{"id":373821,"date":"2020-04-26T15:02:32","date_gmt":"2020-04-26T13:02:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=373821"},"modified":"2020-04-26T15:02:32","modified_gmt":"2020-04-26T13:02:32","slug":"staerkster-rueckgang-des-bip-seit-jahrzehnten-erwartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/staerkster-rueckgang-des-bip-seit-jahrzehnten-erwartet\/","title":{"rendered":"St\u00e4rkster R\u00fcckgang des BIP seit Jahrzehnten erwartet"},"content":{"rendered":"<p>Die Expertengruppe Konjunkturprognosen rechnet f\u00fcr 2020 mit einem R\u00fcckgang des Sporteventbereinigten BIP von \u22126,7 % (Prognose von M\u00e4rz 2020: \u22121,5 %) bei einer jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenquote von 3,9 %. Dies w\u00e4re der st\u00e4rkste Einbruch der Wirtschaftsaktivit\u00e4t seit 1975.<\/p>\n<p>Angesichts der steigenden Anzahl Covid-19-Erkrankungen in der Schweiz wurden Mitte M\u00e4rz einschneidende gesundheitspolitische Eind\u00e4mmungsmassnahmen n\u00f6tig. Zahlreiche Betriebe mussten ihre Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten einschr\u00e4nken oder unterbrechen, etwa im Gastgewerbe, im Detailhandel sowie im Kultur- und Freizeitbereich. Dies hat zu einem abrupten R\u00fcckgang der Produktion und der privaten Konsumausgaben gef\u00fchrt. Gleichzeitig hat sich das internationale Umfeld rapide verschlechtert. Internationale Lieferketten sind teilweise<br \/>\ngest\u00f6rt. F\u00fcr die erste Jahresh\u00e4lfte 2020 ist mit einem sehr starken R\u00fcckgang des BIP zu rechnen.<\/p>\n<p>Im Zuge der geplanten Lockerungen der gesundheitspolitischen Massnahmen sollte eine moderate Erholung einsetzen. Erlittene Einkommensverluste aufgrund gestiegener Kurzarbeits- und Arbeitslosenzahlen sowie die grosse wirtschaftliche Unsicherheit begrenzen aber die Aufholeffekte beim privaten Konsum in der zweiten Jahresh\u00e4lfte. Vorsichtsmassnahmen seitens der Beh\u00f6rden, der Unternehmen und der Privatpersonen, um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, d\u00fcrften die Konsumneigung zus\u00e4tzlich d\u00e4mpfen. In der Summe k\u00f6nnte der private Konsum 2020 st\u00e4rker zur\u00fcckgehen als das BIP.<\/p>\n<p>Die Expertengruppe geht zudem davon aus, dass sich die Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen ebenfalls nur schleppend erholt; wichtige Handelspartner, insbesondere die grossen s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4nder, d\u00fcrften verst\u00e4rkt mit anhaltenden Folgen der Corona-Krise zu k\u00e4mpfen haben. Darunter leiden insbesondere die konjunktursensitiven Bereiche des Schweizer Aussenhandels. Insgesamt d\u00fcrften die Produktionskapazit\u00e4ten in der Schweiz deutlich unterausgelastet und die Unsicherheit ausserordentlich gross sein, was mit einem sehr starken R\u00fcckgang der Investitionen sowie einem Besch\u00e4ftigungsabbau einhergeht.<\/p>\n<p>Unter der Voraussetzung, dass die gesundheitspolitischen Massnahmen weiter gelockert werden k\u00f6nnen, dass weitere starke Pandemiewellen mit vergleichbar einschr\u00e4nkenden Massnahmen ausbleiben, und dass die wirtschaftlichen Zweitrundeneffekte in Form von Entlassungen, Kreditausf\u00e4llen und Firmenkonkursen begrenzt bleiben, d\u00fcrfte sich die langsame Wiederbelebung der Schweizer Wirtschaft 2021 fortsetzen. Unterbrochene produktive T\u00e4tigkeiten und Lieferketten d\u00fcrften allm\u00e4hlich wieder aufgenommen werden; die Exportwirtschaft profitiert von einer langsamen Normalisierung der Auslandnachfrage. Auch im Inland sollten sich Konsum- und Investitionsausgaben schrittweise erholen.<\/p>\n<p>Die Expertengruppe erwartet, dass das BIP der Schweiz 2021 um 5,2 % steigt (Prognose von M\u00e4rz: 3,3 %). Dies entspricht einem relativ langsamen Anstieg, ausgehend von einem sehr tiefen Niveau; der Stand des BIP von Ende 2019 wird innerhalb des Prognosehorizonts daher noch nicht erreicht. Auch am Arbeitsmarkt w\u00fcrde sich die Lage nur z\u00f6gerlich verbessern: Die Arbeitslosigkeit sollte 2021 weiter auf 4,1 % ansteigen, die Besch\u00e4ftigung nur geringf\u00fcgig wachsen.<\/p>\n<p><strong>Konjunkturrisiken<\/strong><br \/>\nF\u00fcr M\u00e4rz und April stehen bislang noch wenig \u00ab harte \u00bb Daten zur Verf\u00fcgung, sodass es schwer bleibt, den R\u00fcckgang der Wirtschaftsaktivit\u00e4t genau zu quantifizieren. Auch f\u00fcr den weiteren Verlauf ist die Prognoseunsicherheit ausserordentlich gross.<\/p>\n<p>Einerseits k\u00f6nnte sich die Wirtschaft schneller erholen als in der Prognose unterstellt; dies etwa, falls sich die Konsumentinnen und Konsumenten im Inland weniger durch das Coronavirus verunsichern lassen oder die Aufholbewegung im Ausland kr\u00e4ftiger ausf\u00e4llt als erwartet. Andererseits k\u00f6nnten die Pandemie und damit verbundene Eind\u00e4mmungsmassnahmen aber auch l\u00e4nger andauern als angenommen, was die Erholung stark bremsen w\u00fcrde. Zudem k\u00f6nnten st\u00e4rkere Zweitrundeneffekte eintreten, etwa regelrechte Entlassungs- und Konkurswellen. Davon w\u00e4ren weitere massive wirtschaftliche Auswirkungen \u00fcber den gesamten Prognosehorizont zu erwarten.<\/p>\n<p>Die Covid-19-Pandemie verst\u00e4rkt auch bereits bestehende Konjunkturrisiken. Insbesondere erh\u00f6ht sich die Verschuldung von Staaten weltweit angesichts der n\u00f6tigen Stabilisierungs- und \u00dcberbr\u00fcckungsmassnahmen rapide. Auch bei den Unternehmen steigt der Verschuldungsgrad stark. Angesichts der bereits hohen Verschuldung zahlreicher Staaten und der schlechten Konjunkturaussichten steigt daher das Risiko von Kreditausf\u00e4llen sowie von Insolvenzen von Unternehmen. Dies k\u00f6nnte die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems bedrohen. Auch das Risiko von Finanzmarktturbulenzen und eines weiteren Aufwertungsdrucks auf den Franken ist erheblich erh\u00f6ht. Im Inland steigt schliesslich das Risiko von Korrekturen im Immobiliensektor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Expertengruppe hat ihre Konjunkturprognose ausserplanm\u00e4ssig aktualisiert. Sie erwartet f\u00fcr 2020 im Zuge der Massnahmen zur Eind\u00e4mmung des Coronavirus einen sehr starken R\u00fcckgang des BIP. Auch 2021 d\u00fcrfte sich die Wirtschaft nur langsam erholen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":373822,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22520,24006,1140],"tags":[1577,1633],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-373821","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-coronavirus-minute-fuer-minute","category-lajme-jeta-ne-zvicer-de","category-leben-in-der-schweiz","tag-ekonomi-de","tag-zvicer-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/373821","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=373821"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/373821\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/373822"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=373821"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=373821"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=373821"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=373821"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=373821"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}