{"id":951244,"date":"2026-09-14T15:29:11","date_gmt":"2026-09-14T13:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=951244"},"modified":"2026-09-14T15:36:25","modified_gmt":"2026-09-14T13:36:25","slug":"der-westbalkan-und-die-schweiz-sind-laengst-eng-miteinander-verflochten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/der-westbalkan-und-die-schweiz-sind-laengst-eng-miteinander-verflochten\/","title":{"rendered":"\u00abDer Westbalkan und die Schweiz sind l\u00e4ngst eng miteinander verflochten\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Zehntausende Menschen mit Wurzeln im Westbalkan leben allein im Kanton Z\u00fcrich. Sie arbeiten hier, gr\u00fcnden Unternehmen, engagieren sich gesellschaftlich und politisch \u2013 und pflegen gleichzeitig enge famili\u00e4re Beziehungen zu ihren Herkunftsregionen. GLP-St\u00e4nder\u00e4tin Tiana Moser vertritt den Kanton Z\u00fcrich im St\u00e4nderat und ist Mitglied der Aussenpolitischen Kommission. Im Interview spricht sie \u00fcber diese besondere Verbindung, die Beziehungen der Schweiz zum Westbalkan und die Folgen der Neutralit\u00e4tsinitiative.<\/p>\n<p><strong>Frau St\u00e4nder\u00e4tin Moser, allein im Kanton Z\u00fcrich leben rund 50&#8217;000 Menschen mit albanischsprachigem Hintergrund. Welche Bedeutung hat diese Bev\u00f6lkerungsgruppe f\u00fcr Sie als Z\u00fcrcher Standesvertreterin?<\/strong><\/p>\n<p>Die Menschen mit Wurzeln im Westbalkan sind l\u00e4ngst ein selbstverst\u00e4ndlicher Teil der Schweiz und des Kantons Z\u00fcrich. Sie leben und arbeiten hier, f\u00fchren Unternehmen, engagieren sich in Vereinen, in der Gesellschaft und zunehmend auch in der Politik. Viele sind hier geboren und aufgewachsen. Sie tragen jeden Tag zum Funktionieren und zum Wohlstand unseres Kantons bei.<\/p>\n<p>Als Z\u00fcrcher St\u00e4nder\u00e4tin vertrete ich die gesamte Bev\u00f6lkerung unseres Kantons. Dazu geh\u00f6ren selbstverst\u00e4ndlich auch diese Zehntausenden Menschen mit famili\u00e4ren Wurzeln im Westbalkan. Das ist f\u00fcr mich auch eine Verantwortung. Denn viele dieser Menschen sind mit zwei Regionen eng verbunden: mit der Schweiz als ihrem Lebensmittelpunkt und gleichzeitig mit dem Kosovo oder anderen L\u00e4ndern des Westbalkans durch Familie, Freunde und ihre pers\u00f6nliche Geschichte.<\/p>\n<p>Diese Verbindungen sind eine grosse St\u00e4rke. Sie bringen unsere Gesellschaften n\u00e4her zusammen und schaffen ein gegenseitiges Verst\u00e4ndnis, das weit \u00fcber die klassische Diplomatie hinausgeht.<\/p>\n<p><strong>Sie sind Mitglied der Aussenpolitischen Kommission des St\u00e4nderates. Wie beurteilen Sie die Beziehungen der Schweiz zum Westbalkan?<\/strong><\/p>\n<p>Der Westbalkan ist f\u00fcr die Schweiz eine sehr wichtige Region. Unsere Beziehungen sind eng und vielf\u00e4ltig. Es gibt wirtschaftliche Verbindungen, politische Zusammenarbeit und nat\u00fcrlich ganz besonders die vielen famili\u00e4ren und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen.<\/p>\n<p>Viele Schweizerinnen und Schweizer mit Wurzeln im Westbalkan haben Eltern, Grosseltern, Geschwister, Cousinen und Cousins oder Freunde, die im Kosovo oder in anderen L\u00e4ndern der Region leben. Gleichzeitig bestehen zahlreiche wirtschaftliche Beziehungen. Diese Verflechtung ist \u00fcber Jahrzehnte gewachsen.<\/p>\n<p>Deshalb w\u00fcrde ich sagen: Die Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Westbalkan sind heute sehr gut und aussergew\u00f6hnlich eng. Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, diese Beziehungen weiterzuentwickeln und daf\u00fcr zu sorgen, dass der Westbalkan eine stabile, sichere und wirtschaftlich erfolgreiche Region mitten in Europa bleibt.<\/p>\n<p><strong>Die Schweiz geh\u00f6rte 2008 zu den Staaten, die den unabh\u00e4ngigen Kosovo sehr fr\u00fch anerkannten und anschliessend diplomatische Beziehungen aufnahmen. Wie wichtig war dieser Entscheid aus heutiger Sicht?<\/strong><\/p>\n<p>Das war ein wichtiger Schritt. Die Schweiz hat damit fr\u00fch Verantwortung \u00fcbernommen und eine Grundlage f\u00fcr die engen Beziehungen geschaffen, die wir heute mit dem Kosovo pflegen.<\/p>\n<p>Wir sind miteinander verflochtene Gesellschaften. Die Schweiz ist f\u00fcr viele Menschen mit Wurzeln im Westbalkan zur Heimat geworden \u2013 und gleichzeitig bleibt der Westbalkan f\u00fcr viele Menschen in der Schweiz ein wichtiger Teil ihrer pers\u00f6nlichen Heimat.<\/p>\n<p><strong>Am 27. September stimmt die Schweiz \u00fcber die Neutralit\u00e4tsinitiative ab. Sehen Sie darin auch eine Gefahr f\u00fcr diese engen Beziehungen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Eine Annahme der Neutralit\u00e4tsinitiative w\u00fcrde den aussen- und sicherheitspolitischen Handlungsspielraum der Schweiz stark einschr\u00e4nken. Davon w\u00e4re insbesondere auch unser friedensf\u00f6rderndes Engagement betroffen.<\/p>\n<p>Das zeigt sich sehr konkret im Kosovo. Seit 1999 beteiligt sich die Schweiz mit der SWISSCOY an der KFOR. Tausende Schweizer Armeeangeh\u00f6rige haben seither in den verschiedenen Kontingenten ihren Beitrag zu Sicherheit und Stabilit\u00e4t im Kosovo geleistet. Dieses Engagement hat Vertrauen geschaffen \u2013 im Kosovo, aber auch bei vielen Menschen mit Wurzeln in der Region, die heute in der Schweiz leben.<\/p>\n<p>Bei einer Annahme der Neutralit\u00e4tsinitiative w\u00e4re die Weiterf\u00fchrung dieses Engagements aus meiner Sicht ernsthaft gef\u00e4hrdet. Ich verstehe nicht, weshalb die Schweiz freiwillig auf Instrumente verzichten sollte, mit denen sie seit Jahrzehnten erfolgreich zu Frieden und Stabilit\u00e4t beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Gerade als Z\u00fcrcher St\u00e4nder\u00e4tin ist mir wichtig, dass wir diese Verbindung nicht aus den Augen verlieren. Sicherheit und Stabilit\u00e4t auf dem Westbalkan sind nicht irgendein fernes aussenpolitisches Thema. Sie betreffen Zehntausende Menschen in meinem Kanton ganz pers\u00f6nlich \u2013 ihre Familien, ihre Freunde und ihre Herkunftsregion. Und sie liegen auch im direkten Interesse der Schweiz.<\/p>\n<p>Deshalb m\u00f6chte ich, dass die Schweiz ihr Engagement f\u00fcr Frieden und Stabilit\u00e4t auf dem Westbalkan weiterf\u00fchren kann. Daf\u00fcr braucht sie aussenpolitischen Handlungsspielraum. Darum empfehle ich am 27. September ein \u00fcberzeugtes Nein zur Neutralit\u00e4tsinitiative.<\/p>\n<p><strong>Tiana Moser ist GLP-St\u00e4nder\u00e4tin des Kantons Z\u00fcrich und Mitglied der Aussenpolitischen Kommission.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lesen Sie auch:<\/strong><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"0J3MnHinmA\"><p><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/die-neutralitaetsinitiative-gefaehrdet-den-schweizer-einsatz-im-kosovo\/\">&#8220;Die Neutralit\u00e4tsinitiative gef\u00e4hrdet den Schweizer Einsatz im Kosovo&#8221;<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8220;&#8220;Die Neutralit\u00e4tsinitiative gef\u00e4hrdet den Schweizer Einsatz im Kosovo&#8221;&#8221; &#8212; Albinfo\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/die-neutralitaetsinitiative-gefaehrdet-den-schweizer-einsatz-im-kosovo\/embed\/#?secret=oE0vENDlJe#?secret=0J3MnHinmA\" data-secret=\"0J3MnHinmA\" width=\"587\" height=\"331\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehntausende Menschen mit Wurzeln im Westbalkan leben allein im Kanton Z\u00fcrich. 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