{"id":714964,"date":"2024-02-18T18:37:22","date_gmt":"2024-02-18T17:37:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=714964"},"modified":"2024-02-18T18:37:22","modified_gmt":"2024-02-18T17:37:22","slug":"steigende-zahlen-2023-bei-asylsuchenden-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/steigende-zahlen-2023-bei-asylsuchenden-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Steigende Zahlen 2023 bei Asylsuchenden in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0Im Jahr 2023 wurden in der Schweiz 30 223 Asylgesuche gestellt, 5712 mehr als im Vorjahr (+23,3 %). F\u00fcr 2024 rechnet das Staatssekretariat f\u00fcr Migration (SEM) in seinem wahrscheinlichsten Szenario wiederum mit rund 30 000 (+\/- 3000) neuen Asylgesuchen.<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2023 haben 30\u00a0223 Personen in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt, 5712 mehr als 2022. Der Anstieg der Asylgesuche um \u00fcber 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist prim\u00e4r auf folgende Gr\u00fcnde zur\u00fcckzuf\u00fchren:<\/p>\n<p>Die Zahl der Asylgesuche t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger stieg europaweit deutlich an, insgesamt um etwa 50\u00a0000 auf rund 105\u00a0000 Personen. Entsprechend stieg auch die Zahl der in der Schweiz gestellten Asylgesuche t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger um 2000 an.<\/p>\n<p>Deutlich zugenommen haben die Asylgesuche marokkanischer und etwas weniger ausgepr\u00e4gt algerischer Staatsangeh\u00f6riger. Diese verlassen ihre Heimat meistens aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden. Ihre Aussicht, in einem europ\u00e4ischen Land Schutz zu erhalten, sind jedoch \u00e4usserst gering.<\/p>\n<p>Im Juli 2023 \u00e4nderte die Schweiz ihre Asylpraxis gegen\u00fcber Frauen und M\u00e4dchen aus Afghanistan. Mit dieser Praxis\u00e4nderung folgte die Schweiz einer Empfehlung der European Union Agency for Asylum (EUAA). Zuvor hatten diesen Schritt schon mehrere andere europ\u00e4ische Staaten gemacht. In der Folge stellten rund 1800 afghanische Staatsangeh\u00f6rige mit einer vorl\u00e4ufigen Aufnahme in der Schweiz ein erneutes Asylgesuch. Die meisten von ihnen hielten sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren in der Schweiz auf. Aus diesem Grund belasten diese Gesuche das Asylsystem nicht zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p><strong>Wichtigste Herkunftsl\u00e4nder von Asylsuchenden<\/strong><\/p>\n<p>Das wichtigste Herkunftsland von Asylsuchenden im Jahr 2023 war erneut Afghanistan mit 7934 Gesuchen. Davon sind 151 auf Familienzusammenf\u00fchrungen, 341 auf Geburten und 1197 auf Mehrfachgesuche zur\u00fcckzuf\u00fchren. Somit wurden 6245 Prim\u00e4rgesuche von Personen afghanischer Herkunft verzeichnet.<\/p>\n<p>Von den 7934 Gesuchen afghanischer Staatsangeh\u00f6riger wurden rund 1800 von Personen gestellt, die sich bereits in der Schweiz aufhielten und als Folge der Praxis\u00e4nderung f\u00fcr weibliche Asylsuchende aus Afghanistan ein neues Asylgesuch einreichten.<\/p>\n<p>Weitere wichtige Herkunftsl\u00e4nder waren 2023 die T\u00fcrkei (5675 Prim\u00e4r- und 1147 Sekund\u00e4rgesuche), Eritrea (705 Prim\u00e4r- und 1404 Sekund\u00e4rgesuche), Algerien (1781 Prim\u00e4r- und 29 Sekund\u00e4rgesuche) sowie Marokko (1596 Prim\u00e4r- und 10 Sekund\u00e4rgesuche).<\/p>\n<p>Personen, die ein Prim\u00e4rgesuch stellen, tun dies unabh\u00e4ngig von anderen Personen, die bereits um Schutz ersucht haben. Im Gegensatz dazu ist ein Sekund\u00e4rgesuch die Folge eines bereits registrierten Asylgesuchs (beispielsweise Geburt, Familiennachzug oder Mehrfachgesuch).<\/p>\n<p><strong>Erstinstanzlich erledigte Asylgesuche<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2023 hat das SEM 26\u00a0667 Asylgesuche erstinstanzlich erledigt. 5991 Personen erhielten Asyl, die Asylgew\u00e4hrungsquote lag bei 25,7 Prozent (2022: 30,6\u00a0%). Die Schutzquote (Anteil Asylgew\u00e4hrungen plus vorl\u00e4ufige Aufnahmen aufgrund erstinstanzlicher Entscheide) lag bei 54,4 Prozent (gegen\u00fcber 59,0\u00a0% im Jahr 2022). Die Zahl der erstinstanzlich h\u00e4ngigen F\u00e4lle nahm im Vergleich zum Vorjahr um 3328 auf 15\u00a0567 zu.<\/p>\n<p><strong>Resettlement<\/strong><\/p>\n<p>Der Bundesrat entscheidet alle zwei Jahre \u00fcber ein Resettlement-Programm. F\u00fcr die Jahre 2022 und 2023 hat er beschlossen, insgesamt bis zu 1600 besonders schutzbed\u00fcrftige Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen, die sich in einer prek\u00e4ren Lage in Erstaufnahmel\u00e4ndern befinden. Hinzu kam ein Kontingent von 220 Fl\u00fcchtlingen, die wegen der pandemiebedingten Verz\u00f6gerung nicht im Rahmen des Programms 2020\/2021 aufgenommen werden konnten.<\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung der Empfehlung des Sonderstabes Asyl (SONAS) beschloss das EJPD am 30. November 2022, die Resettlement-Einreisen ab April 2023 tempor\u00e4r zu sistieren. Zudem wurde entschieden, Personen mit einem positiven Aufnahmeentscheid die Aufnahme in die Schweiz trotz Massnahmen im Resettlement-Bereich bis Ende M\u00e4rz 2023 wie geplant zu erm\u00f6glichen. Im Januar, Februar und M\u00e4rz 2023 sind im Rahmen des Resettlement-Programmes 342 Personen aus dem Libanon, der T\u00fcrkei und \u00c4gypten in die Schweiz eingereist. Die Zahl eingereister Personen auf Basis des Resettlement-Programms 2022\/23 bel\u00e4uft sich auf insgesamt 995 Personen, wobei 15 Personen mittels Familiennachzug in die Schweiz eingereist sind und r\u00fcckwirkend dem Resettlement-Kontingent angerechnet werden.<\/p>\n<p><strong>Ausreisen und Wegweisungsvollzug<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz setzte 2023 ihre konsequente R\u00fcckkehrpolitik fort. Im Jahr 2023 haben 16 721 Personen die Schweiz kontrolliert verlassen (2022: 11 467). 13\u00a0001 Personen kehrten freiwillig in den Heimat- oder einen Drittstaat zur\u00fcck (2022: 8333), 10 978 davon in die Ukraine (2022: 6666). 3720 Personen wurden zwangsweise in einen Heimat-, Dritt- oder Dublinstaat zur\u00fcckgef\u00fchrt (2022: 3134). Gesamthaft ist die Zahl der Ausreisen damit im Vergleich zum Jahr 2022 um 45,8\u00a0% gestiegen.<\/p>\n<p>Die Kantone sind f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung abgewiesener Asylsuchender in ihre Herkunfts- oder in Dublin-Staaten zust\u00e4ndig (Wegweisungsvollzug). Sie werden dabei durch das SEM unterst\u00fctzt. Nachdem der Bereich R\u00fcckkehr und Wegweisungsvollzug in den Jahren 2020\/21 stark von der COVID-19-Pandemie betroffen war, entspannte sich die Lage im Jahr 2022 allm\u00e4hlich. Im Jahr 2023 setzte sich der Trend der Erholung und Normalisierung fort, was zu einer deutlichen Verbesserung der Situation im Bereich R\u00fcckkehr und Wegweisungsvollzug im Vergleich zu den Vorjahren f\u00fchrte. Vor diesem Hintergrund hat der Bestand der h\u00e4ngigen F\u00e4lle in der R\u00fcckkehrunterst\u00fctzung im Asylbereich per Ende 2023 trotz der steigenden Anzahl Asylgesuche um 0,6 % auf 3406 Personen abgenommen (Stand Vorjahr: 3425). Deutliche Fortschritte im Wegweisungsvollzug konnten 2023 insbesondere mit wichtigen Herkunftsstaaten wie Algerien und dem Irak erzielt werden.<\/p>\n<p><strong>Dublin<\/strong><\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr konnten 2021 Personen in einen Dublin-Staat \u00fcberf\u00fchrt werden (2022: 1566 Personen). Gleichzeitig wurden 694 Personen in die Schweiz \u00fcberstellt (2022: 784 Personen). Die Steigerung im Dublin-Bereich erfolgte trotz des Entscheids der italienischen Regierung, bis auf weiteres keine Personen im Rahmen des Dublin-Systems aufzunehmen. 2023 verzeichnete die Schweiz rund drei Mal mehr Ausreisen als Einreisen im Rahmen der \u00dcberstellungen nach den Dublin-Kriterien. Im Vorjahr lag das Verh\u00e4ltnis noch bei circa 2:1, obwohl damals noch \u00dcberstellungen nach Italien erfolgten.<\/p>\n<p><strong>Ukraine: Schutzstatus S (Sonderverfahren)<\/strong><\/p>\n<p>2023 haben 23\u00a0012 Schutzsuchende den Status S beantragt; er wurde im gleichen Zeitraum in 18\u00a0375 F\u00e4llen gew\u00e4hrt und bei 932 schutzsuchenden Personen wurde er abgelehnt, weil die Kriterien nicht erf\u00fcllt waren. Bei 13 512 Personen wurde im letzten Jahr der Schutzstatus wieder beendet; bei 3260 Personen war dessen Beendigung Ende 2023 in Pr\u00fcfung. Per Ende 2023 verf\u00fcgten insgesamt 66\u00a0083 Personen \u00fcber einen aktiven Schutzstatus S.<\/p>\n<p>Anfang November 2023 hat der Bundesrat entschieden, den Schutzstatus S f\u00fcr Schutzsuchende aus der Ukraine nicht vor dem 4. M\u00e4rz 2025 aufzuheben, sofern sich die Lage in der Ukraine bis dahin nicht grundlegend ver\u00e4ndert haben sollte.<\/p>\n<p><strong>Ausblick Asylgesuche 2024<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr 2024 rechnet das SEM gem\u00e4ss dem wahrscheinlichsten Szenario mit 30\u00a0000 (+\/- 3000 Gesuche) neuen Asylgesuchen. F\u00fcr die Zahl der in der Schweiz gestellten prim\u00e4ren Asylgesuche ist zentral, wie sich die Migration aus der T\u00fcrkei nach Griechenland und Bulgarien, die Weiterwanderung aus Griechenland und Bulgarien sowie die Migration aus der T\u00fcrkei nach Italien entwickeln. Mitentscheidend sind zudem der Umfang der Migration aus Nordafrika sowie den visumsbefreiten Staaten in Richtung Europa und die Asyl- und R\u00fcckf\u00fchrungspraxis unserer vier Nachbarstaaten; auch deren Grenzkontrollmassnahmen k\u00f6nnen einen Einfluss haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-100040.html\">\/admin.ch\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Im Jahr 2023 wurden in der Schweiz 30 223 Asylgesuche gestellt, 5712 mehr als im Vorjahr (+23,3 %). F\u00fcr 2024 rechnet das Staatssekretariat f\u00fcr Migration (SEM) in seinem wahrscheinlichsten Szenario wiederum mit rund 30 000 (+\/- 3000) neuen Asylgesuchen. Im Jahr 2023 haben 30\u00a0223 Personen in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt, 5712 mehr als 2022. 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