{"id":76936,"date":"2015-03-02T09:15:39","date_gmt":"2015-03-02T08:15:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=76936"},"modified":"2015-03-10T18:51:45","modified_gmt":"2015-03-10T17:51:45","slug":"ikin-dhe-shuhen-bizneset-ne-kosove-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/ikin-dhe-shuhen-bizneset-ne-kosove-2\/","title":{"rendered":"Unternehmen schliessen und verlassen Kosovo"},"content":{"rendered":"<p>Anf\u00e4nglich schien ihm Kosovo ein geeignetes Land f\u00fcr Investitionen zu sein, doch nun wird Gazmend Mustafa Kosovo nach nur wenigen Jahren wieder verlassen, die Maschinen seiner Fabrik &#8220;Beli-Eurofol&#8221; hingegen wird er ins benachbarte Makedonien transferieren.<\/p>\n<p>Dort wird er rund 4,5 Mio Euro investieren, da ihm der makedonische Staat mehr Gesch\u00e4ftsverg\u00fcnstigungen bot, unter anderem auch eine Hektare Land und f\u00fcnf Jahre Steuerbefreiung.<\/p>\n<p>&#8220;Hier lassen sie mich nicht arbeiten&#8221; sagte Mustafa gegen\u00fcber einheimischen Medien in Kosova. Acht Jahre zuvor war er aus Deutschland gekommen, um in seinem Geburtsort Ferizaj zu investieren. Doch nun blockiert ihm der kosovarische Zoll schon seit beinahe einem Jahr den Import des Recyclingmaterials aus Deutschland.<\/p>\n<p>&#8220;Ich wurde zur Bezahlung von 104&#8217;000 Euro bestraft, da ich angeblich mit Tarifpositionen getrickst h\u00e4tte, um Zollgeb\u00fchren zu vermeiden&#8221;, sagt Mustafa in der Zeitung &#8220;Fjala&#8221;. Doch laut ihm ist der Code, den der Zoll verlangt, im vorliegenden Fall nicht anzuwenden, da Kosova nicht der Basler Konvention angeschlossen ist.<\/p>\n<p>&#8220;Sie erhielten bestimmt von jemandem Geld, um uns zu Grunde zu richten. Sie verd\u00e4chtigen uns, Zollgeb\u00fchren von 10% umgangen zu haben. Das Material wurde als Recyclingmaterial bewertet, und doch betrachten sie es als Ware, die bereit f\u00fcr den Markt ist&#8221;, bringt dieser kosovarische Gesch\u00e4ftsmann seine Sorgen zum Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Unternehmen in Kosova schliessen und wandern nach Bulgarien ab<\/strong><\/p>\n<p>Er ist jedoch nicht der einzige Emigrant, der von den kosovarischen Beh\u00f6rden entt\u00e4uscht ist. Dass die Steuerpolitik unbefriedigend ist, musste auch ein weiterer Gesch\u00e4ftsmann aus Ferizaj feststellen, der gezwungen war, sein Gesch\u00e4ft in Kosovo zu schliessen, um wieder ein \u00e4hnliches in Bulgarien zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Dieser Unternehmer entliess rund 200 Angestellte, und noch heute ist er entt\u00e4uscht, dass er die Arbeiter entlassen musste \u2013 die anschliessend mehrheitlich illegal nach Deutschland, \u00d6sterreich und Frankreich emigrierten. Der Eigent\u00fcmer der Speise\u00f6lfabrik sagte, der Lohn der Mitarbeiter habe zwischen 300 bis 600 Euro betragen.<\/p>\n<p>Er sagte, er sei gezwungen gewesen, die Fabrik zu schliessen, weil die Ware, die aus Serbien und anderen L\u00e4ndern nach Kosova hineinkommt, von mehr Verg\u00fcnstigungen profitiert als die Vorleistungsg\u00fcter, die zur Verarbeitung nach Kosova hineinkommen. \u201cEin Speise\u00f6lprodukt, das in Serbien produziert wird, kommt auf den kosovarischen Markt mit lediglich 16% MWSt, produzieren wir aber das gleiche Produkt in Kosovo, m\u00fcssen wir 27,5% zahlen\u201d, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Zum Thema Marktmonopol und Abwanderung von Firmen reagierte auch Kosovas Ministerpr\u00e4sident Isa Mustafa. Er sagte, die Korruption und das Monopol einiger \u00f6ffentlicher und privater Unternehmen m\u00fcssten bek\u00e4mpft und f\u00fcr alle Unternehmen der gleiche Handlungsspielraum geschaffen werden.<\/p>\n<p>\u201cWir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass die kleinen Unternehmen ersticken. Wir werden ihnen M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen und der Konkurrenz die gleichen Bedingungen hinsichtlich Lizenzen, Z\u00f6lle, Qualit\u00e4tskontrolle, Preisregime, Beschaffungssystem stellen\u201d, erkl\u00e4rte der kosovarische Ministerpr\u00e4sident.<\/p>\n<p><strong>In 15 Jahren wurden 674 ausl\u00e4ndische Firmen registriert<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">albinfo.ch<\/a> kontaktierte die kosovarische Agentur f\u00fcr die Registrierung von Firmen. Deren Koordinator f\u00fcr juristische und praktische Angelegenheiten, Mehdi Pllashniku, sagt, in Kosova seien zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 12. Januar 2015 insgesamt 674 ausl\u00e4ndische Firmen angemeldet worden.<\/p>\n<p>Laut dem Beamten dauert es drei Tage, um eine Firma anzumelden. Das heisst, die Anmeldeverfahren sind vereinfacht worden.<\/p>\n<p>Andere Statistiken jedoch sagen, dass allein im letzten Jahr etwa 39 ausl\u00e4ndische und 20 einheimische Firmen, die durchschnittlich mehr als zwei Angestellte hatten, schlossen. In den letzten f\u00fcnf Jahren gingen durch Unternehmensschliessungen 13\u2019000 Arbeitspl\u00e4tze verloren.<\/p>\n<p>Ursache sind die ungeeignete Steuerpolitik, informelle Abl\u00e4ufe, Korruption, hohe Zinss\u00e4tze, das Monopol der gr\u00f6ssten Unternehmen, hohe Stromkosten und Erschwernisse bei der Bewegungsfreiheit in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Professor Naim Gashi, Fachmann f\u00fcr wirtschaftliche Prozesse, sagte gegen\u00fcber albinfo.ch, Kosova m\u00fcsse sein Investitionsklimas im Vergleich zu den L\u00e4ndern der Region unbedingt verbessern. Ausl\u00e4ndische Investitionen m\u00fcssen laut ihm vor allem im Energiebereich, im Bergbau, in der Landwirtschaft, im Tourismus etc ermutigt werden.<\/p>\n<p>\u201cUm besser mit den L\u00e4ndern der Region konkurrieren zu k\u00f6nnen, muss Kosovo die Korruption strenger bek\u00e4mpfen und den Rechtsstaat festigen, denn wir k\u00f6nnen nicht erwarten, dass ernsthafte Investoren nach Kosovo kommen, solange diese wegen kleinster allf\u00e4lliger Streitigkeiten jahrelange Gerichtsverfahren abwarten m\u00fcssen\u201d, erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p><strong>Gashi: Die B\u00fcrokratie muss bek\u00e4mpft werden<\/strong><\/p>\n<p>Weitere Hindernisse f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren ortet Gashi bei der B\u00fcrokratie auf zentraler und lokaler Ebene.<\/p>\n<p>\u201cDie B\u00fcrokratie bei der Erteilung von allerlei Bewilligungen und Lizenzen erschwert gesch\u00e4ftliche T\u00e4tigkeit in Kosova, deshalb muss mehr getan werden, um diese Verfahren zu verk\u00fcrzen und zu vereinfachen, denn die Bildung von \u00f6ffentlichen und privaten Monopolen ist ein sehr entmutigendes Signal f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren\u201d, urteilt Gashi.<\/p>\n<p>Ebenfalls ein Problem f\u00fcr Investoren ist laut ihm die regelm\u00e4ssig respektive nicht regelm\u00e4ssig funktionierende Energieversorgung.<\/p>\n<p>\u201cDas Energienetz ist immer noch veraltet und die Firmen, die investieren kommen, m\u00fcssen die Stromqualit\u00e4t mit eigenen Mitteln verbessern. Das ist die Aufgabe der Firma f\u00fcr die Stromverteilung, und sie muss den Anforderungen ihrer Aufgabe gewachsen sein\u201d, meint er.<\/p>\n<p>Auch Vertreter aus Unternehmenskreisen \u00e4usserten sich gegen\u00fcber lokalen Medien in Kosovo besorgt \u00fcber die Schliessung von Firmen und deren Abwanderung ins Ausland.<\/p>\n<p>Safet G\u00ebrxhaliu von der kosovarischen Handelskammer sagt, die Tatsachen seien besorgniserregend und ohne Stimulation der Produktion w\u00fcrden auch die noch existierenden Investoren verloren gehen.<\/p>\n<p><strong>Zeka: Die Investoren f\u00fchlen sich nicht sicher<\/strong><\/p>\n<p>Arian Zeka von der amerikanischen Handelskammer sagt gegen\u00fcber albinfo.ch, jene wenigen Investoren, die sich entschlossen h\u00e4tten, in Kosova zu investieren, m\u00fcssten ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit in grosser Unsicherheit nachgehen, die sie nebst der Unklarheit und Zweideutigkeit vieler gesetzlicher Bestimmungen zus\u00e4tzlich belaste.<\/p>\n<p>\u201cKlar werden die Entscheide von Investoren, ihre Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten anderswo durchzuf\u00fchren, von g\u00fcnstiger Steuerpolitik und anderen monet\u00e4ren und nichtmonet\u00e4ren Stimuli beeinflusst, wie sie die schlussendlich geographisch vergleichsweise nahe liegenden Nachbarl\u00e4nder bieten\u201d, erkl\u00e4rt Zeka.<\/p>\n<p>Auf die Frage, wie geeignet das Klima in Kosova f\u00fcr Investitionen sei, sagt Zeka, trotz der Reduktion von b\u00fcrokratischen Hindernissen sei die Atmosph\u00e4re f\u00fcr Gesch\u00e4fts- und Unternehmenst\u00e4tigkeiten nicht g\u00fcnstig; dies wegen mangelnder und unseri\u00f6ser Bem\u00fchungen zur Festigung des Rechtsstaates und Bek\u00e4mpfung der Korruption.<\/p>\n<p>\u201cKein seri\u00f6ser Investor beschliesst, sein Kapital in einem Land zu investieren, das eine starke Korruption aufweist. Und zu sagen ist auch, dass es Kosova, obwohl es \u00fcber attraktive Steuers\u00e4tze verf\u00fcgt, an anderen Erleichterungen fehlt, die unser Land erst gleichermassen attraktiv wie alle Nachbarl\u00e4nder machen w\u00fcrden\u201d, erkl\u00e4rte Zeka.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident der kosovarischen Handelskammer sagt, die Investoren m\u00fcssten sp\u00fcren, dass ihnen eine sorgf\u00e4ltigere Behandlung entgegengebracht wird und die Beamten der Beh\u00f6rden sollten sie mit aufrichtiger Gastfreundschaft auf h\u00f6chstem Niveau empfangen.<\/p>\n<p>\u201cEs braucht eine andere Steuerpolitik, damit mehr Wettbewerbsvorteile f\u00fcr die Unternehmen des privaten Sektors entstehen, vor allem f\u00fcr die kleinen und mittleren Unternehmen, Unternehmen, die von Frauen und jungen Leuten gef\u00fchrt werden. Das Wichtigste jedoch werden zus\u00e4tzliche Bem\u00fchungen und konkrete Resultate bei der Festigung des Rechtsstaates, der Bek\u00e4mpfung der Korruption und einer h\u00f6heren Effizienz der Gerichte bleiben\u201d, sagt Zeka.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er kam vor einigen Jahren von Deutschland nach Kosovo, um in eine Fabrik f\u00fcr Plastikrecycling zu investieren<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":76201,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1130,1129,1158],"tags":[1550,1577,1579,1580,1582],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-76936","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-ch-balkan","category-themen-vor-ort","tag-zhvillim-de","tag-ekonomi-de","tag-financa-de","tag-kosove-de-fr","tag-biznes-de-fr"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76936","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76936"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76936\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/76201"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76936"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76936"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76936"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=76936"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=76936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}