{"id":497624,"date":"2021-08-27T17:17:04","date_gmt":"2021-08-27T15:17:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=497624"},"modified":"2021-08-27T17:17:04","modified_gmt":"2021-08-27T15:17:04","slug":"omer-xhemaili-es-ist-unverantwortlich-sich-nicht-impfen-zu-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/omer-xhemaili-es-ist-unverantwortlich-sich-nicht-impfen-zu-lassen\/","title":{"rendered":"Omer Xhemaili: \u00abEs ist unverantwortlich, sich nicht impfen zu lassen\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Omer Dzemali leitet die Herzchirurgie am Z\u00fcrcher Stadtspital. Der in Nordmazedonien geborene Albaner sagt <em><strong>in einem Interview f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/es-ist-unverantwortlich-sich-nicht-impfen-zu-lassen-711999600171\">Tageseinzeiger<\/a><\/strong><\/em>, warum die Impfquote unter seinen Landsleuten tief ist und was sich dagegen tun l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Sie sind Herzchirurg,\u00a0Ihre Patienten m\u00fcssen oft auf die Intensivstation.\u00a0Jetzt liegen dort\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/patientenzahl-geht-steil-nach-oben-es-drohen-groessere-probleme-699144522010\">wieder viele Covid-Patienten<\/a>, darunter viele Menschen, die wie Sie\u00a0aus dem\u00a0Balkan stammen. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?<\/strong><\/p>\n<p>Als Herzchirurg bin ich abh\u00e4ngig von der Intensivstation. Es ist enorm wichtig, dass wir dort Kapazit\u00e4ten haben, um unsere Patienten behandeln zu k\u00f6nnen. Es ist beunruhigend, wenn jetzt die Zahlen wieder steigen, wenn die n\u00e4chste Welle kommt und wir unseren Patienten allenfalls nicht mehr die Qualit\u00e4t bieten k\u00f6nnen, die ihnen zusteht. Zudem ber\u00fchrt mich nat\u00fcrlich das Schicksal jedes einzelnen Patienten, unabh\u00e4ngig von seiner Herkunft.<\/p>\n<p><strong>Ein Viertel der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Albanischst\u00e4mmige Menschen stecken sich \u00fcberproportional oft mit Corona an, weil sie nicht geimpft sind, und erkranken so schwer, dass sie ins Spital und h\u00e4ufig sogar auf die Intensivstation m\u00fcssen. Wie ist das f\u00fcr Sie, der Sie selber aus dem Balkan stammen?<\/strong><\/p>\n<p>Es stimmt, dass bei uns im Triemli relativ viele albanischst\u00e4mmige Personen liegen, die gerade aus den Ferien zur\u00fcckgekommen sind, und zwar unterschiedlichen Alters. Ich finde es unverantwortlich, wenn man sich nicht impfen l\u00e4sst. Als Mediziner sehe ich keine Gr\u00fcnde, sich nicht zu impfen. Die Impfskepsis existiert allerdings nicht nur in der albanischen Community, sondern ist leider ziemlich weit verbreitet. Auch in der Schweiz insgesamt ist die Impfquote der vollst\u00e4ndig geimpften Personen immer noch viel zu tief \u2013 in einer Vielzahl von Kantonen unter 50 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Es f\u00e4llt auf, dass die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">Im<\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">pfquote i<\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">n<\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">den\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">Balkanstaaten\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">sehr\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/die-schweiz-hat-die-tiefste-impfabdeckung-in-westeuropa-392072828741\">tief<\/a>\u00a0ist, besonders in Kosovo, Nordmazedonien, Bosnien und Albanien. Woher kommt die Impfskepsis dort?<\/strong><\/p>\n<p>Man muss zwei Dinge unterscheiden: einerseits die Impfskepsis. Die gibt es sicher, aber ich glaube in nicht viel gr\u00f6sserem Ausmass als bei Schweizern. Andererseits ist die Impfquote so niedrig, weil die westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder nicht rechtzeitig Impfstoff geliefert haben. L\u00e4nder wie Serbien stehen etwas besser da, weil sie von Russland oder China beliefert wurden. Nordmazedonien und Kosovo hingegen sind westeurop\u00e4isch orientiert, sie erhielten sehr sp\u00e4t Biontech-Impfungen, und Moderna haben sie immer noch nicht im Angebot. Deswegen verz\u00f6gerte sich das Impfen, und deswegen kam es durch die Besuche aus der Diaspora im Sommer zu vielen Ansteckungen.<\/p>\n<p><strong>Waren Sie selber ebenfalls in Ihrer alten Heimat in den Ferien?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ich war in den Sommerferien dort. Ich bin oft wandern gegangen, wie ich das auch in der Schweiz gern tue. Nordmazedonien und Kosovo sind auch bergige L\u00e4nder. In den Hauptst\u00e4dten waren die Regeln recht streng, in den L\u00e4den galt Maskenpflicht. Je weiter aufs Land hinaus man ging, desto weniger wurden die Schutzmassnahmen eingehalten. Am wenigsten bei Festen und Hochzeiten. Da trafen viele Menschen ungesch\u00fctzt aufeinander. Inzwischen haben die Beh\u00f6rden in Kosovo die Regeln deutlich versch\u00e4rft \u2013 das Land steht kurz vor einem Lockdown.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zur Impfskepsis. Was sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p>Die Leute sind falsch informiert. Sie glauben Berichten, wonach mit der Impfung ein Mikrochip implantiert wird. Oder sie trauen der neuen Impftechnologie nicht. Es gab also einerseits diese kritischen Berichte, und andererseits wurden die Menschen zu wenig aufgekl\u00e4rt. Mich haben immer wieder Personen aus der Albaner-Community kontaktiert und gefragt, was ich von der Impfung halte. Ich sagte dann: Meine Kinder sind geimpft, ich bin geimpft, meine Frau ist geimpft. Das ist meine Haltung. Zudem stellte ich die Leute vor die Wahl: Corona-Infektion mit m\u00f6glicherweise schwerwiegenden Folgen oder eine Impfung, bei der wir bisher die \u00fcblichen Nebenwirkungen, aber kein Desaster gesehen haben. So konnte ich die Skepsis der Leute schnell aus dem Weg r\u00e4umen, und sie liessen sich impfen.<\/p>\n<p><strong>Kosovarisches Konsulat plant Kampagne mit Z\u00fcrcher Regierung<\/strong><\/p>\n<p><strong>Haben Sie sich \u00fcber Ihre pers\u00f6nlichen Kontakte hinaus f\u00fcrs Impfen engagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich an einer Kampagne der Gesellschaft albanischsprachiger \u00c4rzte beteiligt. Wir haben per Zoom Statements f\u00fcr die Impfung abgegeben, und die wurden dann auf staatlichen und privaten Fernsehkan\u00e4len in Kosovo, Nordmazedonien und Albanien ausgestrahlt.\u00a0Zudem gibt es Youtube-Videos\u00a0davon. Das wirkt. Ebenfalls wirkungsvoll ist, wenn die Haus\u00e4rzte unserer Gesellschaft ihre Patienten direkt ansprechen.<\/p>\n<p><strong>Es braucht also pers\u00f6nliche \u00dcberzeugungsarbeit. Was halten Sie von der Kampagne des Kantons, der die Menschen mit Migrationshintergrund mit Plakaten und Videos zum Impfen bewegen will?<\/strong><\/p>\n<p>Das hat nicht alle, aber doch einige erreicht \u2013 vor allem die junge Generation. Und die Secondos haben die M\u00f6glichkeit, die \u00e4ltere Generation zu \u00fcberzeugen, indem sie diese richtig informieren.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend der zweiten Welle mussten Sie wegen \u00dcberlastung der Intensivstation geplante Herzoperationen verschieben. Wurden Patientinnen oder Patienten dadurch gesch\u00e4digt?<\/strong><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hatten wir keine gravierenden Komplikationen. Wir mussten zwar Operationen verschieben, doch wir konnten ziemlich gut triagieren. Je nach Schwere der Erkrankung konnten wir die Patienten schneller oder weniger schnell operieren. Schwieriger war es, ihnen zu erkl\u00e4ren, dass sie warten m\u00fcssen. Denn oft haben sie Angst, dass w\u00e4hrend der Wartezeit etwas passieren k\u00f6nnte. Mittlerweile sind alle behandelt worden, die auf einer Warteliste waren.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen wir eine erneute \u00dcberlastung der Spit\u00e4ler noch abwenden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich hoffe es sehr, aber die Anzahl der Impfungen muss jetzt wieder deutlich zunehmen. Es ist jetzt sehr wichtig, dass wir die gesamte Bev\u00f6lkerung erreichen. Wir sind auf deren Mitwirkung angewiesen, damit wir f\u00fcr die Gesundheit der Menschen im Kanton Z\u00fcrich und dar\u00fcber hinaus sorgen k\u00f6nnen. Unsere Gesellschaft hat es selber in der Hand, sich aus der Fessel von Covid zu befreien. Wir alle wollen zu unserer alten Freiheit zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/es-ist-unverantwortlich-sich-nicht-impfen-zu-lassen-711999600171\">tagesanzeiger.ch<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Omer Dzemali leitet die Herzchirurgie am Z\u00fcrcher Stadtspital. Der in Nordmazedonien geborene Albaner sagt in einem Interview f\u00fcr Tageseinzeiger, warum die Impfquote unter seinen Landsleuten tief ist und was sich dagegen tun l\u00e4sst. Sie sind Herzchirurg,\u00a0Ihre Patienten m\u00fcssen oft auf die Intensivstation.\u00a0Jetzt liegen dort\u00a0wieder viele Covid-Patienten, darunter viele Menschen, die wie Sie\u00a0aus dem\u00a0Balkan stammen. 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