{"id":317698,"date":"2019-10-10T12:09:01","date_gmt":"2019-10-10T10:09:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=317698"},"modified":"2019-10-10T12:09:01","modified_gmt":"2019-10-10T10:09:01","slug":"wer-waehlt-verliert-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/wer-waehlt-verliert-nicht\/","title":{"rendered":"Wer w\u00e4hlt, verliert nicht"},"content":{"rendered":"<p>Es ist wie immer in der Schweiz. Alles scheint ruhig und geordnet. Ob auf den Strassen, in den Caf\u00e9s oder auf Social Media. Es scheint, als st\u00fcnden in den n\u00e4chsten Wochen keine Wahlen an. Dabei finden am 20. Oktober 2019 National- und St\u00e4nderatswahlen statt. Das auf der politischen Ebene h\u00f6chste Parlament der Schweiz wird gew\u00e4hlt. Aber, die Menschen draussen und drinnen scheint das herzlich wenig zu k\u00fcmmern. Das gleich gilt auch, oder vor allem, f\u00fcr die albanische Community in der Schweiz. Insofern kann attestiert werden, dass sich diese Community bestens integriert hat. Wobei, wenn etwas politisches aktuell die Gespr\u00e4che in der albanischen Community dominiert, dann sind das die nationalen Wahlen im Kosovo vom 6. Oktober 2019. Was nicht zwingend heisst, dass die gesamte albanische Diaspora in der Schweiz sich der kosovarischen Politik gewidmet hat. \u00dcberhaupt nicht, denn die grosse Mehrheit nimmt die Wahlen \u2013 ob in der Schweiz oder im Kosovo \u2013 stillschweigend hin. Das ist meines Erachtens das eigentliche Problem, wenn an demokratischen Prozessen die Beteiligung sehr tief ist. Der politische Kampf um Personen, wie er aktuell eben im Wahlkampf im Kosovo gef\u00fchrt wird, wird dadurch v\u00f6llig unwichtig. Letztendlich ist der Personenstreit sowieso kontraproduktiv, da der Fokus von der inhaltlichen Diskussion dadurch abschweift.<\/p>\n<p>Politische Rechte sind keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, auch nicht in der Schweiz. Die direkte Demokratie ist zwar fortschrittlich und vorbildlich f\u00fcr s\u00e4mtliche Demokratien auf der Welt, dennoch musste viel daf\u00fcr gearbeitet und geopfert werden. Die tiefe Wahlbeteiligung der Nationalratswahlen vom 2015 von 48.5% weiss dies nicht anzuerkennen. Der Verdacht, dass dieser Wert \u00e4hnlich tief bleibt wird sich h\u00f6chstwahrscheinlich best\u00e4tigen. Einzig im Kanton Schaffhausen, wo die Teilnahme an den Wahlen obligatorisch ist, liegt der Wert auf \u00fcber 60%.<\/p>\n<p>Stellt sich also die Frage, weshalb dies so ist und wie man dagegen etwas unternehmen kann. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Desinteresse sind vielf\u00e4ltig. Letztendlich geht es den Menschen sehr gut und nur wenige sehen einen unmittelbaren und dringenden Grund etwas an ihrer pers\u00f6nlichen Situation zu ver\u00e4ndern. Hinzu kommt, dass W\u00e4hlende in der Schweiz nebst den Wahlen auf den drei politischen Ebenen auch an unz\u00e4hlige Abstimmungen zur Teilnahme aufgefordert werden. Das f\u00fchrt dann zu einer gewissen Tr\u00e4gheit des B\u00fcrgers, der die Wichtigkeit der politischen Teilnahme verdr\u00e4ngt. Dabei g\u00e4be es sehr wichtige Themen, \u00fcber die jeder Einzelne sich durchaus Gedanken machen m\u00fcsste. Dr\u00e4ngende Themen wie Altersvorsorge, EU-Rahmenabkommen oder Klimaschutz sind nur drei der zentralen Themen, die die zuk\u00fcnftige politische Agenda dominieren werden. Und davon sind alle betroffen, ob als Steuerzahler, als Arbeitnehmer, als Konsument oder eben auch als Rentner.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren gab es durchaus positive Entwicklungen auch in der albanischen Community in der Schweiz. So besetzen mittlerweile f\u00fcr mehrere Parteien diverse Politikerinnen und Politiker mit albanischen Wurzeln \u00c4mter in Exekutive und Parlamente von Gemeinden und Kantonen. F\u00fcr die kommenden Nationalratswahlen stellen sie sich zahlreich f\u00fcr fast alle Parteien auf. Das ist gut so, denn das zeigt auch die ideologische Vielfalt auf und beschr\u00e4nkt die Community nicht auf ein spezifisches Thema. Deshalb w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, wenn sich verst\u00e4rkt die Menschen weiterhin politisch hier in der Schweiz einsetzen und nicht in einem anderen Land \u2013 wenn auch das Heimatland der Eltern. Das politische Klima dort, um auf die Wahlen im Kosovo zur\u00fcckzukommen, scheint vergiftet und nicht sachdienlich. Die Gefahr, dieses Klima hier in der politischen Auseinandersetzung zu \u00fcbertragen ist real. Die n\u00e4chsten Generationen dieser Diaspora wird dankbar sein, wenn wir heute den Weg in den letzten Integrationsschritt einleiten, den in die politische Mitwirkung. Denn, die breite Bev\u00f6lkerung nimmt die Wahlen im Kosovo vor allem deshalb nicht wahr, weil der Bezug dazu richtigerweise fehlt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich mir dabei w\u00fcnschen, wenn dadurch auch die FDP gew\u00e4hlt wird und dadurch die liberale Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin gest\u00e4rkt bleibt. Letztendlich w\u00fcnscht sich aber ein Demokrat vor allem, dass sich Menschen am politischen Prozess dort beteiligen, wo sie leben und tagt\u00e4glich beruflich, gesellschaftlich und kulturell mitwirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die kommenden Nationalratswahlen stellen sie sich die Politikerinnen und Politiker mit albanischen Wurzeln zahlreich f\u00fcr fast alle Parteien auf. 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