{"id":410061,"date":"2020-09-25T12:00:25","date_gmt":"2020-09-25T10:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=410061"},"modified":"2020-09-25T11:29:49","modified_gmt":"2020-09-25T09:29:49","slug":"nehmen-wir-unsere-verantwortung-wahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/nehmen-wir-unsere-verantwortung-wahr\/","title":{"rendered":"\u00abNehmen wir unsere Verantwortung wahr\u00bb"},"content":{"rendered":"<div class=\"contentHead\">\n<p><strong style=\"font-size: 16px;\">Bundespr\u00e4sidentin Simonetta Sommaruga, Videobotschaft f\u00fcr die Generaldebatte der 75. Generalversammlung der UNO<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"mod mod-nsbnewsdetails\">\n<p>(Es gilt das gesprochene Wort)<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Pr\u00e4sident der Generalversammlung,<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Generalsekret\u00e4r der Vereinten Nationen,<\/p>\n<p>Sehr geehrte Staats- und Regierungspr\u00e4sidentinnen und \u2013pr\u00e4sidenten,<\/p>\n<p>Exzellenzen,<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>Es gibt Momente, die ganze Generationen pr\u00e4gen. Die Gr\u00fcndung der Vereinten Nationen vor 75\u00a0Jahren war ein solcher Moment. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir unseren Eltern dankbar sein. D\u00fcrfen wir uns heute trotzdem einen kritischen Blick auf die UNO erlauben? Ja, wir d\u00fcrfen&#8230; Wir m\u00fcssen sogar.<\/p>\n<p>Auch 75\u00a0Jahre sp\u00e4ter gibt es immer noch Kriege, mehr Fl\u00fcchtlinge und Vertriebene als je zuvor, eine Klimakrise, f\u00fcr die noch keine L\u00f6sung in Sicht ist, Millionen von Menschen, die Hunger leiden, und die Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern ist immer noch nicht Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten die UNO daf\u00fcr kritisieren \u2013 aber wen meinen wir im Grunde, wenn wir von der \u00abUNO\u00bb sprechen? \u2013 Wir sprechen im Wesentlichen von uns selbst, denn die UNO das sind ihre Mitgliedstaaten. Und diese behindern oft die Arbeit der UNO. Sie blockieren Entscheide oder setzen diese nicht um, sie torpedieren Resolutionen und verstossen gegen deren Grunds\u00e4tze.<\/p>\n<p>Dies schw\u00e4cht die UNO. Und dadurch schw\u00e4chen wir uns alle. Wenn wir eine starke UNO wollen, m\u00fcssen wir, die Mitgliedstaaten, die Organisation mit Entschlossenheit unterst\u00fctzen und gemeinsam ihre Ziele verfolgen. Denn die Ziele der UNO sind auch\u00a0<i>unsere<\/i>\u00a0Ziele.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit geopolitischer Spannungen. Viele Staaten erleben zudem eine immer st\u00e4rkere innenpolitische Polarisierung.<\/p>\n<p>Die UNO ist heute mehr denn je unverzichtbar f\u00fcr die F\u00f6rderung von Frieden und Sicherheit in der Welt. Sie steht f\u00fcr die Einhaltung der Menschenrechte, f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung sowie eine regelbasierte internationale Ordnung. Wir t\u00e4ten also gut daran, gemeinsam die Ziele der UNO zu verfolgen, denn sie kommen uns allen zugute und st\u00e4rken uns.<\/p>\n<p>Mein Land ist stolz auf den Beitrag, den es zur Erreichung der UNO-Ziele leistet, auch wenn dies nicht immer einfach ist. Es ist schwierig, die gemeinsam vereinbarten Ziele \u2013 zum Beispiel im Klimabereich oder bei der Geschlechtergleichstellung \u2013 in nationale Politiken zu \u00fcberf\u00fchren. Aber daf\u00fcr wurden wir alle, Politikerinnen und Politiker, gew\u00e4hlt: um unserer jeweiligen Bev\u00f6lkerung und der Menschheit im Allgemeinen ein menschenw\u00fcrdiges Leben in Freiheit und Sicherheit zu bieten.<\/p>\n<p>Mein Land tritt auch f\u00fcr eine regelbasierte internationale Ordnung ein. Wir engagieren uns f\u00fcr das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht und die Konfliktpr\u00e4vention und bieten unsere guten Dienste dort an, wo sie erw\u00fcnscht sind. Mein Land ist bereit, noch mehr Verantwortung zu \u00fcbernehmen, und aus diesem Grund kandidiert die Schweiz zum ersten Mal f\u00fcr einen nichtst\u00e4ndigen Sitz im Sicherheitsrat f\u00fcr den Zeitraum 2023\u20132024.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich unterst\u00fctzt die Schweiz vorbehaltlos den Aufruf des UNO-Generalsekret\u00e4rs zu einem globalen Waffenstillstand. Aber was k\u00f6nnen wir \u00fcber einen solchen Aufruf hinaus sonst noch tun?<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen noch mehr in die Konfliktpr\u00e4vention investieren. Auch hier m\u00fcssen die Menschenrechte im Zentrum unseres Handelns stehen. Das \u00abinternationale Genf\u00bb tr\u00e4gt in diesem Sinn auch zur Konfliktpr\u00e4vention bei, indem es zum Beispiel den Menschenrechtsrat oder das Sekretariat des Waffenhandelsvertrags beherbergt.<\/p>\n<p>Der Internationale Strafgerichtshof setzt sich f\u00fcr die Umsetzung des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts ein, indem er die schlimmsten Verbrechen verfolgt. Wir best\u00e4tigen hier unsere Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Internationalen Strafgerichtshof als integralen Bestandteil einer regelbasierten internationalen Ordnung. Um den Austausch \u00fcber gute Praktiken zur Einhaltung dieser humanit\u00e4ren Normen zu erleichtern, ver\u00f6ffentlichte die Schweiz als eines der ersten L\u00e4nder einen freiwilligen Bericht \u00fcber deren nationale Umsetzung. Die Schweiz w\u00fcrde sich freuen, wenn andere L\u00e4nder ihrem Beispiel folgen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch wenn es richtig ist, Konflikte zu vermeiden versuchen und alles zu unternehmen, um die schlimmsten humanit\u00e4ren Folgen zu lindern, ist es auch wichtig, die anhaltenden Konflikte dauerhaft zu l\u00f6sen. Als Hauptstadt des Friedens tr\u00e4gt das \u00abinternationale Genf\u00bb dazu bei, indem es den Konfliktparteien einen Rahmen bietet, der einen Dialog erlaubt.<\/p>\n<p>Die Friedenspolitik der Schweiz beruht auf den Grundpfeilern ihrer politischen Kultur. Dazu geh\u00f6ren Gewaltenteilung, Dialogbereitschaft, Toleranz und Ber\u00fccksichtigung der Interessen aller. Die Schweiz beabsichtigt, ihre Kapazit\u00e4ten und Expertise in den Bereichen der Mediation und Fazilitation weiter zu st\u00e4rken, um all jene zu unterst\u00fctzen, die Konflikte mittels Dialog beilegen wollen.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren<\/p>\n<p>Das \u00abinternationale Genf\u00bb tr\u00e4gt nicht nur zu Frieden und Sicherheit in der Welt bei, sondern ist auch der Sitz der Weltgesundheitsorganisation, die seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie eine so entscheidende Rolle spielt.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Gesundheitskrise hat weltweit uns\u00e4gliches Leid verursacht. Es sind die Schw\u00e4chsten, die am st\u00e4rksten betroffen sind: das Kind im \u00fcberf\u00fcllten Fl\u00fcchtlingslager, die alleinerziehende Mutter, die ihre Arbeit verloren hat, der Jugendliche, dessen Berufsaussichten zunichtegemacht wurden, oder \u00e4ltere und kranke Menschen, die besonders gef\u00e4hrdet sind.<\/p>\n<p>Mein Land ist bestrebt, diese Pandemie so gut wie m\u00f6glich zu meistern.<\/p>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation spielt bei der Bek\u00e4mpfung dieser Pandemie eine zentrale Rolle. Als Gaststaat der WHO und anderer internationaler Organisationen im Gesundheitsbereich setzt sich die Schweiz daf\u00fcr ein, dass diese Organisationen wirksam vorgehen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr muss die WHO \u00fcber gen\u00fcgend Ressourcen verf\u00fcgen und von uns allen unterst\u00fctzt werden, damit sie ihre Reformen umsetzen kann. Ist es fair, von dieser Organisation so viel zu verlangen, wenn sie doch zu 80 Prozent von freiwilligen Beitr\u00e4gen abh\u00e4ngt?<\/p>\n<p>Neben der notwendigen Bek\u00e4mpfung der aktuellen Pandemie geht es heute auch darum, \u00fcber die Welt nach der Krise nachzudenken, die nicht mehr ganz die gleiche sein wird. Jede Krise ist schmerzhaft, aber auch ein Moment des Wandels, der es uns erlaubt, uns neu zu erfinden.<\/p>\n<p>Erfinden wir uns also neu und orientieren wir uns dabei an den Zielen, die wir uns bei der Gr\u00fcndung der UNO vor 75\u00a0Jahren gesetzt haben.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren<\/p>\n<p>Es gibt Momente, die ganze Generationen pr\u00e4gen. In solchen Momenten sind entschlossene und mutige Handlungen gefragt. Das gilt auch heute. F\u00fcr mein Land geh\u00f6ren die Umsetzung der Agenda 2030 f\u00fcr nachhaltige Entwicklung und des Klima\u00fcbereinkommens von Paris sowie ein verst\u00e4rktes Engagement f\u00fcr den Frieden zu den dringlichsten Aufgaben.<\/p>\n<p>Als politische Vertreterinnen und Vertreter unserer L\u00e4nder liegt es in unserer Verantwortung, die richtigen Entscheide zum Wohl der Menschheit und der Erde zu treffen. Nehmen wir diese Verantwortung wahr.<\/p>\n<p>St\u00e4rken wir die Handlungsf\u00e4higkeit der UNO und sorgen wir daf\u00fcr, dass die Generationen von morgen stolz sein k\u00f6nnen auf die Entscheide, die wir heute f\u00e4llen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die UNO ist heute mehr denn je unverzichtbar f\u00fcr die F\u00f6rderung von Frieden und Sicherheit in der Welt. 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