{"id":184342,"date":"2018-02-17T11:06:11","date_gmt":"2018-02-17T10:06:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=184342\/"},"modified":"2018-02-20T09:34:53","modified_gmt":"2018-02-20T08:34:53","slug":"ueber-freiheit-unabhaengigkeit-und-die-diaspora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/ueber-freiheit-unabhaengigkeit-und-die-diaspora\/","title":{"rendered":"\u00dcber Freiheit, Unabh\u00e4ngigkeit und die Diaspora"},"content":{"rendered":"<p>Die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovo war die Antwort des albanischen Volkes auf die ihnen zugef\u00fcgten historischen Ungerechtigkeiten. Ausgangspunkt f\u00fcr dieses Projekt war die Anerkennung Albaniens als souver\u00e4nen Staat, von dem jedoch die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung abgeschnitten wurde. Seit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches auf dem Balkan sind Albaner, die au\u00dferhalb der Grenzen Albaniens blieben, einer grausamen Unterdr\u00fcckung ausgesetzt, die bis zum Ethnozid reicht. Ein wichtiger Teil dieser albanischen Bev\u00f6lkerung wurde in organisierter Form in die T\u00fcrkei abgeschoben, w\u00e4hrend diejenigen, die in den angrenzenden L\u00e4ndern beheimatet waren, einer programmierten kulturellen, erzieherischen und wirtschaftlichen Stagnation unterworfen wurden. Auf lange Sicht zielte dieses Programm auf die Aufl\u00f6sung der kollektiven Identit\u00e4t ab und reduzierte drastisch ihren demokratischen Willen sich zu emanzipieren, frei und autonom zu sein.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise brachte keine Methode der Unterdr\u00fcckung gegen die Albaner die erw\u00fcnschten Wirkungen hervor, n\u00e4mlich Unterordnung oder Assimilation. Im Gegenteil, Widerstand und Orientierung auf Selbstbestimmung waren die einzige Antwort, die die albanische Bev\u00f6lkerung der Gewalt und dem institutionalisierten, ethnischen Hass gegen sie, gaben. Trotz des Auf und Ab gelang es den Kosovaren, auf Kosten grosser Opfer ganzer Generationen, ihre Energien zu kanalisieren und all ihre Kr\u00e4fte zu mobilisieren, um ihr Ziel, sich von der quasi kolonialen politischen Dominanz Belgrads zu befreien, zu erreichen.<\/p>\n<p>Die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung ist auch dank der westlichen Intervention und der politischen Kompromisse, die die Kosovaren mit der internationalen Gemeinschaft geschlossen haben, Realit\u00e4t geworden. Aber die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung ist nur der Ausgangspunkt f\u00fcr einen Staatsbildungsprozess. Denn der Genuss der Freiheit durch die Unabh\u00e4ngigkeit erfordert auch die Schaffung umfassender rechtlicher und institutioneller Mechanismen zur Schaffung eines funktionierenden und transparenten Staates, die die erw\u00fcnschte Freiheit und politische Stabilit\u00e4t beg\u00fcnstigen. Dies ist die einzig m\u00f6gliche Antwort auf die Umsetzung des lang ersehnten demokratischen Willens der kosovarischen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Doch der Aufbau des Staates im Kosovo ist mit Fallstricken behaftet. Dessen Eroberung durch eine Schicht von inkompetenten Politikern ist einer der Hauptfaktoren f\u00fcr die fortw\u00e4hrende Stagnation. Die &#8220;Toleranz&#8221;, die die westlichen L\u00e4nder gegen\u00fcber der gegenw\u00e4rtigen kosovarischen F\u00fchrung im Namen von Frieden und Stabilit\u00e4t in der Region zeigen, wirkt sich auch auf die Nichtanpassung des kosovarischen Staates in einem demokratischen und modernen europ\u00e4ischen Geist aus. Nat\u00fcrlich haben auch das Fehlen politischer Erfahrung, die Folgen des Krieges, die akkumulierte sozio\u00f6konomische Unterentwicklung und die politische Einmischung des n\u00f6rdlichen Nachbarn f\u00fcr subversive Zwecke Einfluss auf diese Stagnation.<\/p>\n<p>Eines der Hauptanliegen der albanischen Diaspora, nebst der Liebe zum Kosovo, ist seine sozialpolitische Realit\u00e4t. Ein fortschrittliches Kosovo ist, was alle albanischen Einwanderer erstreben. Zudem ist der Verdienst der albanischen Diaspora f\u00fcr den Kosovo unbestreitbar. In der Tat spielte sie eine direkte Rolle bei der Schaffung der historischen Realit\u00e4t des Kosovo und f\u00fchrte zur Verk\u00fcndung der Unabh\u00e4ngigkeit. Gerade deshalb gibt diese Sonderausgabe des Albinfo.ch Magazins, welches anl\u00e4sslich des zehnten Jahrestages der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht wird, den Mitgliedern der albanischen Diaspora und ihren Schweizer Freunden, die auf ihre Weise zu den demokratischen Ver\u00e4nderungen im Kosovo beitragen, eine Stimme.<\/p>\n<p>Somit w\u00fcnsche ich Ihnen im Namen der Redaktion und der Freunde von Albinfo.ch einen sch\u00f6nen zehnten Jahrestag der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung des Kosovo war die Antwort des albanischen Volkes auf die ihnen zugef\u00fcgten historischen Ungerechtigkeiten. Ausgangspunkt f\u00fcr dieses Projekt war die Anerkennung Albaniens als souver\u00e4nen Staat, von dem jedoch die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung abgeschnitten wurde. 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