Mitwirkung?

Stefan Fritschi:Die albanische Community ist gesellschaftlich stark engagiert. Politisch jedoch stehen viele Schweizer Bürgerinnen und Bürger mit albanischem Migrationshintergrund noch am Anfang ihrer politischen Aktivität. Ich würde eine zunehmende Teilnahme begrüssen.

albinfo: Was kann die Stadtpolitik konkret tun, um Menschen mit Migrationshintergrund – insbesondere auch die albanische Community – stärker einzubinden?

Stefan Fritschi:Die Stadt Winterthur leistet bereits wichtige Arbeit im Bereich Integration und Partizipation. Einen zentralen Beitrag leisten dabei auch die Schulen, insbesondere durch die Förderung der deutschen Sprache, die eine wesentliche Grundlage für gesellschaftliche und politische Teilhabe ist. Darauf aufbauend kann die Stadtpolitik weiterhin durch gezielte Information, niederschwellige Beteiligungsangebote und aktive Ansprache zusätzliche Impulse setzen. Entscheidend ist, politische Prozesse verständlich zu vermitteln und den Zugang möglichst einfach zu gestalten.

albinfo: Beobachten Sie ein wachsendes politisches Interesse bei der jungen Generation von Secondos und Secondas?

Stefan Fritschi:Ich nehme wahr, dass sich viele Secondos und Secondas aktiv integrieren möchten, und zwar auch politisch.

albinfo: In welchen Bereichen – etwa Bildung, Quartierentwicklung oder Unterstützung von KMU – könnte die albanische Community besonders profitieren?

Stefan Fritschi : Es gibt einiges an Bildungsangeboten (auch für Erwachsene). Auch die Quartierentwicklung macht einen wichtigen Job. Ich würde mich freuen, wenn das Angebot auch genutzt wird.

albinfo: Welche Rolle spielt Chancengleichheit in Ihrer politischen Agenda?

Stefan Fritschi:Chancengleichheit werden wir nie erreichen. Aber ich bin der Meinung, dass wir auf eine Chancengerechtigkeit zielen sollten: v.a. in den Schulen, in der Berufsbildung etc.

albinfo: Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht eine offene, niederschwellige Kommunikation zwischen Stadtregierung und migrantischen Communities?

Stefan Fritschi : Mit dem Migrationsbeirat pflegen wir einen regelmässigen Austausch. Das schätze ich sehr und habe viele spannende Gespräche dabei erlebt.

albinfo: Wie sehen Sie Winterthur heute als multikulturelle Stadt?

Stefan Fritschi: Eine Grossstadt wie Winterthur lebt von der Vielfalt. Für mich ist das eine Bereicherung.

albinfo: Welche Rolle spielen migrantische Communities für den sozialen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt?

Stefan Fritschi: Auch wenn sich viele in der Schweiz integrieren, soll auch weiterhin ein gesellschaftliches Leben innerhalb der Communities gepflegt werden.

albinfo: Welchen Beitrag kann die albanische Community zur Zukunft Winterthurs leisten?

Vielleicht könnte sie eine Vermittlung übernehmen zwischen der Stadtverwaltung und den Menschen mit albanischem Hintergrund.

albinfo: Welche Botschaft möchten Sie den albanischen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern in Winterthur mit auf den Weg geben?

Stefan Fritschi: Die aktive Beteiligung am politischen Leben ist ein zentraler Pfeiler unserer direkten Demokratie. Die albanische Community bringt sich in zahlreichen Bereichen engagiert ein. Dieses Engagement auch im politischen Prozess sichtbar zu machen und weiter auszubauen, trägt wesentlich zur Mitgestaltung und Weiterentwicklung Winterthurs bei.

albinfo: In einem Satz: Warum sollte man sich mit ihrer Kandidatur auseinandersetzen?

Stefan Fritschi: Ich liebe diese Stadt. Mit meiner 16jährigen Erfahrung im Stadtrat bin ich bestens gerüstet fürs Stadtpräsidium. Ich konnte in dieser Zeit viele Projekte realisieren und bin auch ein wenig stolz darauf.

albinfo: Wie wichtig ist politische Repräsentation – also sichtbare Vorbilder mit Migrationshintergrund – für eine lebendige Demokratie in Winterthur?

Stefan Fritschi: Eine vielfältige Repräsentation in politischen Gremien trägt zur Glaubwürdigkeit und Stärke unserer Demokratie bei. Vorbilder mit Migrationshintergrund machen politische Teilhabe sichtbar und greifbar. Es wäre ein positives Signal, wenn bei kommenden Wahlen auch Personen mit albanischem Hintergrund politische Verantwortung übernehmen würden.

albinfo: Wo sehen Sie strukturelle Hürden für Menschen mit (albanischem) Migrationshintergrund – etwa im Arbeitsmarkt oder im Bildungsbereich – und wie kann die Stadt darauf reagieren?

Stefan Fritschi: Strukturelle Hürden entstehen häufig dort, wo sprachliche Kompetenzen noch nicht ausreichend gefestigt sind. Die deutsche Sprache ist ein entscheidender Schlüssel für Bildungserfolg und berufliche Perspektiven. Unsere Schulen leisten hier wichtige Arbeit, indem sie die Sprachförderung konsequent in den Mittelpunkt stellen und so faire Startbedingungen schaffen.

Das Interview wurde von Sevdail Tahiri geführt