{"id":431745,"date":"2020-12-23T12:07:03","date_gmt":"2020-12-23T11:07:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=431745"},"modified":"2020-12-23T17:17:46","modified_gmt":"2020-12-23T16:17:46","slug":"ein-spannender-beitrag-ueber-die-sprachentwicklung-der-albanischen-kinder-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/ein-spannender-beitrag-ueber-die-sprachentwicklung-der-albanischen-kinder-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Ein spannender Beitrag \u00fcber die Sprachentwicklung der albanischen Kinder in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Driter Gjukaj, angehender Primarlehrer aus der Schweiz, hat einen Podcast (Interviewreihe) \u00fcber die Sprachentwicklung der albanischen Kinder in der Diaspora erstellt. Im Interview mit Albinfo.ch berichtet er uns \u00fcber seine Erfahrungen w\u00e4hrend der Realisierung seines Projektes.<\/p>\n<p>Gjukaj redet auch \u00fcber die Rolle der Eltern w\u00e4hrend der Einschulung und \u00fcber die Wichtigkeit, dass interessierten Eltern professionelle Beratungsangebote f\u00fcr die Umgebungssprache ihrer Kinder zug\u00e4nglich gemacht werden sollte.<\/p>\n<p><strong>Wie kamst du zu der Idee einen solchen Podcast zu erstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Podcast entwickelte sich im Verlauf meines Studiums an der P\u00e4dagogischen Hochschule in Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Thematisch interessierte ich mich f\u00fcr Schwierigkeiten in der Transititonphase aus Sicht des Kindes. Dabei fokussierte ich mich auf die Perspektive von Kindern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, in meinem Fall Kinder aus albanischsprachigen Familien. Um Antworten zu meiner Leitfrage zu finden, habe ich vier verschiedene Familien und ihre Kinder w\u00e4hrend der Einschulungsphase\u00a0 begleitet und portr\u00e4tiert. Meine Beobachtungen und Befunde habe ich in einem abschliessenden Interview zusammen mit der Logop\u00e4din und Expertin f\u00fcr fr\u00fche Sprachbildung Frau Ivana Chatton besprochen. W\u00e4hrend dieser Zeit musste ich in den sozialen Netzwerken nach freiwilligen Familien f\u00fcr meine Interviewreihe suchen und dabei wurde ich von einer engagierten Journalistin in der Diaspora kontaktiert, namentlich Frau Hava Kurti Krasniqi. Sie ermutigte mich meine Resultate zu ver\u00f6ffentlichen. Daher kam auch meine Idee auf meine Interviewreihen in Form eines Podcasts zusammenzufassen.<\/p>\n<p><strong>Auf welche Befunde bist du gestossen?<\/strong><\/p>\n<p>Zusammengefasst bin ich auf drei verschiedene Resultate gestossen. W\u00e4hrend der ersten Recherche habe ich einen Vergleich zwischen Kindern, die vor Schulbeginn in Familien nur auf Albanisch erzogen wurden, mit Kindern, die zu Hause w\u00e4hrend der Vorschulzeit Albanisch und Deutsch sprachen, gemacht. Das Ergebnis war erstaunlich, denn Erfolg oder Misserfolg in der \u00dcbergangsphase aus Sicht von Kindern h\u00e4ngt, gem\u00e4ss meinen Ergebnissen, nicht davon ab, ob ein Kind zu Hause in einer oder in zwei Sprachen erzogen wird. F\u00fcr beide Arten des Spracherwerbs gibt es Beispiele, die von einem erfolgreichen \u00dcbergang in der Schule sprechen, sowie Beispiele mit langfristigen Sprachschwierigkeiten.<\/p>\n<p>In der zweiten Untersuchung habe ich die Tatsache analysiert, warum bei vielen Minderheiten auf der ganzen Welt festgestellt werden kann, dass Kinder mit Migrationshintergrund bereits in der ersten und zweiten Generation besser und h\u00e4ufiger in der Landessprache oder in der Schulsprache kommunizieren und warum die erste Sprache (in unserem Fall die albanische Sprache) schrittweise verloren geht. Im Bereich der Sprachentwicklungswissenschaft wird dieses Ph\u00e4nomen als Ph\u00e4nomen der subtraktiven Zweisprachigkeit definiert. Dies ist der Fall, wenn Kinder in der Diaspora nur die Amtssprache (Deutsch) lernen, w\u00e4hrend die Muttersprache (Albanisch) weder in der Schule noch ausserhalb der Schule professionell gef\u00f6rdert wird. Beim gegenteiligen Ph\u00e4nomen wird von der Entwicklung einer additiven Zweisprachigkeit gesprochen. In diesem Fall wird die zweite Sprache, Deutsch, auf Grundlage der albanischen Muttersprache gelernt. Daher verl\u00e4uft die Sprachentwicklung aufeinander aufbauend und parallel.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die parallele Sprachentwicklung ist eine professionelle Beratung der Eltern erforderlich. Woher sollten Eltern mit einsprachiger Sozialisation (nur Albanisch) \u00fcber die schulischen Bed\u00fcrfnisse und Schwierigkeiten zweisprachiger Kinder (Albanisch und Deutsch) Bescheid wissen?<\/strong><\/p>\n<p>In der dritten Untersuchung sprach ich mit Frau Chatton \u00fcber Kinder, die beide Sprachen mischen, und dar\u00fcber, was in diesen F\u00e4llen von uns als Eltern oder Lehrpersonen verlangt wird. Frau (kein Punkt) Chatton sagt, dies sei eine nat\u00fcrliche Entwicklung zweisprachiger Kinder. F\u00fcr die Eltern ist es wichtig, Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu zeigen, dass das Kind auch weiss, wie man sich in einer Fremdsprache (Deutsch) ausdr\u00fcckt, und dass die P\u00e4dagogen die Vielfalt der Sprachen in ihrem Klassenzimmer respektieren sollten. Die gleichzeitige Verwendung zwischen der Erst- und Zweitsprache von bilingualen Kindern sollte keinesfalls vollst\u00e4ndig verboten werden. Optimalerweise sollte dieser Fall verwendet werden, um mit dem zweisprachigen Kind in einem Dialog \u00fcber Sprachvielfalt zu treten. \u201eAh du hast ein Deutsches Wort verwendet, wei\u00dft du auch wie man dieses Wort auf Albanisch \u00fcbersetzt?\u201c Wenn beispielsweise ein Kind w\u00e4hrend eines Gespr\u00e4chs auf Albanisch ein deutsches Wort bringt, definieren wir als Experten dieses Ph\u00e4nomen als \u201cCode-Switching\u201d. Dies ist keinesfalls eine Schw\u00e4che oder eine Sprachst\u00f6rung, sondern eine positive Eigenschaft, die zweisprachige Kinder mitbringen. Dieses Ph\u00e4nomen kann in vielen mehrsprachigen Familien und Kulturen beobachtet werden und ist normal. Wenn das Kind die beiden Sprachen zusammen verwendet, ist es hier wichtig, auch die Verwendung der richtigen Grammatik zu ber\u00fccksichtigen. F\u00fcr eine grosse Anzahl von Migrantenkindern, f\u00fcgt Frau Chatton hinzu, ist es zu einer Art Trend geworden, \u201cnicht grammatisch\u201d zu sprechen. Solange ein Kind jedoch bewusst zwischen beiden Grammatikstrukturen unterscheiden kann, ist dieses Ph\u00e4nomen auch keine Schw\u00e4che, sondern eine charakteristische St\u00e4rke zweisprachiger Kinder. Experten sprechen in diesem Fall auch \u00fcber die metalinguistische Bewusstheit.<\/p>\n<p><strong>Planen Sie es ins Albanische zu \u00fcbersetzen?\u00a0Drit\u00ebr Gjukaj:<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde diesen Podcast gerne ins Albanische \u00fcbersetzen. Es ist aber eher eine Frage des Aufwandes und der Zeit, ob ich mich auf ein weiteres Projekt einlassen werde. Was ich pr\u00e4sentiere, entwickelte sich innerhalb eines Semesterstudiums.\u00a0Dieses Thema hat mich in diesem Schuljahr in meiner Rolle als Vater von zwei schulpflichtigen Kindern besch\u00e4ftigt, und ich bin sicher, dass es in Zukunft auch ein Thema f\u00fcr andere Familien sein wird, daher teile ich meine Erkenntnisse gerne weiter.<\/p>\n<p>Albinfo.ch: Wie wichtig ist es f\u00fcr albanische Kinder, in der Schweiz ihre Muttersprache zu lernen?\u00a0Drit\u00ebr Gjukaj: Jede Familie sollte sich diese Frage selbst stellen und sich der eigenen Verantwortung sowohl in ihrer Rolle als Eltern als auch in ihrer Rolle als Mitglieder einer sprachlichen Minderheit in der Schweiz bewusst sein. Meiner Meinung nach sind meine Ergebnisse selbsterkl\u00e4rend. F\u00fcr mich ist es wichtig, dass sich meine Kinder sowohl auf Albanisch als auch auf Deutsch gut und kompetent ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Soziologie spricht davon, dass Minderheiten nur so stark sein k\u00f6nnen, wie ihr Herkunftsland (dh verantwortliche Institutionen) sie auch aktiv unterst\u00fctzt und st\u00e4rkt. W\u00e4hrend meiner Arbeit habe ich auf den zweisprachigen Unterricht in Amerika (Portugiesisch-Englisch) und in Deutschland (T\u00fcrkisch-Deutsch) aufmerksam gemacht, die Studienergebnisse haben dabei deutlich gezeigt, dass es sehr wohl Minderheiten gibt, die in der Lage sind, ihre Kinder in der Diaspora in zwei Sprachen erfolgreich zu erziehen. (Additiver Bilingualismus)<\/p>\n<p><strong>Wer ist Drit\u00ebr Gjukaj?<\/strong>\u00a0Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und ich habe hier in Z\u00fcrich das Gymnasium abgeschlossen. Mein Grossvater Tahir Gjukaj wanderte 1973 in Embrach ein und meine drei Kinder leben nach ihm bereits in der vierten Generation in der Schweiz. Ich bin sehr stolz auf meine kosovarischen Wurzeln. Daher versuche ich zusammen mit meiner Ehefrau unsere Kinder auch im Alltag unsere Sprache und Kultur zu vermitteln. Im Jahr 2023 k\u00f6nnen wir das 50-j\u00e4hrige Bestehen der Familie Gjukaj in der Schweiz feiern. Ich habe im Jahr 2016 angefangen an der P\u00e4dagogischen Hochschule in Z\u00fcrich zu studieren. W\u00e4hrend dem Studium habe ich in Z\u00fcrich-Leimbach und Wettingen als Primarlehrer gearbeitet. Ich werde voraussichtlich im Sommer 2021 meine Ausbildung abschliessen.<\/p>\n<p>Podcast:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rSYnPle13Pg&amp;feature=youtu.be\"><strong>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rSYnPle13Pg&amp;feature=youtu.be<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Driter Gjukaj, angehender Primarlehrer aus der Schweiz, hat einen Podcast (Interviewreihe) \u00fcber die Sprachentwicklung der albanischen Kinder in der Diaspora erstellt. 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