{"id":405367,"date":"2020-09-07T12:20:03","date_gmt":"2020-09-07T10:20:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=405367"},"modified":"2020-09-08T12:05:36","modified_gmt":"2020-09-08T10:05:36","slug":"offizielle-eroeffnung-des-ceneri-basistunnels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/offizielle-eroeffnung-des-ceneri-basistunnels\/","title":{"rendered":"Offizielle Er\u00f6ffnung des Ceneri-Basistunnels"},"content":{"rendered":"<div class=\"mod mod-nsbnewsdetails\">\n<p>Sehr geehrte Frau Bundespr\u00e4sidentin Simonetta Sommaruga,<br \/>\nEgregio presidente del Governo ticinese Norman Gobbi,<br \/>\nSehr geehrter Herr St\u00e4nderatspr\u00e4sident Hans St\u00f6ckli,<br \/>\nMonsieur le Directeur g\u00e9n\u00e9ral des CFF Vincent Ducrot,<br \/>\nSehr geehrter CEO der ATG Herr Dieter Schwank,<br \/>\nStimati consiglieri di Stato,<br \/>\nStimati parlamentari,<br \/>\nGentili signore e signori,<\/p>\n<p><strong>Eine Vision wird wahr<br \/>\n<\/strong><br \/>\nHeute wird eine Vision wahr. Entwickelt wurde sie bereits im Jahr 1947, als der Basler Ingenieur und Verkehrsplaner Carl Eduard Gruner den ersten Vorschlag f\u00fcr einen Basistunnel durch das imposante Gotthardmassiv skizzierte.<\/p>\n<p>Es heisst, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen. Ich finde, Visionen sind manchmal ganz gesund, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich Arzt bin!<\/p>\n<p>Derselben Meinung war 1989 wohl auch der Bundesrat: Er \u00fcbernahm Gruners Vision nicht nur, sondern entwickelte sie weiter und lancierte ein Projekt, das neben dem Gotthard-Basistunnel auch den L\u00f6tschberg- und den Ceneri-Basistunnel vorsah. Mit dem Ceneri weihen wir heute das letzte Teilst\u00fcck dieses vision\u00e4ren Werks ein.<\/p>\n<p>Wenn Sie mich fragen, grenzt das Ganze schon fast an Arroganz: Diese Schweizerinnen und Schweizer, ein Zusammenschluss verschiedener Kulturen um das Alpenmassiv, haben ihren Ehrgeiz daran gesetzt, die Berge niederzureissen. Sie haben sich vorgenommen, eine Flachbahn durch die Alpen zu bauen!<\/p>\n<p>Nobelpreistr\u00e4ger Carl Spitteler schrieb einmal, wenn die Schweizer die Alpen h\u00e4tten erfinden m\u00fcssen, h\u00e4tten sie sie viel kleiner gemacht. Er umschrieb damit den typisch schweizerischen Ansatz, alles, was \u00fcbertrieben scheint, auf ein \u00abvern\u00fcnftiges Mass zu reduzieren\u00bb. Da wir die Alpen nicht erfunden haben, bleibt uns nichts anderes \u00fcbrig, als k\u00fchne Werke zu wagen!<\/p>\n<p><strong>Kitt f\u00fcr den Zusammenhalt der Schweiz<br \/>\n<\/strong><br \/>\nMeine Damen und Herren<br \/>\nDie NEAT ist ein wichtiger Kitt f\u00fcr den Zusammenhalt unseres Landes. So wie der Gotthard die Schweiz zusammengekittet hat, bringt der Ceneri-Tunnel das Tessin zusammen.<\/p>\n<p>Der Ceneri bringt uns n\u00e4her zueinander: In Zukunft wird es nur noch ein Katzensprung sein von der Gemeinde von Marco Borradori bis zur Gemeinde von Mario Branda \u2013 beziehungsweise bis zum Rabadan, wenn das Virus Fasnachtsfeiern wieder zul\u00e4sst. Die Konkurrenz zwischen dem Luganer- und dem Langensee k\u00f6nnte sich versch\u00e4rfen. Auch vom Estival zum Festival gelangt man mit dem Zug im Nu.<\/p>\n<p>Gleichzeitig lockt uns die NEAT etwas mehr auf die Alpennordseite. Dieses Pendeln zwischen S\u00fcden und Norden, das mein Leben als Nationalrat und jetzt auch als Bundesrat bestimmt, ist ein zentraler Bestandteil unserer Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Zwischen uns und unseren Landsleuten gibt es vielf\u00e4ltige Unterschiede, etwa in Sachen Kultur, Sprache, Humor oder Mode. Was die Schweiz zusammenkittet, sind unsere Institutionen: der F\u00f6deralismus, die direkte Demokratie, das Milizprinzip, die Neutralit\u00e4t, unsere Bescheidenheit, hinter der sich ein innovativer, manchmal sogar vision\u00e4rer Geist verbirgt, den wir vielleicht der Topografie unseres Landes zu verdanken haben.<\/p>\n<p><strong>Die grossen Baustellen zwischen Freude und Furcht<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDiese \u00abSwissness\u00bb reist auf Schienen. Die Eisenbahn brachte Industrie und Tourismus sowie einen gewissen Wohlstand ins Tessin. Die Eisenbahn erm\u00f6glichte uns 1882 die vollumf\u00e4ngliche Teilhabe am jungen Bundesstaat, der zu diesem Zeitpunkt gerade mal vierzig Jahre alt war. Dann kamen die Strasse, der Autobahntunnel und leider auch Verkehrsstaus und Unf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Das Schweizer Volk ist aber nicht stehen geblieben. 2016 sagten die Schweizerinnen und Schweizer Ja zur zweiten Autobahnr\u00f6hre \u2013 aus Sicherheits\u00fcberlegungen und zur Gew\u00e4hrleistung der wertvollen Verbindung zwischen der italienischsprachigen Schweiz und dem Rest des Landes. Und viel fr\u00fcher, 1992 und 1998, hatte das Volk Investitionen in Milliardenh\u00f6he gutgeheissen, um den G\u00fcterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.<\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrfen wir aber nicht vergessen, dass manche einen hohen Preis f\u00fcr diesen Fortschritt bezahlten. Auf den Eisenbahnbaustellen des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts kamen viele Arbeiter ums Leben. Auch beim Bau der NEAT waren Todesopfer zu beklagen, zwar viel weniger, aber deswegen nicht minder tragische F\u00e4lle. Heute sind unsere Gedanken daher auch bei den Verstorbenen.<\/p>\n<p>Wie alle Ver\u00e4nderungen l\u00f6sten auch diese Baustellen Bef\u00fcrchtungen aus. Im Tessin stiess die Eisenbahn zwar auf Begeisterung. Im Kanton Uri hingegen gab es Leute, die den ersten Zug mit einer schwarzen Armbinde empfingen. Die Eisenbahn bedeutete n\u00e4mlich den wirtschaftlichen Untergang der S\u00e4umer, die die Waren auf Lasteseln \u00fcber den Pass transportiert hatten.<\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4isches Teilst\u00fcck<br \/>\n<\/strong><br \/>\nMeine Damen und Herren<\/p>\n<p>Die Schweiz ist aufgrund ihrer geografischen Lage entstanden und gewachsen: im Herzen der Alpen, in der Mitte Europas. Sie liegt an einer ebenso wichtigen wie steinigen Verkehrsachse, am Schnittpunkt verschiedener europ\u00e4ischer Kulturen, zwischen S\u00fcden und Norden.<\/p>\n<p>Mit der Fertigstellung des zukunftsweisenden Grossprojekts unterstreichen wir unsere Zugeh\u00f6rigkeit zum europ\u00e4ischen Kontinent, der auch heute eminent wichtig ist f\u00fcr unseren Wohlstand. Die Schweiz formte sich in der st\u00e4ndigen Auseinandersetzung mit Europa, den europ\u00e4ischen Staaten und der Europ\u00e4ischen Union, der die meisten dieser L\u00e4nder heute angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Seit sieben Jahrhunderten suchen wir \u2013 mit H\u00f6hen und Tiefen \u2013 nach pragmatischen L\u00f6sungen, die unsere Identit\u00e4t festigen und gleichzeitig die Offenheit bewahren, die f\u00fcr unseren Erfolg, unseren wirtschaftlichen Wohlstand, unseren kulturellen und wissenschaftlichen Reichtum und unsere Innovationskraft notwendig ist.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass das letzte Teilst\u00fcck der NEAT dieses Bewusstsein st\u00e4rkt und unser Verh\u00e4ltnis zu Europa f\u00f6rdert, das heute dank der bilateralen Abkommen mit der Europ\u00e4ischen Union stabil geregelt ist.<\/p>\n<p>Heute sagen wir Ja zur Schweiz! Wir sagen Ja zu den pulsierenden Schlagadern, die uns mit unserem Kontinent verbinden. Furchtlos und stolz auf unsere Identit\u00e4t!<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit!<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Schweizer Ceneri-Basistunnel er\u00f6ffnet\" width=\"587\" height=\"330\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3R4Zvthizyk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Fahrt durch den Ceneri-Basistunnel\" width=\"587\" height=\"330\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/tAqW0jtQERE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bern,\u00a004.09.2020\u00a0&#8211;\u00a0Camorino, 04.09.2020 &#8211; Rede von Bundesrat Ignazio Cassis anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnungsfeier &#8220;Ceneri2020&#8221; &#8211; Es gilt das gesprochene Wort<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":404558,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24693,24006,24631,1140,1149],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-405367","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-albinfo-plus-de","category-lajme-jeta-ne-zvicer-de","category-nachrichten-de-2","category-leben-in-der-schweiz","category-albinfo-tv-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=405367"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405367\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/404558"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=405367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=405367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=405367"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=405367"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=405367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}