{"id":103564,"date":"2016-01-19T09:26:26","date_gmt":"2016-01-19T08:26:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=103564"},"modified":"2016-06-15T13:05:35","modified_gmt":"2016-06-15T11:05:35","slug":"orientalische-misogynie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.at\/de\/orientalische-misogynie\/","title":{"rendered":"Orientalische Misogynie"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die sch\u00e4ndlichen Ereignisse w\u00e4hrend der Neujahrsfeiern\u00a0in K\u00f6ln, aber auch in Z\u00fcrich,\u00a0\u00a0bei welchen Dutzende Frauen in ihrem Intimbereich missbraucht wurden und sexuelle Gewalt durch m\u00e4nnliche Fl\u00fcchtlinge erlitten, wecken zunehmend Polemiken und Revolten, mit welchen dem Staat, der seine T\u00fcren Millionen syrischen und anderen Fl\u00fcchtlingen \u00f6ffnete, die Anerkennung verweigert wird. Die zur\u00fcckgebliebenen, archaischen Verhaltensweisen verursachen grossen Schaden, denn sie f\u00fchren in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung zur Vermischung unschuldiger Fl\u00fcchtlingsfamilien mit Gesetzesbrechern. Sie schw\u00e4chen auch deutlich die\u00a0Stellung der fortschrittlichen Kr\u00e4fte in den westlichen, Vielfalt gegen\u00fcber offenen L\u00e4ndern, und sind Wasser auf die M\u00fchle der Populisten und Fremdenfeinde, wie etwa der Pegida. Letztere nimmt diese Vorf\u00e4lle zum Vorwand, um die \u00d6ffentlichkeit weiterhin gegen die muslimische Pr\u00e4senz in Deutschland zu mobilisieren, und um die traditionellen Parteien und\u00a0die Werte einer offenen Gesellschaft, auf welche das heutige Deutschland aufgebaut ist, weiter zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Instrumentalisierung dieser Ereignisse durch politische Bewegungen der extremen Rechten hinterl\u00e4sst das kollektive Benehmen dieser Horden in K\u00f6ln einen bitteren Geschmack f\u00fcr alle und zeigt deutlich\u00a0 Probleme in den Beziehungen zur Frau und der Wahrnehmung der Frau auf. Generell ist bei essentialistischer Betrachtung menschlicher Verhaltensph\u00e4nomene Vorsicht angebracht, denn diese kategorisiert die Menschen nach ihrer kulturellen oder religi\u00f6sen Herkunft, und sieht \u00fcber ihre Individualit\u00e4t hinweg. Die Ereignisse in K\u00f6ln lassen jedoch erkennen, dass\u00a0zwischen Individuen aus L\u00e4ndern, \u00a0in welchen die Beziehungen zwischen M\u00e4nnern und Frauen sich seit Jahrhunderten nicht weiter-, sondern im Gegenteil\u00a0r\u00fcckw\u00e4rtsentwickelten, und einer Gesellschaft mit sehr weit fortgeschrittener Geschlechtergleichstellung\u00a0tats\u00e4chlich Wertekonflikte entstehen.<\/p>\n<p>Auch wenn die Dinge sich \u00e4ndern und Kulturen nicht statisch sind, sondern sich entwickeln, also sich dem Umfeld entsprechend ver\u00e4ndern, ist die Frau in der geographischen Sph\u00e4re der L\u00e4nder des Orients, insbesondere dort wo der traditionelle religi\u00f6se Einfluss\u00a0stark und die allgemeine Emanzipation stehengeblieben ist, klar diskriminiert, materiell und politisch vom Willen der M\u00e4nner abh\u00e4ngig, und wird oft als ein Objekt (lies: sexuelles) im Dienst des Mannes (lies: um seine m\u00e4nnlichen Begierden zu stillen) und zur Reproduktion betrachtet. Andrerseits sind m\u00e4nnliche Jugendliche und M\u00e4nner (wie auch Frauen, glaube ich)\u00a0in dieser Hinsicht extrem entt\u00e4uscht, weil der Partner und ihr Sexualleben von der Familie, vom Umfeld, von den Traditionen, die\u00a0einem v\u00f6llig asymmetrischen Mann-Frau-Verh\u00e4ltnis entspringen, diktiert werden.<\/p>\n<p>All diese Konstellationen, die die nat\u00fcrlichen menschlichen Bed\u00fcrfnisse bremsen und sie mittels traditioneller famili\u00e4rer Mechanismen kanalisieren, f\u00fchren zu Heuchelei und einer Zerst\u00f6rung des inneren Gleichgewichts bei den Jungen in schwindelerregendem Mass. Im Moment, wo nun die Individuen aus den strukturellen Zw\u00e4ngen\u00a0und Verwicklungen der Herkunftsgesellschaften mit ihrer starken sozialen Kontrolle heraustreten, enthemmen sie sich, weil sie meinen, auf diese Weise die Freiheit zu finden, die sie nie genossen haben und st\u00fcrzen sich darauf, ihren Hunger mit frauenfeindlichem Benehmen zu stillen.<\/p>\n<p>Das Traurigste ist, dass\u00a0sich solche Ph\u00e4nomene auch in albanischen Gefilden zeigen, besonders in Makedonien, doch auch in einigen Gegenden in Kosova, die immer st\u00e4rker unter den Einfluss einer frauenfeindlichen Kultur geraten, wie sie sich innerhalb strenger politisch-religi\u00f6ser Rahmenbedingungen, aber auch ausserhalb solcher\u00a0 entwickelt, als abgestandener Folklorekitsch. So f\u00e4llt auf, wie Frauen in den albanischen Medien dargestellt werden, sozusagen nackt, vulg\u00e4r und\u00a0mit Gesten, die einen err\u00f6ten lassen. Der R\u00fcckschritt unserer, der albanischen,\u00a0Gesellschaft, und die Frauenfeindlichkeit sind demnach das Resultat zweier Kr\u00e4fte: des konservativen politisch-religi\u00f6sen Einflusses, und jener von ausserhalb, des Zitterns der orientalischen H\u00fcften.<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung verurteilt keineswegs die Herkunftskulturen und sucht die Gr\u00fcnde der Konflikte nicht nur in der kulturellen Dimension. Im Gegenteil, urteilen wir im Sinne des ber\u00fchmten Orientalisten Edward Sa\u00efd, der sein Werk dem Kulturrelativismus gewidmet hatte, so widerspiegelt dieses zur\u00fcckgebliebene Verhalten eben gerade die Abkehr orientalisch beeinflusster Gesellschaften vom Weg der kulturellen Moderne, vor allem seit der Zerst\u00f6rung der halbdespotischen laizistischen Regimes und der Wiederherstellung einer strengen religi\u00f6sen Kontrolle der sozialen und individuellen Beziehungen. Das Ausmass an Stagnation dieser Gesellschaften, darunter zum Teil auch der albanischen, in Bildung und allgemeinem Fortschritt, beg\u00fcnstigt lediglich die orientalische Misogynie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die sch\u00e4ndlichen Ereignisse w\u00e4hrend der Neujahrsfeiern\u00a0in K\u00f6ln, aber auch in Z\u00fcrich,\u00a0\u00a0bei welchen Dutzende Frauen in ihrem Intimbereich missbraucht wurden und sexuelle Gewalt durch m\u00e4nnliche Fl\u00fcchtlinge erlitten, wecken zunehmend Polemiken und Revolten, mit welchen dem Staat, der seine T\u00fcren Millionen syrischen und anderen Fl\u00fcchtlingen \u00f6ffnete, die Anerkennung verweigert wird. 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