{"id":88546,"date":"2015-07-22T09:02:03","date_gmt":"2015-07-22T07:02:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=88546"},"modified":"2015-07-23T14:45:42","modified_gmt":"2015-07-23T12:45:42","slug":"zieht-nicht-fur-eine-unbekannte-sache-in-den-krieg-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/zieht-nicht-fur-eine-unbekannte-sache-in-den-krieg-2\/","title":{"rendered":"Zieht nicht f\u00fcr eine unbekannte Sache in den Krieg"},"content":{"rendered":"<p>Der Theologieprofessor Xhabir Hamiti ruft die Kosovaren auf, nicht f\u00fcr eine unbekannte Sache in den Krieg zu ziehen. Er sagt, Personen, die das Ansehen von Gjergj Kastriot beschmutzen, seien dem albanischen Volk nicht gutgesinnt und stehen unter dem Einfluss gewisser antinationaler Kreise<\/p>\n<p>Soziale Probleme f\u00fchrten dazu, dass extremistische Gruppen auch in der Balkanregion heimisch wurden, und es besteht die permanente Gefahr, dass auch junge Kosovaren in diese Gruppen rekrutiert werden.<\/p>\n<p>Dieser Ansicht ist der Professor der Theologie, Xhabir Hamiti, der die Kosovaren auffordert, nicht f\u00fcr eine unbekannte Sache in den Krieg zu ziehen. &#8220;Unsere T\u00f6chter und S\u00f6hne sollen nicht betrogen und dazu verf\u00fchrt werden, sich f\u00fcr eine unbekannte Sache zu opfern&#8221;, erkl\u00e4rte Hamiti im Gespr\u00e4ch mit albinfo.ch.<\/p>\n<p>Der islamische Glauben ist laut ihm als eine Religion des Friedens konzipiert, und kennt keinen Extremismus.<\/p>\n<p>Hamiti spricht im Interview auch \u00fcber andere Probleme, die sich Kosova und der Region stellen, insbesondere seit sich hier Extremismus zu verbreiten begonnen hat.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch: Herr Hamiti, der religi\u00f6se Extremismus in Kosovo und im Balkan wird immer ausgepr\u00e4gter. Weshalb kommt es dazu?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hamiti: <\/strong>Der Glaube, der aus dem gesunden Konzept des Glaubens an Gott entsteht, kennt weder Extremismus noch Radikalismus. Der Extremismus, beziehungsweise die blinde Form der religi\u00f6sen Interpretation und vulg\u00e4re und unangemessene Handlungsweisen sind direkt gegen Gott und den Glauben allgemein gerichtete Kampfschritte.<\/p>\n<p>In Kosova und im Balkan wird der religi\u00f6se Extremismus von ausl\u00e4ndischen Kreisen angestachelt und aufgeheizt, er spielt sich \u00fcber gewisse einheimische Gruppierungen ab, w\u00e4hrend deren Opfer haupts\u00e4chlich gew\u00f6hnliche Leute und Gl\u00e4ubige sind, die nicht das n\u00f6tige Wissen haben oder nicht im Stande sind, zwischen authentischen und abweichenden religi\u00f6sen Grunds\u00e4tzen zu unterscheiden. Ein anderer Grund ist auch die fragile politische, soziale und wirtschaftliche Lage, die in dieser Region schon seit beinahe \u00fcber zwei Jahrzehnten herrscht und die manchen Kreisen, ohne deren wahre Herkunft und deren schlussendlichen Ziele zu kennen, die Tore \u00f6ffnete, um im Namen von Humanismus oder br\u00fcderlicher oder bilateraler Zusammenarbeit frei in unserem Land und im Balkan allgemein zu operieren.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch: Die Albaner pflegten traditionell einen moderaten Islam, sie waren sogar in der ganzen Welt ein Vorbild des religi\u00f6sen Zusammenlebens. In letzter Zeit begann zu br\u00f6ckeln, was 500 Jahre lang gelebt worden war. Manche Leute entweihen sogar nationale Identifikationsfiguren. Was halten Sie davon?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hamiti: <\/strong>Was ich dazu sagen kann ist, dass es keinen Frieden unter uns geben wird, wenn der Respekt gegen\u00fcber dem Glauben und der geistigen Bindung des Andern, sowie er zwischen den Albanern \u00fcber Jahrhunderte existierte, fehlt. Niemand von uns soll den anderen beleidigen, beeintr\u00e4chtigen oder gef\u00e4hrden, indem er den Glauben missbraucht.<br \/>\nDie Albaner geh\u00f6rten und geh\u00f6ren verschiedenen Religionen an, und unabh\u00e4ngig von ihrer religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeit gingen sie immer auf einem gemeinsamen Weg und k\u00e4mpften miteinander f\u00fcr den Erhalt ihrer nationalen und patriotischen Identit\u00e4t. Jeder von uns muss sich vergegenw\u00e4rtigen, dass ohne Nation und ohne Staat auch der Glaube nicht leben und noch weniger richtig und wie es sich geh\u00f6ren w\u00fcrde gelebt werden kann. Deshalb handelt es sich bei Provokationen wie den j\u00fcngst geschehenen, wo Symbole des nationalen albanischen Konsens beleidigt und beschmutzt wurden, um Taten von Menschen, die Opfer der Hetze und des Hasses von Feinden des interreligi\u00f6sen Zusammenlebens, von Leuten, die die Zukunft der Albaner aush\u00f6hlen, wurden. Die Menschen m\u00fcssen aufpassen, nicht zur Beute von ausl\u00e4ndischen Intrigen zu werden, die vermittels eines &#8220;Glauben&#8221; genannten Elementes Destabilisierung und das Ende des Wegs, der uns in eine prosperierende und nachhaltige Zukunft f\u00fchren w\u00fcrde, herbeiw\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen r\u00e4t uns auch Gott, uns vor jenen in Acht zu nehmen, die Unfrieden und Zwietracht stiften, denn das B\u00f6se, das von ihnen kommt, schont weder Kinder noch das Gute in der Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch: Viele junge M\u00e4nner sind in den Krieg nach Syrien gezogen, auch solche aus der Gegend von Drenica, welche dem Glauben gegen\u00fcber sehr loyal war. Einige wurden in den K\u00e4mpfen get\u00f6tet. Lohnt es sich, in einem Krieg zu sterben, dessen Sinn einer nicht kennt? Was k\u00f6nnen Sie dazu sagen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hamiti: <\/strong>Es liegt in der individuellen Kompetenz eines jeden Menschen, \u00fcber seine Handlungen und sein Schicksal zu entscheiden. Wir k\u00f6nnen uns nicht in die individuellen Entscheide und Haltungen der Menschen einmischen, jedoch, ob es sich lohnt in ein Land zu gehen und zu k\u00e4mpfen, wo man nicht weiss, wohin es geht und f\u00fcr was gek\u00e4mpft wird, vor allem jetzt in j\u00fcngster Zeit, dazu kann ich nicht mehr sagen als das, was heute alle h\u00f6chsten religi\u00f6sen islamischen und glaubw\u00fcrdigen Instanzen in der Welt sagen, die nicht aufh\u00f6ren, die Taten von Gruppen, welche diese im Namen des Glaubens zu begehen sich r\u00fchmen, als unislamisch, unethisch und als in direktem Widerspruch zu den Prinzipien und Anleitungen des Islams stehend zu verurteilen.<\/p>\n<p>Die ganze Entwicklung dort bis heute und andauernd ist ein Abrutschen des Versuchs, das Regime von Assad zu st\u00fcrzen, in einen Krieg der Sekten und Fraktionen, dessen Ende schwierig vorherzusehen ist.<\/p>\n<p>Unsere T\u00f6chter und S\u00f6hne sollen sich nicht betr\u00fcgen und dazu verf\u00fchren lassen, sich f\u00fcr eine unbekannte Sache zu opfern.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch: Wer ist schuld am Erstarken des Extremismus in Kosova? Die Regierung, der Klerus oder die Medien? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Hamiti: <\/strong>Alle ein wenig. Die Regierung tr\u00e4gt ihren Teil an der Schuld, weil sie bis heute ihre Arbeit nicht gemacht hat, was die Regelung der rechtlichen Stellung der BIK (der Islamischen Gemeinschaft Kosovas) angeht. Denn bekanntlich ist diese Gemeinschaft de iure immer noch nicht von ihrem alten Status aus der Zeit des jugoslawischen K\u00f6nigreichs gel\u00f6st. Dieser Status muss ersetzt und im Rahmen der neuen Institutionen des Landes neuformuliert werden.<\/p>\n<p>Ihrerseits gaben die religi\u00f6sen F\u00fchrer von praktisch all unseren Konfessionen in ihren Predigten \u00fcbertriebene und nicht ausgewogene Erkl\u00e4rungen von sich und missbrauchten so die Massen und das freie \u00f6ffentliche Wort zum Schaden der andern. Ein Teil von ihnen orientierte sich, leider, in den letzten Jahren nicht zeit- und ortsgem\u00e4ss. Doch auch die Medien tragen einen Teil der Schuld, weil sie Individuen, die sich als Retter des Glaubens in Kosovo und der weiteren Umgebung betrachten, viel Raum gaben und geben, ohne sich im geringsten bewusst zu sein, welch ein Schaden langfristig durch deren unkontrollierten und ungeschliffenen Predigten entsteht.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch: Wie k\u00f6nnte man aus dieser Situation herauskommen, so dass die Albaner wieder zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehren und die Religion das bleibt, was sie bis jetzt 500 Jahre lang gewesen ist?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hamiti: <\/strong>Den Menschen immer wieder den Respekt, den sie in zivilen und religi\u00f6sen Dingen f\u00fcreinander hegen sollen, zum Bewusstsein bringen, sie zu diesem Respekt erziehen. Das ist der einzige Weg zur Rettung unseres Volkes vor den trennenden Keilen, die im Namen der Religion von verschiedenen Brutst\u00e4tten in der Region aus vorangetrieben werden. Dazu braucht es eine ernsthafte und korrekte Zusammenarbeit zwischen den religi\u00f6sen Institutionen und Gemeinschaften und den staatlichen Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Die BIK, die Islamische Gemeinschaft Kosovas, muss so schnell wie m\u00f6glich administrativ reorganisiert, sodann m\u00fcssen dringend Schritte zur F\u00f6rderung ihrer Bildungs- und Erziehungsinstitutionen unternommen, Bewusstseinsbildungsseminare mit ihren Mitarbeitern organisiert werden, und sie sollte zu einer einheitlichen offiziellen religi\u00f6sen Haltung im ganzen Land kommen, und nicht, wie bis jetzt geschehen, Personen oder Gruppen zu ihren Verantwortlichen nehmen, die unter unseren Gl\u00e4ubigen und der Bev\u00f6lkerung allgemein Verwirrung stifteten.<\/p>\n<p>Auch unsere anderen Religionsgemeinschaften im Land m\u00fcssen zu diesem toleranten Geist beitragen, indem sie Unfrieden stiftenden, entzweienden Elementen, die Provokationen und unn\u00f6tige Spannungen anheizen k\u00f6nnen, aus dem Wege gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Theologieprofessor Xhabir Hamiti ruft die Kosovaren auf, nicht f\u00fcr eine unbekannte Sache in den Krieg zu ziehen. 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