{"id":775143,"date":"2024-10-12T18:12:31","date_gmt":"2024-10-12T16:12:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=775143"},"modified":"2024-10-12T18:12:29","modified_gmt":"2024-10-12T16:12:29","slug":"bundesrat-empfiehlt-annahme-der-reform-zur-einheitlichen-finanzierung-der-gesundheitsleistungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/bundesrat-empfiehlt-annahme-der-reform-zur-einheitlichen-finanzierung-der-gesundheitsleistungen\/","title":{"rendered":"Bundesrat empfiehlt Annahme der Reform zur einheitlichen Finanzierung der Gesundheitsleistungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"contentHead\"><strong>Am 24. November stimmen die Schweizer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger \u00fcber die Reform zur einheitlichen Finanzierung der Gesundheitsleistungen ab. Diese sieht vor, dass alle Gesundheitsleistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) nach demselben Verteilschl\u00fcssel finanziert werden, unabh\u00e4ngig davon, ob sie ambulant, station\u00e4r oder in Pflegeheimen erbracht werden. Das Parlament hat die entsprechende \u00c4nderung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) am 22. Dezember 2023 verabschiedet. Gegen diesen Entscheid wurde das Referendum ergriffen. Bundesrat, Parlament und Kantone empfehlen die Annahme dieser Reform, die Fehlanreize im Gesundheitssystem korrigiert und ambulante Behandlungen f\u00f6rdert. So tr\u00e4gt sie zu einer Kosten- und Pr\u00e4miensenkung bei.<\/strong><\/div>\n<div class=\"mod mod-nsbnewsdetails\">\n<p>In der Schweiz werden heute die von der OKP gedeckten Gesundheitsleistungen je nach Behandlungsart unterschiedlich finanziert. Bei ambulanten Behandlungen \u2013 in der Arztpraxis, beim Therapeuten oder im Spital ohne \u00dcbernachtung \u2013 wird die Finanzierung vollst\u00e4ndig von den Krankenversicherern \u00fcbernommen. Der Kanton beteiligt sich nicht daran. Bei station\u00e4ren Behandlungen \u2013 im Spital mit \u00dcbernachtung \u2013 tr\u00e4gt der Wohnkanton des Patienten oder der Patientin mindestens 55 Prozent der Kosten. Diese Beteiligung wird \u00fcber die Steuern finanziert. Den Rest \u00fcbernimmt der Krankenversicherer.<\/p>\n<p>Dieses System f\u00fchrt zu Fehlanreizen, die sich in einer h\u00f6heren Hospitalisierungsrate als in anderen L\u00e4ndern niederschlagen, da zu wenig Interesse daran besteht, ambulante Behandlungen zu bevorzugen, auch wenn diese f\u00fcr die Patientinnen und Patienten oftmals sinnvoller und kosteng\u00fcnstiger w\u00e4ren. Dank des medizinischen Fortschritts findet die Verlagerung von station\u00e4ren zu ambulanten Leistungen dennoch statt, aber nur sehr langsam. Mit dem aktuellen Finanzierungssystem f\u00fchrt diese Verlagerung dazu, dass die Belastung der Pr\u00e4mienzahlenden st\u00e4rker zunimmt als diejenige der Kantone. Der pr\u00e4mienfinanzierte Anteil der Gesundheitsleistungen steigt seit mehreren Jahren, w\u00e4hrend der steuerfinanzierte Anteil sinkt.<\/p>\n<p>Am 22. Dezember 2023 hat das Parlament beschlossen, dass alle Gesundheitsleistungen nach demselben Verteilschl\u00fcssel finanziert werden, unabh\u00e4ngig davon, ob sie ambulant, station\u00e4r, zu Hause oder im Pflegeheim erbracht werden. Mit der vorgesehenen KVG-\u00c4nderung \u00fcbernehmen die Kantone neu mindestens 26,9 Prozent und die Krankenversicherer h\u00f6chstens 73,1 Prozent der Kosten. In einem ersten Schritt werden ab 2028 die ambulanten und die station\u00e4ren Leistungen einheitlich finanziert.<\/p>\n<p><b>Eine Reform, die auch die Pflege im Heim und zu Hause umfasst<\/b><br \/>\nBei der Pflege im Heim oder zu Hause werden die Leistungen heute von der Krankenversicherung (vom Bundesrat festgelegter, begrenzter Beitrag der OKP), von den Kantonen (Restfinanzierung) und von den Versicherten selbst (ebenfalls vom Bundesrat festgelegter, begrenzter Beitrag der Patientinnen und Patienten) finanziert. Jeder Kanton ist f\u00fcr die Regelung der Restfinanzierung verantwortlich.<\/p>\n<p>Mit der Reform werden die Pflegeleistungen ab 2032 ebenfalls nach dem neuen Verteilschl\u00fcssel finanziert. Die Versicherten werden weiterhin den vom Bundesrat festgelegten, begrenzten Beitrag bezahlen. Leistungserbringer, Versicherer und Kantone werden gemeinsam eine einheitliche Tarifstruktur f\u00fcr die ganze Schweiz ausarbeiten. Die Leistungserbringer (Pflegeheime, Spitex, selbstst\u00e4ndige Pflegefachpersonen) werden in die Tarifvereinbarung f\u00fcr die Pflegeleistungen einbezogen. Dies bedeutet bessere Planbarkeit und mehr Mitbestimmung f\u00fcr die Pflegeeinrichtungen und das Pflegepersonal.<\/p>\n<p><b>Breite Unterst\u00fctzung<\/b><br \/>\nDie Reform wird seit vielen Jahren diskutiert. Sie wird von Bundesrat, Parlament und Kantonen unterst\u00fctzt, aber auch von zahlreichen Gesundheitsorganisationen, darunter \u00c4rztevereinigungen, Spit\u00e4ler, Apothekenverband, Pflegeheime, Spitex-Organisationen und Krankenversicherer.<\/p>\n<p><b>Argumente des Referendumskomitees<\/b><br \/>\nEin aus Gewerkschaftskreisen hervorgegangenes Komitee hat das Referendum ergriffen. Es ist der Meinung, dass die Reform den Krankenkassen zu viel Macht \u00fcber das Gesundheitssystem gibt. Sie zwinge die Bev\u00f6lkerung, noch h\u00f6here Pr\u00e4mien zu bezahlen, f\u00f6rdere eine Zweiklassenmedizin und beschleunige den Abbau der Pflege zu Hause und in Pflegeheimen. Die Gewerkschaften bef\u00fcrchten zudem eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals und einen erh\u00f6hten Rentabilit\u00e4tsdruck, den die Versicherer auf Pflegeeinrichtungen \u2013 auch \u00f6ffentliche \u2013 aus\u00fcben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><b>Argumente von Bundesrat und Parlament<\/b><br \/>\nNach Ansicht von Bundesrat und Parlament reduziert die einheitliche Finanzierung der Gesundheitsleistungen die Fehlanreize, welche die Gesundheitskosten und vor allem die Kosten zu Lasten der Pr\u00e4mienzahlenden erh\u00f6hen. Die Reform f\u00f6rdert ambulante Behandlungen, weil sie die finanziellen Fehlanreize beseitigt, die zu unn\u00f6tigen Hospitalisierungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das neue Finanzierungsmodell soll auch die Koordination der Versorgung zwischen den Gesundheitsfachpersonen f\u00f6rdern. Eine gute Koordination zwischen \u00c4rzteschaft, Pflegepersonal, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Apotheken kann die Versorgungsqualit\u00e4t f\u00fcr die Patientinnen und Patienten verbessern. Damit k\u00f6nnen unn\u00f6tige Hospitalisierungen vermieden, Heimeintritte hinausgez\u00f6gert und die Kosten gesenkt werden. So sollte die Koordination Einsparungen erm\u00f6glichen. Diese Koordination ist heute f\u00fcr die Gesundheitsakteure wenig attraktiv, weil oft diejenigen, die sich daf\u00fcr einsetzen, nicht diejenigen sind, die einen Nutzen daraus ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Aufgabenverteilung zwischen den verschiedenen Akteuren der OKP bleibt mit der Reform weitgehend unver\u00e4ndert. Die Leistungserbringer (\u00c4rzteschaft, Spit\u00e4ler, Therapeut\/-innen usw.) und die Krankenkassen vereinbaren die Tarife, die von den Kantonen oder dem Bundesrat genehmigt werden m\u00fcssen. Die Kantone bestimmen, welche Leistungserbringer zulasten der OKP abrechnen d\u00fcrfen. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten entscheiden gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten \u00fcber die notwendigen Behandlungen. Die Krankenkassen pr\u00fcfen schliesslich die Rechnungen und \u00fcbernehmen die Kosten.<\/p>\n<p><b>Entlastung der Pr\u00e4mienzahlenden<\/b><br \/>\nMit der einheitlichen Finanzierung wird die Verlagerung von der Kantons- zur Pr\u00e4mienfinanzierung gestoppt, was die Pr\u00e4mienzahlenden entlasten soll. Die Kantone werden wieder einen gr\u00f6sseren Teil der Kosten \u00fcbernehmen m\u00fcssen, wie dies in den Jahren 2016 bis 2019 der Fall war. Die Reform birgt zudem ein erhebliches Sparpotenzial bei den Gesundheitskosten, da die ambulante Versorgung und die Koordination der Versorgung gef\u00f6rdert werden. Dieses Potenzial l\u00e4sst sich nicht genau absch\u00e4tzen, da es davon abh\u00e4ngt, wie die verschiedenen Akteure auf die neuen Anreize reagieren werden. Die Pr\u00e4mien sollten daher mit der einheitlichen Finanzierung niedriger ausfallen als bei Beibehaltung des aktuellen Finanzierungssystems.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundesrat, Parlament und Kantone empfehlen die Annahme dieser Reform, die Fehlanreize im Gesundheitssystem korrigiert und ambulante Behandlungen f\u00f6rdert<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":504165,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1141,1140],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-775143","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-themen","category-leben-in-der-schweiz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/775143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=775143"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/775143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":775147,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/775143\/revisions\/775147"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/504165"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=775143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=775143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=775143"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=775143"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=775143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}