{"id":64671,"date":"2014-01-02T12:58:03","date_gmt":"2014-01-02T11:58:03","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-01-03T02:00:56","modified_gmt":"2014-01-03T00:00:56","slug":"ein-albanischer-priester-baut-brucken-zwischen-den-religionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/ein-albanischer-priester-baut-brucken-zwischen-den-religionen\/","title":{"rendered":"Ein albanischer Priester baut Br\u00fccken zwischen den Religionen"},"content":{"rendered":"<p>Don Marjan Marku ist weitherum in der albanischsprachigen Bev\u00f6lkerung der Schweiz f\u00fcr sein Wirken bekannt, welches weit \u00fcber seine erste Berufung, diejenige des Leiters einer der Zentren der Albanischen Katholischen Mission in der Schweiz, hinaus geht. Von 1999 bis 2009 &#8211; solange dauerte sein erster Aufenthalt in der Schweiz &#8211; hinterliess er mit der Gr\u00fcndung von drei Zentren der erw\u00e4hnten Mission Spuren im gesellschaftlichen und kulturellen Leben nicht nur der Gl\u00e4ubigen, die er geleitet hatte, sondern der ganzen hiesigen albanischsprachigen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Deshalb war die R\u00fcckkehr Don Marjans vor etwa vier Jahren zum Dienst in Kosova auch mit Emotionen belastet gewesen und hatte eine L\u00fccke hinterlassen.<\/p>\n<p> Seit etwas mehr als einem Jahr befindet sich Don Marjan Marku nun wieder in der Schweiz. Diesmal ist er hier in der Funktion eines Pfarrers der einheimischen Kirche und nicht mehr als Missionar in der Albanischen Katholischen Mission, welche er vor vielen Jahren gegr\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p> An einem regnerischen Abend brechen wir zur Residenz von Don Marjan auf, nach M\u00fchlr\u00fcti, das in den H\u00fcgeln des Unteren Toggenburgs liegt. Der albanische Pfarrer der schweizerischen katholischen Kirche erwartet uns am Bahnhof in Wil, um uns in seinem Auto mitzunehmen, denn der Weg nach M\u00fchlr\u00fcti ist lang und f\u00fchrt \u00fcber beschwerliches Gel\u00e4nde. W\u00e4hrend der Fahrt zeigt er uns sein kleines Reich, das aus einer Handvoll grosser und kleiner D\u00f6rfer besteht, und wo er zusammen mit einem weiteren Priester seines Amtes waltet.<\/p>\n<p> \u201eIch bin Kaplan in der Seelsorgeeinheit der Region Unteres Toggenburg, die sechs Kirchgemeinden umfasst. In dieser Einheit mit rund 6000 Gl\u00e4ubigen bin ich Pfarreibeauftragter, w\u00e4hrend ich in einer dieser Gemeinden, in Mosnang, verantwortlicher Pfarrer bin\u201c, erkl\u00e4rt uns Don Marjan die komplexe Struktur der Pfarreigemeinde, in der er arbeitet.<\/p>\n<p> \u201eWir arbeiten in einem Team von sechs Theologen, zwei von uns sind Priester, drei sind Laien. Wir sind in allen Bereichen als Team organisiert. In Mosnang, wo ich verantwortlicher Pfarrer bin, gibt es 1700 Gl\u00e4ubige. Ich wohne jedoch in M\u00fchlr\u00fcti, ein Dorf im Dreieck zwischen den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Z\u00fcrich\u201c, erz\u00e4hlt er weiter.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung Don Marjans, wie er zu seiner neuen Rolle in der Schweiz kam, ist einfach: \u201eIn der katholischen Kirche der L\u00e4nder des Westens gibt es in letzter Zeit einen Priestermangel. Das war auch der Hauptgrund, weshalb ich hierhin berufen wurde. Man muss wissen, dass wir in Kosovo Gott sei Dank, gemessen an der Zahl der katholischen Gl\u00e4ubigen, gen\u00fcgend Priester haben. Unter diesen Umst\u00e4nden bat der Bischof von St. Gallen den Bischof von Kosovo, Seine Exzellenz Dod\u00eb Gjergji, mich hierher dienen kommen zu lassen. Jetzt bin ich in der Di\u00f6zese von St. Gallen inkardiniert, wie alle andern Priester. Die Di\u00f6zese hat 142 Gemeinden und nur sechzig Priester\u201c, berichtet er, und betont, wie wenige Menschen sich f\u00fcr das&nbsp; Leben als geistlicher Hirte entscheiden.<\/p>\n<p> <strong>Als Albaner ist Don Marjan die richtige Person f\u00fcr den Dialog zwischen den Religionen<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch wenn er nun institutionell der Landeskirche und nicht der albanischen Mission angeh\u00f6rt, hindert ihn das nicht, auch weiterhin einen Beitrag f\u00fcr die albanischsprachige Bev\u00f6lkerung hier zu leisten. \u201eIch denke, dass es auch albanische Priester in der Schweiz braucht. Ich diene bei den Schweizern, bin aber auch im Dienst der albanischen Gemeinschaft hier. In naher Zukunft m\u00f6chte ich Mitglied in jenen Kommissionen werden, die sich mit Fragen im Zusammenhang mit den Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern hier befassen. Es gibt eine Kommission auf Bischofsebene und eine der Bischofskonferenz. Im Rahmen der Aktivit\u00e4ten, die diese zwischen den verschiedenen Religionen aus\u00fcben, bin ich unter anderem daran interessiert, als Vermittler zwischen der einheimischen Kirche und der albanischen Gemeinschaft islamischen Glaubens zu wirken.<\/p>\n<p> Bekanntlich pflegt die Katholische Kirche einen fruchtbaren Dialog und andererseits sind die meisten Angeh\u00f6rigen des islamischen Glaubens in der Schweiz albanischsprachig. Da auch sie zu meinem Volk geh\u00f6ren, glaube ich in einem solchen Kontext einen Beitrag zum Dialog zwischen den Religionen leisten zu k\u00f6nnen. Ich denke, dass dies sowohl uns Albanern als auch der Katholischen Kirche der Schweiz zum Vorteil gereicht.\u201c<\/p>\n<p>Im Verlauf seiner Arbeit bei der Albanischen Katholischen Mission hatte Don Marjan Marku bei verschiedenen Kommissionen auf landeskirchlicher Ebene mitgearbeitet. In der Di\u00f6zese Basel war er im Priesterrat, der vom damaligen Bischof und heutigen Kardinal, seiner Eminenz Kurt Koch, gew\u00e4hlt worden war. Der albanische Priester war dort der einzige Ausl\u00e4nder in dieser gr\u00f6ssten Di\u00f6zese der Schweiz. Er war auch Mitglied in der Zentralen Ausl\u00e4nderkommission im Kanton Z\u00fcrich und in der Administrativkommission im Kanton Thurgau gewesen, im Vorstand des Dekanats in Fischingen etc.<\/p>\n<p>\u00ab&nbsp;Bekanntermassen k\u00e4mpfte die Kirche hier immer f\u00fcr die Gleichberechtigung der Menschen, auch in religi\u00f6ser Hinsicht. Auch ist bekannt, dass sie eine humane und gerechte Haltung gegen\u00fcber den Albanerinnen und Albanern, doch auch gegen\u00fcber den Muslimen und Ausl\u00e4nderinnen allgemein einnahm, wenn diese verschiedentlich zum Objekt von Kampagnen diverser Kreise wurden\u201c, sagt Don Marjan. Er unterstreicht auch, dass er pers\u00f6nlich und im Namen der Kirche gute Beziehungen mit den Oberh\u00e4uptern der albanischen islamischen Gemeinschaft pflegt, etwa mit jenen in Wil und St. Gallen.<\/p>\n<p> <strong>Gastfreundschaft und Ermutigung von Seiten der Einheimischen<\/strong><\/p>\n<p> \u00ab&nbsp;Seit meiner Ankunft im neuen Umfeld vor nunmehr etwas mehr als einem Jahr wurde ich von den Einheimischen vielleicht besser als erwartet aufgenommen. Sie wissen, dass ich Albaner bin und ich habe &nbsp;auch keinen Grund, dies zu leugnen\u201c, sagt der Priester mit f\u00fcnfundzwanzig Jahren Erfahrung, der nun k\u00fcrzlich in eine Schweizer Kirchgemeinde ernannt wurde. Er erz\u00e4hlt auch vom grossen Verst\u00e4ndnis der Gl\u00e4ubigen und der Priesterkollegen f\u00fcr die Grenzen, die ihm seine Deutschkenntnisse, insbesondere seine Kenntnisse des Schweizerdeutschen, ab und zu setzen. \u201eSie ermutigen mich und sagen, ihnen w\u00fcrde es viel schwerer fallen, im umgekehrten Fall albanisch zu sprechen\u201c, sagt Don Marjan augenzwinkernd.<\/p>\n<p>Weiter erkl\u00e4rt er, dass er zu Beginn eingestellt worden sei, um als Kaplan zu arbeiten, doch sei es dann die Kirchgemeinde von Mosnang selbst gewesen, die darauf bestanden habe, ihn zum Verantwortlichen der Gemeinde zu machen.<\/p>\n<p> Wenn er von seiner Arbeit in der Zeit spricht, wo er die Mission leitete, sagt er, dass seine Aufgabe das Br\u00fcckenbauen gewesen sei, so die Verbindung der Albaner mit Gott, mit der Heimat beziehungsweise der Kultur des Herkunftslandes, und die Br\u00fccke, die die Albanerinnen und Albaner mit den Schweizerinnen und Schweizern verbindet, oder die Integration der Albanischsprachigen in die schweizerische Gesellschaft, ohne die mitgebrachten Werte aufzugeben. <\/p>\n<p> \u00ab&nbsp;Ich denke, dass es auch im allgemeinen Interesse der Albaner ist, dass es mehr albanische Priester in der Schweiz gibt\u201c, sagt Don Marjan und enth\u00fcllt uns, dass seit kurzem in der Kirchgemeinde Uster &nbsp;noch ein weiterer Albaner des Priesteramtes waltet. Es ist dies Don David Xhuxh\u00eb, ein bekannter Priester von Kosova, der w\u00e4hrend rund zwanzig Jahren Journalist von Radio Vatikan gewesen war, Verantwortlicher f\u00fcr die Sendungen auf Albanisch. Er dient seit einigen Monaten in der Ustemer Kirchgemeinde und arbeitet dort mit italienischsprachigen Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p> <strong>Hochs und Tiefs bei der Gr\u00fcndung der Mission mit drei Zentren<\/strong><\/p>\n<p> \u00abIn die Schweiz kam ich im Januar 1999, alleine, als Nachfolger von Don Aleksand\u00ebr Kolaj. Ich war Verantwortlicher f\u00fcr die albanischen katholischen Gl\u00e4ubigen in der ganzen Schweiz. Es war das Jahr des Krieges. Im Jahr 2000 kam der zweite Priester, Marjan Demaj. Dann erkannten wir die Notwendigkeit der Aufteilung in drei Zentren und reorganisierten die Mission entsprechend. 2002 stellte ich den Antrag. Mit vielseitiger Hilfe und dem Wohlwollen vor allem von Dr. Peter Plattner (dem Pr\u00e4sidenten der Landeskirche Thurgau) bauten wir die Mission mit drei Zentren beziehungsweise mit drei Priestern und drei Nonnen auf. Unser Gesuch an die Schweizer Bischofskonferenz hatten wir damit begr\u00fcndet, dass in der Schweiz rund 200\u2018000 Albaner lebten, von welchen rund 20\u2018000 katholische Gl\u00e4ubige&nbsp;&nbsp; seien. Die Bischofskonferenz hiess unser Gesuch gut, betonte jedoch, dass das Geld fehle.<\/p>\n<p>2002 wandte ich mich an den Kanton Thurgau. Dr. Peter Plattner sagte mir: \u201eWenn jene kein Geld haben, machen wir das selbst\u201c, und offerierte uns 100\u2018000 Franken, um in diesem Kanton eine Mission zu er\u00f6ffnen. Da wir in Luzern zwei albanische Priester waren, bat ich den kosovarischen Bischof Seine Exzellenz Mark Sopi selig, uns noch einen Priester hierhin zu schicken. Im Januar 2003 kam ich ins Zentrum der Albanischen Katholischen Mission in Sirnach. Nach meiner Ankunft hier erm\u00f6glichte uns Plattner, eine Industriehalle zum Zentrum der Mission umzugestalten, wo uns auch die Einrichtung einer Kapelle erlaubt wurde. Sp\u00e4ter beteiligten sich auch andere Kantone finanziell. In dieser Mission, also in der Mission f\u00fcr die Ostschweiz mit Sitz in Sirnach, fnden sich die meisten albanischen Katholiken in St. Gallen, n\u00e4mlich etwa 2700, dann folgt Z\u00fcrich mit 1400 und dann der Kanton Thurgau mit \u00fcber 1200, etc.\u201c<\/p>\n<p> Zum Schluss \u00e4ussert Don Marjan Marku den Wunsch, \u00fcber unser Portal allen Gl\u00e4ubigen seine W\u00fcnsche zu Weihnachten und Neujahr zu \u00fcberbringen, und zwar mit folgenden Worten: \u201eIch w\u00fcnsche ein Weihnachtsfest voller Freude ob Christi Geburt und ein Neues Jahr 2014 mit Gesundheit, Friede und lauter G\u00fcte.\u201c<\/p>\n<p> <strong>Blerim Shabani<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Don Marjan Marku arbeitet seit rund einem Jahr in der Katholischen Kirche der Schweiz. Im Gespr\u00e4ch mit albinfo.ch spricht er \u00fcber seine Erfahrungen in der Mission, \u00fcber den interreligi\u00f6sen Dialog, \u00fcber die Albaner in der Schweiz und anderes mehr<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":49060,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1137,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64671","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-religion","category-e-diaspora-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64671"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64671\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/49060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64671"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64671"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}