{"id":694060,"date":"2023-11-27T22:21:09","date_gmt":"2023-11-27T21:21:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=694060"},"modified":"2023-11-27T22:21:09","modified_gmt":"2023-11-27T21:21:09","slug":"stark-steigende-kosten-fuehren-zu-deutlich-hoeheren-praemien-im-jahr-2024-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/stark-steigende-kosten-fuehren-zu-deutlich-hoeheren-praemien-im-jahr-2024-2\/","title":{"rendered":"Stark steigende Kosten f\u00fchren zu deutlich h\u00f6heren Pr\u00e4mien im Jahr 2024"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die mittlere Pr\u00e4mie wird im Jahr 2024 359,50 Franken pro Monat betragen, was einem Anstieg um 28,70 Franken (8,7 Prozent) im Vergleich zu 2023 entspricht. Grund f\u00fcr den hohen Pr\u00e4mienanstieg sind die Kosten. Diese sind seit dem 2. Halbjahr 2021 und insbesondere dieses Jahr st\u00e4rker gestiegen als erwartet. Mehr Arztbesuche, mehr ambulante Spitalleistungen, mehr und teurere Medikamente haben zu diesen hohen Kosten gef\u00fchrt. Kostend\u00e4mpfung bleibt daher eine zentrale Aufgabe f\u00fcr alle Akteure, damit die Gesundheitsleistungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung finanzierbar bleiben.<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2024 wird die mittlere Monatspr\u00e4mie 359,50 Franken betragen, was einem Anstieg von 28,70 Franken (8,7 Prozent) im Vergleich zu 2023 entspricht. Die mittlere Pr\u00e4mie f\u00fcr Erwachsene steigt um 33,80 Franken (8,6 Prozent) auf 426,70 Franken. Diejenige f\u00fcr junge Erwachsene erh\u00f6ht sich um 23,80 Franken (8,6 Prozent) auf 300,60 Franken. Die mittlere Pr\u00e4mie f\u00fcr Kinder steigt gegen\u00fcber 2023 um 8 Franken (7,7 Prozent) auf 111,80 Franken.<\/p>\n<p><strong>Verschiedene Faktoren verantwortlich f\u00fcr die Kostensteigerung<\/strong><br \/>\nHauptgrund des hohen Pr\u00e4mienanstiegs ist der starke Anstieg der Gesundheitskosten. Denn die Pr\u00e4mien widerspiegeln die Kosten. Im ersten Halbjahr 2023 sind die Kosten verglichen mit dem ersten Halbjahr 2022 um 6,4 Prozent gestiegen. F\u00fcr das laufende Jahr erwarten die Versicherer einen Kostenanstieg von 5,3 Prozent und f\u00fcr 2024 wird ein weiteres Kostenwachstum von 3,4 Prozent erwartet.<\/p>\n<p>Diese starke Kostenzunahme ist auf eine Vielzahl von Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren: Die alternde Bev\u00f6lkerung, neue Medikamente und Behandlungen sowie eine Zunahme der Gesundheitsleistungen, beispielsweise ambulante Spitalleistungen oder bei der Physiotherapie.<\/p>\n<p>Bei den ambulanten Spitalleistungen sind die Kosten pro versicherte Person (+ 8,5%) im Jahr 2022 st\u00e4rker gestiegen als bei den Arztpraxen (+5,1%). Die Anzahl Arztbesuche pro Patientin und Patient ist stabil, aber die Kosten pro Arztbesuch steigen. Bei den station\u00e4ren Spitalleistungen \u2013 die 19 Prozent der Kosten der obligatorischen Krankenversicherung (OKP) ausmachen \u2013 ist die starke Kostenentwicklung teilweise auf eine Verz\u00f6gerung der Abrechnungen von Vorjahresleistungen der Spit\u00e4ler und der Rehabilitationskliniken wegen einer neuen Tarifstruktur zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ein Anstieg der Taxpunktwerte im ambulanten Spitalbereich ist in verschiedenen Kantonen zu beobachten.<\/p>\n<p>Die Medikamente machen im Jahr 2022 22 Prozent der Kosten der OKP aus. Das Kostenwachstum ist bei den Medikamenten im ambulanten Bereich mit 5,5% auf konstant hohem Niveau. Im Jahresvergleich wachsen die Medikamentenkosten aber st\u00e4rker als die restlichen Kosten. Krebsmedikamente, Immunsuppressiva und Antidiabetika wachsen am st\u00e4rksten und sind im Jahr 2023 f\u00fcr 50 Prozent des Kostenanstiegs pro versicherte Person verantwortlich. Neuzulassungen mit speziell hohen Preisforderungen und zu h\u00e4ufig eingesetzte Originalpr\u00e4parate haben auch einen Einfluss auf das Kostenwachstum.<\/p>\n<p><strong>Reduktion der Reserven<\/strong><br \/>\nStarke Nachholeffekte nach der Pandemie haben zu h\u00f6heren Kosten und damit zu einem Verlust aus der Versicherungst\u00e4tigkeit von 1,7 Milliarden Franken im Jahr 2022 gef\u00fchrt. Hinzu kam ein Anlageverlust in H\u00f6he von 1,8 Milliarden aufgrund der schwierigen Situation an den Kapitalm\u00e4rkten, was einer Anlagerendite von minus 11 Prozent entspricht. Die Verluste wurden vollst\u00e4ndig von den Reserven getragen. Sie sind in der Folge per Anfang 2023 auf branchenweit 8,5 Milliarden Franken gesunken. Insgesamt verf\u00fcgen die Versicherer \u00fcber ausreichend Reserven, aber das Polster zur weiteren D\u00e4mpfung der Pr\u00e4mienentwicklung ist nicht mehr vorhanden.<\/p>\n<p><strong>Zusammensetzung des Pr\u00e4mienanstiegs<\/strong><br \/>\nDer hohe Pr\u00e4mienanstieg auf 2024 l\u00e4sst sich auf mehrere Faktoren zur\u00fcckf\u00fchren. Zus\u00e4tzlich zur erwarteten Kostensteigerung 2024 gibt es einen Nachholbedarf. Einerseits werden die Pr\u00e4mien die Kosten 2023 nicht decken, da die Kosten h\u00f6her sind als erwartet. Zudem haben \u00fcberdurchschnittlich viele Versicherte den Grundversicherer gewechselt oder eine h\u00f6here Franchise gew\u00e4hlt, um ihre Pr\u00e4mienbelastung zu senken. Die Pr\u00e4mien sind in der Folge 2023 mit durchschnittlich 5,4% weniger stark gestiegen als angek\u00fcndigt (6,6%). Die dadurch tieferen Pr\u00e4mieneinnahmen m\u00fcssen nun bei der Berechnung der Pr\u00e4mienentwicklung 2024 mit einbezogen werden. Und schliesslich muss auch die Kostensteigerung 2024 ber\u00fccksichtigt werden. Das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) hat eingehend gepr\u00fcft, ob die von den Versicherern eingereichten Pr\u00e4mien die gesetzlichen Vorschriften erf\u00fcllen. Wo n\u00f6tig, wurden Anpassungen verlangt. Alle Pr\u00e4mien wurden genehmigt.<\/p>\n<p><strong>Die Kostend\u00e4mpfung bleibt eine Daueraufgabe<\/strong><br \/>\nDie Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem. Aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts und der demografischen Entwicklung werden die Gesundheitskosten auch in Zukunft weiter steigen. Dieser Kostenanstieg muss auf das medizinisch begr\u00fcndbare Mass beschr\u00e4nkt werden, ohne die Qualit\u00e4t der Versorgung zu vermindern.<\/p>\n<p>Der Bundesrat und das Eidgen\u00f6ssische Departement des Innern (EDI) setzen sich seit Jahren f\u00fcr die D\u00e4mpfung der Gesundheitskosten ein. Das BAG hat die Arzneimittelpreise seit 2012 um mehr als eine Milliarde gesenkt und die Labortarife um 10%, was zu Einsparungen von 140 Millionen Franken f\u00fchrt. Weitere j\u00e4hrlich wiederkehrende Einsparungen in H\u00f6he von 75 Millionen Franken wurden mit dem HTA-Programm (Health Technology Assessments) erzielt. Der Tarifeingriff des Bundesrates in die Tarifstruktur f\u00fcr \u00e4rztliche Leistungen TARMED hat zu 470 Millionen Franken Einsparungen gef\u00fchrt. Mit der Revision der Verordnung \u00fcber die Krankenversicherung (KVV) und der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV), die am 1. Januar 2024 in Kraft treten wird, hat der Bundesrat verschiedene Massnahmen umgesetzt, um den Einsatz von kosteng\u00fcnstigeren Generika und Biosimilars zu f\u00f6rdern. Diese Massnahmen beinhalten ein Einsparpotential von bis zu 250 Millionen Franken j\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Das nationale Programm zur Digitalisierung im Gesundheitswesen (DigiSant\u00e9) soll auch einen Beitrag leisten, die Koordination zwischen den Gesundheitsakteuren und somit die Effizienz zu verbessern.<\/p>\n<p>Der Bundesrat hat zwei Massnahmenpakete zur Kostend\u00e4mpfung im Bereich Krankenversicherung an das Parlament \u00fcberwiesen. Noch in dieser parlamentarischen Session wird das Parlament \u00fcber das zweite Kostend\u00e4mpfungspaket beraten. Im Zentrum steht die F\u00f6rderung neuer Modelle f\u00fcr die Festlegung der Medikamentenpreise.<\/p>\n<p><strong>Wechsel der Grundversicherung<\/strong><br \/>\nDie Krankenversicherer haben bis Ende Oktober Zeit, um die Versicherten \u00fcber die Pr\u00e4mien 2024 zu informieren. Danach k\u00f6nnen die Versicherten bis Ende November ihre Grundversicherung wechseln oder ihr Versicherungsmodell anpassen. In der Grundversicherung m\u00fcssen die Krankenversicherer jede Person aufnehmen.<br \/>\n<strong><br \/>\nPriminfo.ch<\/strong><br \/>\nDie Website www.priminfo.ch wurde \u00fcberarbeitet und beinhaltet insbesondere folgende Dienstleistungen:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Einfach anzuwendender Pr\u00e4mienrechner: Alle Pr\u00e4mien und Verg\u00fcnstigungen (z. B. Reserveabbau) s\u00e4mtlicher Krankenkassen sind \u00fcbersichtlich aufgef\u00fchrt. Die Versicherten k\u00f6nnen die Pr\u00e4mien nach ihrer H\u00f6he sortieren und damit ihr Einsparpotenzial berechnen;<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Die Rubrik \u00abPr\u00e4mienberatung\u00bb mit Informationen zum Thema Krankenversicherung, Tipps zum Pr\u00e4miensparen und mit Musterbriefen;<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Pr\u00e4mien\u00fcbersichten:<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Antworten auf h\u00e4ufige Fragen (FAQ) sowie Kontaktm\u00f6glichkeiten (Hotline des BAG);<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Zum ersten Mal stehen auch Texte in einfacher und leichter Sprache zur Verf\u00fcgung;<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Zum ersten Mal stehen auch Videos in Geb\u00e4rdensprache f\u00fcr geh\u00f6rlose Menschen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Alle Pr\u00e4miendaten k\u00f6nnen zudem vom Open-Data-Portal heruntergeladen werden (www.opendata.swiss).<\/p>\n<p>F\u00fcr spezifische Fragen zu individuellen Pr\u00e4mien und Versicherungspolicen f\u00fcr 2024 ist grunds\u00e4tzlich der entsprechende Krankenversicherer zust\u00e4ndig. Er ist zu einer unentgeltlichen Beratung und Information gesetzlich verpflichtet. Die Krankenversicherer sind f\u00fcr die Festlegung der Pr\u00e4mien verantwortlich und k\u00f6nnen detailliert \u00fcber die Ver\u00e4nderung spezifischer Pr\u00e4mien informieren. Das BAG pr\u00fcft, ob die Pr\u00e4mien den gesetzlichen Anforderungen gen\u00fcgen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.edi.admin.ch\/edi\/de\/home\/dokumentation\/medienmitteilungen.html.msg-id-97889.html\">\/edi.admin.ch\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die mittlere Pr\u00e4mie wird im Jahr 2024 359,50 Franken pro Monat betragen, was einem Anstieg um 28,70 Franken (8,7 Prozent) im Vergleich zu 2023 entspricht. Grund f\u00fcr den hohen Pr\u00e4mienanstieg sind die Kosten. Diese sind seit dem 2. Halbjahr 2021 und insbesondere dieses Jahr st\u00e4rker gestiegen als erwartet. 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