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Amina Nuraj: “Ich, die Tochter der Heimat”, eine Erzählung über die albanische Identität im Sandžak
In einem offenen Gesprächsformat wurde das Werk als literarisches Zeugnis und als Reflexion über die kollektive Erfahrung unter herausfordernden Bedingungen behandelt.
Am 14. Februar fand in Bülach die Vorstellung des Buches “Ich, die Tochter der Heimat” der albanischen Autorin und Aktivistin aus Novi Pazar, Amina Nuraj, statt, ein Werk, das die individuelle Erfahrung in direktem Bezug zur historischen und gesellschaftlichen Dimension der Albaner im Sandžak darstellt. Die Veranstaltung, organisiert vom Ensemble “Vatra” in Zusammenarbeit mit dem LKSHM, wurde als offener Kommunikationsraum konzipiert und förderte den Austausch zwischen der Autorin, den Podiumsteilnehmenden und dem Publikum.
Der Abend fand in einer konzentrierten und reflektierenden Atmosphäre statt, in der sich persönliche Erfahrungen und die kollektive Dimension im Gespräch auf natürliche Weise miteinander verbanden. Anwesend waren institutionelle Vertreter, Forschende, Aktivisten sowie Vertreter des albanischen kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in der Schweiz. Die Teilnahme des Leiters der Konsularischen Mission der Republik Kosovo in Zürich, Vigan Berisha, stellte die Veranstaltung in einen institutionellen Kontext und unterstrich die Bedeutung der Unterstützung für den Erhalt der albanischen Identität und Sprache.
Das aus Lulzim Krasniqi, Bardhec Berisha, Musa Jupolli und Mentor Thaqi bestehende Podium behandelte das Werk in einer erweiterten interpretativen Perspektive. In diesem Zusammenhang betonte Musa Jupolli, dass das Buch als narrative Struktur fungiere, die eine artikulierte kollektive Erfahrung materialisiere und die individuelle Erfahrung in eine Referenz mit bewusstseinsbildender Funktion im kulturellen Diskurs verwandle.
In diesem Zusammenhang konkretisierte die Autorin diese Dimension durch ein unmittelbares Zeugnis und beschrieb ihren Weg als einen schwierigen Prozess, der von frühen Konfrontationen geprägt war: “Mein Weg hat vor 13 Jahren begonnen und war sehr schwer”, erklärte sie und erinnerte dabei auch an ihre Verhaftung im Alter von 16 Jahren durch serbische Behörden, eine Erfahrung, die sie, wie sie betonte, in völliger Unsicherheit über die Zukunft erlebt habe.
Indem sie diese Reflexion erweiterte, stellte sie das Buch in einen breiteren Kontext der Zugehörigkeit und betonte: “Dieses Buch ist für all jene, die die Liebe zur Heimat lebendig im Herzen tragen”, eine Formulierung, die den Bericht von der individuellen Ebene in eine kollektive Ansprache überführt.
Auf literarischer und kritischer Ebene wurde das Werk für seine thematische Kohärenz sowie für seine Fähigkeit gewürdigt, eine Realität zu artikulieren, die am Rand des öffentlichen Diskurses bleibt, wobei es ein Gleichgewicht zwischen persönlichem Zeugnis und kultureller Reflexion wahrt.
Gleichzeitig wies die Autorin auf die Bedeutung der institutionellen Unterstützung durch die Republik Kosovo und Albanien bei der Wiederaufnahme des albanischen Sprachunterrichts nach einer langen historischen Unterbrechung hin und betonte, dass der Kontext im Sandžak weiterhin von Einschränkungen und Druck geprägt sei. In diesem Zusammenhang rief sie zu einer stärker strukturierten Unterstützung auf und hob zudem die soziale Dimension ihres Engagements hervor, da ein Teil der Einnahmen aus dem Buch konkreten Hilfsmaßnahmen innerhalb der Gemeinschaft gewidmet wird.
Die während der Buchvorstellung geführten Diskussionen richteten den Fokus auf die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Koordination zwischen Institutionen, der akademischen Welt und der albanischen Gemeinschaft im Sandžak sowie im Presheva Tal, als Voraussetzung für eine beständige Artikulation kollektiver Interessen und Zielsetzungen.
Abschließend nahm das Gespräch mit dem Publikum eine konkrete Dimension an und führte zu Vorschlägen für weitere Zusammenarbeit und Unterstützung.
Die Vorstellung von “Ich, die Tochter der Heimat” in Bülach stellte das Werk in einen Kontext, in dem die individuelle Erfahrung als Teil einer umfassenderen gesellschaftlichen und identitären Realität gelesen wird und den Fokus vom persönlichen Bericht hin zu einem stärker artikulierten öffentlichen Verständnis verschiebt. Auf diese Weise wurde das Buch nicht nur als literarischer Text behandelt, sondern auch als Beitrag zum Diskurs über Identität, Erinnerung und die Position der Albaner in historisch komplexen Räumen.
Text und Fotos: Luljeta Ademi
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